Eishockey: Caps holen Meistertitel mit Rekord

Was für ein Spektakel! Die Vienna Capitals rauschen makellos zum Meistertitel, besiegen im Eissportzentrum Klagenfurt den KAC zum vierten Mal und holen sich den zweiten Titel ihrer Geschichte.

Was für ein Spektakel! Die Vienna Capitals rauschen makellos zum Meistertitel, besiegen im Eissportzentrum Klagenfurt den KAC zum vierten Mal und holen sich den zweiten Titel ihrer Geschichte.

Wiens Unbesiegbare krönen ihre Saison mit einem Rekord. Beeindruckender ist in der Erste Bank Eishockey Liga noch niemand zum Meistertitel marschiert wie diesmal die Vienna Capitals. Die Wiener krönten eine in Grunddurchgang und Play-off herausragende Saison mit dem zweiten Meisterpokal der Clubgeschichte nach 2004/05.

Das vierte Final-Duell begann ganz im Sinne des KAC. In der mit fast 5.000 Zuschauern ausverkauften Stadthalle lenkte Matthew Neal schon nach 33 Sekunden einen Schuss von Jamie Lundmark mit dem Stock ins Tor. Die Referees entschieden nach Videostudium nicht auf hohen Stock, sondern auf 1:0. Doch wie in den vergangenen Spielen fanden die Wiener rasch eine Antwort. Rafael Rotter verwertete einen abprallenden Schuss von Ryan McKiernan zum 1:1 (4.).

Ein Puckverlust in Überzahl des KAC ermöglichte nur drei Minuten später den Gästen einen Konter, den Andreas Nödl nach Vause-Zuspiel zur Führung nutzte. 51 Sekunden vor der ersten Drittelpause gelang den Rotjacken aber noch der Ausgleich zum 2:2. Ziga Pance scorte im Powerplay seinen fünften Play-off-Treffer.

Doch die Führung blieb dem KAC versagt. Die Wiener nützten hingegen ein Überzahlspiel - McKiernan traf präzise ins linke Kreuzeck (26.). Im Schlussabschnitt drängte der KAC, der erstmals in einem Finalspiel den zuvor gesperrten Verteidiger Strong einsetzen durfte, vehement.

Es gab zahlreiche Chancen, doch den Stürmern von Coach Mike Pellegrims stand entweder die Stange (etwa bei Schüssen von Hurtubise/36. oder Pance/47.) oder der überaus starke Goalie David Kickert im Weg. Im Sturmlauf im Finish - Keeper David Madlener war schon 107 Sekunden vor dem Ende vom Eis genommen worden - verhinderte u.a. Philippe Lakos in seinem 100. Play-off-Spiel den Ausgleich zum 3:3.

Die unnachahmliche Geschichte der Capitals

Nach dem Viertelfinal-Aus in der vergangenen Saison hatten sich die Caps von Jim Boni, Meistermacher von 2005, getrennt und landeten einen Goldgriff. Der Kanadier Serge Aubin war frei, nachdem die Hamburg Freezers aus der DEL ausgestiegen waren. "Seit dem Trainingscamp sage ich: ein Spiel nach dem anderen", erklärte der ehemalige NHL-Spieler (396 Partien) sein Credo der täglichen harten Arbeit.

Aubin baute junge Österreicher ein, konnte aber vor allem auf ein Dutzend Legionäre setzen. Kapitän Jonathan Ferland, Torjäger Riley Holzapfel, der wertvollste Spieler (MVP) der Liga, und Torhüter J.P. Lamoureux bildeten mit den starken heimischen Routiniers Andreas Nödl und Rafael Rotter das Gerüst der dominanten Mannschaft dieser Saison. Mit 33 Siegen und 98 Punkten stellten die Caps im Grunddurchgang EBEL-Rekorde auf. Im Play-off legten sie noch einmal zu und marschierten als erste Mannschaft seit EBEL-Gründung 2003/04 ohne Niederlage (jeweils 4:0 gegen Innsbruck und Südtirol) ins Finale.

Bessere Zuschauerzahlen als die Austria

In der Endspiel-Serie gegen Rekord-Meister KAC prolongierten die "Caps" ihre Topform. Nach dem 3:2 im vierten Final-Duell in Klagenfurt eroberten sie am Freitag die Trophäe.

Diese Leistungen kommen bei den Fans auch bestens an. Jeweils über 7.000 Zuschauer verfolgten die Finalspiele in der Albert-Schultz-Halle in Kagran, die zwischen 2009 und 2011 um 40 Millionen Euro renoviert und ausgebaut worden war. Mit insgesamt 145.866 Zuschauern liegen die Caps im Mannschaftssport auf Rang drei hinter Rapid und Sturm, aber noch vor der Austria - bei allerdings auch mehr Heimspielen.

Dabei lag Eishockey vor gar nicht so langer Zeit in Wien auf dem Boden. Der Traditionsverein WEV, 1923 erster österreichischer Meister und 1962 für 43 Jahre der letzte aus Wien, wurde im Jahr 2000 aufgelöst, womit in der Saison 2000/01 erstmals in der Geschichte kein Verein aus der Bundeshauptstadt in der ersten oder zweiten Liga dabei war. Nach einer Saison allerdings kehrte Profi-Eishockey in Form der Vienna Capitals nach Wien zurück.

Die Erfolgsgeschichte war in den Anfangsjahren eng mit zwei Männern im Hintergrund verbunden: Marketingfachmann Martin Platzer, selbst 59-facher Teamspieler, rief im Jahr 2000 u.a. mit der ehemaligen WEV-Ikone und Trainer Kurt Harand sowie Johann Schuller die "Eishockey Marketing GesmbH" ins Leben, die die Capitals gründete. Ein Jahr später wurde auch Hans Schmid, ehemaliger GGK-Eigentümer, ins Boot geholt. 2003 übernahm Schmid auch das Präsidenten-Amt.

Innerhalb von vier Jahren erkämpften sich die Caps die Gunst der Fans zurück und schafften 2004/05 unter Boni ihren ersten Meistertitel. Der große Coup gelang mit ausländischen Stars wie Torhüter Frederic Chabot, Darcy Werenka, Bob Wren oder Mike Craig sowie heimischen Teamspielern wie Kapitän Dieter Kalt, Gregor Baumgartner, Manuel Latusa, Markus Peintner, Robert Lukas und auch Philippe Lakos, der als Einziger auch heuer dabei war. Auf den zweiten Titel mussten die Wiener Fans allerdings lagen warten. Zwei Endspiel-Teilnahmen 2013 und 2015 endeten jeweils mit 0:4-Abfuhren. Am Freitagabend durften die Capitals aber zum zweiten Mal den Pokal stemmen.

Es war eine fast perfekte Saison für den Club. Riley Holzapfel wurde von den Fachjournalisten zum MVP (wertvollster Spieler) gewählt, Torhüter David Kickert zum YoungStar der Saison. Dass die Caps mittlerweile auch im Nachwuchs aufgeholt haben, zeigt der österreichische Meistertitel mit der U20 und der U18 und in der Erste Bank Youngstars League unter Trainer Christian Dolezal.

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