Eintracht Frankfurt übergibt Hanau-Gedenk-Shirts an die Angehörigen

Moritz Piehler
·Freier Autor
·Lesedauer: 3 Min.
Eintracht Frankfurts Amin Younes widmete sein Traumtor gegen Bayern München den Opfern von Hanau. (Bild: REUTERS/Daniel Roland)
Eintracht Frankfurts Amin Younes widmete sein Traumtor gegen Bayern München den Opfern von Hanau. (Bild: REUTERS/Daniel Roland)

Vor dem Spiel gegen Bayern München hatten die Spieler der Frankfurter Eintracht den Opfern des rassistischen Anschlags in Hanau gedacht. Nun überreichten sie die Gedenk-Shirts an die Angehörigen.

Es war ein emotionaler Augenblick im Frankfurter Waldstadion, als die Spieler des Gastgebers in Shirts mit den Gesichtern und Namen der Anschlagsopfer von Hanau zum Aufwärmen einliefen. Genau ein Jahr zuvor hatte ein Attentäter aus rassistischen Motiven insgesamt zehn Menschen getötet und fünf weitere schwer verletzt, bevor er sich selbst das Leben nahm. Die Tat erschütterte das Land und insbesondere das Bundesland Hessen. Auch wenn das Stadion einen Tag nach dem Jahrestag wegen der Pandemie leer bleiben musste, wollten wenigstens Verein und Spieler mit einer Geste des Gedenkens an die Opfer erinnern.

Unter dem Slogan #SayTheirNames liefen sie in schwarzen T-Shirts auf, auf denen die Gesichter von Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov zu sehen waren. Dass Frankfurt das Spiel gegen die Favoriten aus München sogar mit 2:1 gewinnen konnte und Amin Younes nach seinem Traumtor zum 2:0 das Shirt mit dem Konterfei von Fatih Saraçoğlu in die Kameras hielt, verschaffte dem Gedenken weitere Aufmerksamkeit. Doch es sollte nicht bei leeren Gesten bleiben, deshalb beschlossen die Eintracht und Präsident Peter Fischer, ein Treffen mit den Angehörigen der Opfer zu organisieren. An diesem Donnerstag reisten Fischer und Younes gemeinsam nach Hanau, um die Gedenk-Shirts zu überreichen.

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"Ihr seid Teil unserer Familie"

In den Räumen der "Initiative 19. Februar" hatten sich insgesamt 15 der Angehörigen eingefunden. Im Gespräch mit den Familien sagte Fischer laut Hessenschau: "Es war uns wichtig, die Gesichter zu zeigen, die Namen zu nennen. Die Opfer waren nicht irgendwelche Zahlen", und betonte: "Wir fühlen uns wie eine Familie, ihr seid Teil unserer Familie." Neben den Shirts übergab die Delegation der Eintracht auch noch einen Scheck über 10.000 Euro, mit dem die Arbeit der Initiative unterstützt werden soll.

Auch Torschütze Younes sprach zu den Angehörigen, unter denen auch die Verlobte Saraçoğlus war. Er habe nicht gewusst, ob sein Torjubel mit dem Shirt richtig gewesen sei, "aber ich habe es in diesem Moment als richtig empfunden", erklärte der fünfmalige Nationalspieler. Der Applaus der Anwesenden bestätigte, dass seine Geste nicht als unangebracht empfunden wurde. Dem hr sagte Younes: "Wir wollten zeigen, dass wir nicht nur Fußballer sind, die Spiele gewinnen oder verlieren. Wir sind auch Kinder und Brüder, die nach Hause gehen und ihre Eltern besuchen." Das Treffen mit den Angehörigen habe ihn sehr beeindruckt.

Video: Der rassistische Anschlag von Hanau