"Wie Kindergeburtstag" - Eisenbichler sauer auf Tournee-Veranstalter

SID
·Lesedauer: 3 Min.

Bei der Qualifikation zum ersten Tournee-Springen in Oberstdorf landet Markus Eisenbichler weit hinten. Im Anschluss übt er Kritik an der Organisation.

ENGELBERG, SWITZERLAND - DECEMBER 20: Markus Eisenbichler of Germany takes second place during the Men's HS140 at the Viessmann FIS Ski Jumping World Cup at  on December 20, 2020 in Engelberg, Switzerland. (Photo by Vianney Thibaut/NordicFocus/Getty Images)
Markus Eisenbichler hatte nach der ersten Quali in Oberstdorf die Nase gestrichen voll (Bild: Vianney Thibaut/NordicFocus/Getty Images)

Markus Eisenbichler stampfte verärgert aus dem Auslauf, auch Karl Geiger war nach dem turbulenten Tournee-Auftakt nicht überglücklich: Die DSV-Adler haben bei der Ouvertüre zur 69. Vierschanzentournee in Oberstdorf die Spitzenplätze in der Qualifikation bei schwierigen Windverhältnissen deutlich verpasst.

Bei dichtem Schneetreiben und gespenstischer Kulisse auf der Schattenbergschanze landete Lokalmatador Geiger nach überstandener Corona-Infektion als bester deutscher Skispringer auf Platz 14 (114,0 m). Eisenbichler kam bei gleicher Weite nicht über den 25. Rang hinaus - und er ärgerte sich über die Organisation.

"Das war wie ein Kindergeburtstag. Es war nicht tournee-like", sagte der Weltmeister im ZDF, "nicht durchgetaktet, wir hatten lange Wartezeiten vor dem Lift. Das war bei den anderen Weltcups besser."

Das Ergebnis wollte "Eisei", der am Dienstag in der Entscheidung der besten 50 im ersten Duell antreten wird, nicht überbewerten.

Auch Wellinger und Freund dabei

"Es sagt nichts aus. Morgen wird das Wetter wieder schön und alles entspannt", sagte der Bayer und klang schon etwas beruhigter. Elf von zwölf gestarteten DSV-Adler überstanden die Qualifikation, auch die Sorgenkinder Severin Freund, Andreas Wellinger und Richard Freitag sind dabei.

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Bei Geiger überwog nach einem soliden Sprung die Freude über das Comeback. "Es war eine zähe Partie, der Wind ist echt ordentlich am Turm", sagte der Skiflug-Weltmeister: "Ich bin froh, dass ich dabei sein darf."

Nicht dabei sein dürfen derweil die polnischen Stars um Kamil Stoch und Titelverteidiger Dawid Kubacki. Wenige Stunden vor der Qualifikation war es für die Polen zum Corona-GAU gekommen. Unter dem Titel "Paukenschlag" gaben die Organisatoren den Ausschluss der gesamten polnischen Mannschaft bekannt, da Teamkollege Klemens Muranka positiv getestet worden war.

Polen von Tournee ausgeschlossen

Die Favoriten um Stoch, Kubacki und Piotr Zyla müssen deshalb zuschauen - trotz negativer Tests. Denn Murankas Kollegen zählen zur Kontaktgruppe 1.

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"Das bedeutet: Sie hatten entweder über 15 Minuten lang direkten Kontakt von Angesicht zu Angesicht oder waren über 30 Minuten lang gemeinsam in einem geschlossenen Raum oder auch Fahrzeug", sagte Florian Stern, Generalsekretär beim Auftaktspringen in Oberstdorf.

Eisenbichler war nach dem Ausschluss der Polen schockiert. "Es ist heftig. Ich finde es traurig, dass sie es so entschieden haben", sagte er: "Ich will mich mit den Besten der Welt messen, da gehören sie definitiv dazu."

Aschenwald gewinnt Quali

Ob solch ein Horror-Szenario auch den DSV-Adlern drohen könnte? Bundestrainer Stefan Horngacher blieb zuversichtlich. "Wir sind weiterhin optimistisch und haben unser Sicherheitskonzept, das bei uns wirkt", sagte er.

Das Gesundheitsamt habe zum Schutz aller anderen Athleten "keine andere Wahl" gehabt, teilten die Veranstalter mit. Die Qualifikation fand deshalb mit nur 55 Athleten aus 15 Nationen statt. Den Quali-Sieg holte der Österreicher Philipp Aschenwald mit der Höchstweite von 128,5 m vor dem norwegischen Topfavoriten Halvor Egner Granerud (122,0) und Cene Prevc (122,0) aus Slowenien.

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