Darum ist der Deutschland Cup gerade jetzt so wichtig

Alexandra Müller
·Lesedauer: 4 Min.

Ohne Bundestrainer, ohne Zuschauer, fast ohne Gegner: Der Deutschland Cup der Eishockey-Nationalmannschaft ähnelt in diesem Jahr einem Notprogramm.

(SPORT1 zeigt die beiden Gruppenspiele des deutschen Teams am Donnerstag, 5.11. ab 19.30 Uhr und Samstag, 7.11. ab 16.45 Uhr LIVE sowie Highlights des Finals am Sonntag, 8.11. ab 19 Uhr im TV auf SPORT1)

Norwegen, Slowakei, Schweiz und Russland - ein Gegner nach dem anderen sagte ab. Zuschauer wurden bereits im Vorfeld ausgesperrt. Dann wurde auch noch Toni Söderholm positiv auf das Coronavirus getestet.

Die Vorzeichen für das Turnier in Krefeld könnten wahrlich besser sein. Mit Lettland steht nur ein einziger internationaler Gegner zur Verfügung, das Teilnehmerfeld wird vom eigenen DEB-Perspektivteam für Olympia 2022 in Peking komplettiert. Dennoch zieht der Deutsche Eishockey-Bund sein jährliches Heimturnier durch.

"Wir wollen das Turnier nutzen, um der Sportart Leben zu geben", betonte Flügelspieler Marcel Noebels in einem Pressegespräch. Und weiter: "Jedes Spiel in Deutschland ist momentan wichtig. Wir haben richtungsweisende Wochen vor uns."

Auch Yannic Seidenberg unterstrich die Bedeutung des Cups: "Es ist wichtig für das deutsche Eishockey, wieder zusammenarbeiten und zeigen zu können, dass Eishockey noch lebt."

Viele DEL-Spieler ohne Training und Spiele

Viele der Nationalspieler haben seit fast acht Monaten kein Spiel mehr bestritten. "Das wird sicherlich nicht leicht ohne Wettkampfpraxis. Aber es gilt, das nicht als Ausrede zu nutzen", forderte Seidenberg, der mit dem EHC Red Bull München selbst schon wieder regelmäßig auf dem Eis steht.

Steffen Ziesche, der als Vertretung für den erkrankten Söderholm ins Trainerteam berufen wurde, machte derweil deutlich, dass man die Spieler nach der langen Pause nicht überfordern dürfe. "Das ist eine große Herausforderung. Aber die Freude der Jungs ist zu greifen", so der U18-Bundestrainer.

Zudem dürfe man nicht vergessen, wie wichtig das Turnier in Krefeld auch für den Verband sei. "Die Wertigkeit darf nicht unterschätzt werden. Unsere Mannschaft hat eine Verantwortung und gleichzeitig eine Herausforderung zu meistern. Der Wettkampfmodus ist ganz wichtig", sagte der 48-Jährige.

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Unterstützt wird der Berliner von Pinguins-Coach Thomas Popiesch. "Thomas war letztes Jahr schon bei einer Maßnahme dabei. Er kennt einen Großteil der Jungs, daher war es eine logische Konsequenz", erklärte Ziesche die Wahl.

Söderholm begleitet Turnier aus der Ferne

Während der gesamten Maßnahme sei man zudem in engem Austausch mit Söderholm. Aus der Quarantäne in München verfolgt der Finne mit täglichen Videosessions und Telefonaten, wie sich seine Nationalspieler nach der langen Zwangspause präsentieren.

"Wir waren auf solche Szenarien vorbereitet und wussten, wer dann wo einspringt. Schade, dass Toni nicht dabei ist, aber wir sind in engem Austausch. Wir arbeiten natürlich nach seinen Vorgaben", so Ziesche.

Gleichzeitig kommt auch Führungsspielern wie Seidenberg, Korbinian Holzer und Moritz Müller eine größere Rolle zu. Ziesche betonte hierzu: "Das sind wichtige Säulen der Mannschaft. Sie haben Erfahrung in ihren Vereinen. Der Austausch und die Kommunikation mit ihnen sind sehr eng. Sie machen einen guten Job und führen die Mannschaft."

Lettland einziger internationaler Gegner

Der Deutschland Cup soll die Rückkehr zum Spielbetrieb einläuten. Am Freitag beginnt die zweite Liga ihre Saison, in der nächsten Woche gehen acht der 14 DEL-Klubs beim MagentaSport Cup aufs Eis und am 18. Dezember soll endlich der zweimal verschobene Saisonstart gelingen.

Die Nationalmannschaft startet am Donnerstag gegen das eigene Perspektivteam und trifft am Samstag auf Lettland. Natürlich wäre es schön gewesen, "mehr Mannschaften zu haben", sagte Debütant Leon Gawanke. Aber: "Bei der U23 sind viele talentierte Jungs dabei. Es wird nicht einfach und wir müssen 100 Prozent geben. Und auch Lettland wird heiß sein."

Auch Seidenberg warnte davor, die jungen Talente zu unterschätzen. "Sie werden hochmotoviert sein und alles versuchen, uns zu schlagen. Für uns gilt es, nach der langen Pause schnell wieder einen Rhythmus zu finden, schließlich wollen wir zeigen, dass wir hier hingehören und nicht die jungen Wilden."

Doch die Breite im Kader hat vor allem auch Vorteile und lässt positiv in die Zukunft blicken, wie der 36-Jährige klarstellte: "In den letzten Jahren stehen immer mehr junge Spieler aus dem deutschen Nachwuchs zu Verfügung. Die Arbeit, die in den Vereinen geleistet wird, trägt langsam Früchte."