EM-Quali: Gislasons Wutausbruch löst Deutschlands Handbremse

SPORT1
·Lesedauer: 9 Min.

Mit einem guten Gefühl stieg Handball-Bundestrainer Alfred Gislason keine drei Stunden nach dem erfolgreichen Abschluss des ersten Länderspiel-Doppelpacks in den Flieger nach Köln.

Sein Team brauche zwar "noch ein bisschen Zeit und ein wenig Training, aber es war ein guter Schritt in die richtige Richtung", sagte der Isländer nach dem deutlichen 35:23 (13:12) im zweiten EM-Qualifikationsspiel bei Außenseiter Estland. (SERVICE: Ergebnisse/Spielplan der EM-Qualifikation)

Zwei Spiele, zwei Siege, aber wieder die erste Hälfte verschlafen. "Ich fand das Spiel insgesamt deutlich besser als das letzte", betonte Gislason im ZDF rückblickend auf das wacklige 25:21 zum Auftakt gegen Bosnien-Herzegowina. In beiden Spielen habe laut Gislason in der ersten Hälfte "ein wenig die Ruhe und die Abgezocktheit gefehlt", in Tallinn lieferte seine Mannschaft dann aber "eine sehr gute Leistung" ab.

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Der überragende Julius Kühn war mit neun Treffern vor einer Geisterkulisse der beste Werfer für die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB). "In der zweiten Halbzeit lief einiges besser, da haben wir weniger technische Fehler gemacht", sagte auch Kühn: "Was wir uns ankreiden müssen, ist die erste Hälfte."

Estland-Trip unter erschwerten Bedingungen

Die Reise nach Estland fand zudem unter erschwerten Bedingungen statt. Auf ein Abschlusstraining musste das Team verzichten, da die Spieler nach der Ankunft am Samstag einen Coronatest machen mussten und danach direkt im Quarantäne-Hotel abgeschottet wurden. Erst zum Mittagessen am Sonntag, nachdem alle Tests negativ ausgefallen waren, kam die Mannschaft wieder zusammen.

Mit dem zweiten Sieg in der Qualifikationsgruppe 2 festigte die deutsche Mannschaft auch den Platz an der Tabellenspitze. Für die EM-Endrunde 2022 in Ungarn und der Slowakei lösen die jeweils ersten beiden Teams sowie die vier besten Dritten der acht Gruppen ihr Ticket. (SERVICE: Tabellen der EM-Qualifikation)

Vor dem Duell in Estland hatte Gislason mit Blick auf die Belastungssteuerung zwei Änderungen vorgenommen. Torhüter Silvio Heinevetter und Fabian Böhm blieben zu Hause, dafür flogen Till Klimpke und Paul Drux mit ins Baltikum.

Gislason sauer in Auszeit

Doch es wurde zunächst wieder ein Geduldsspiel. Zwar lag die verbesserte DHB-Auswahl dank der Abschlussstärke des starken Kühn über weite Strecken ungefährdet in Führung, doch einige Ungenauigkeiten in der Offensive hielten den Underdog im Spiel.

"Viel zu billige Tore und zu viele Fehler", bemängelte Gislason sichtlich aufgebracht in einer Auszeit. Auch DHB-Sportvorstand Axel Kromer stimmte mit ein. "Wir kreieren sehr viele Gelegenheiten aus dem Rückraum, die wir zum Teil nicht ausreichend nutzen", sagte er.

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Dieses Manko stellte die deutsche Mannschaft nach dem Seitenwechsel ein und zog mit einem 7:1-Lauf entscheidend auf 20:13 (40.) davon. Den Esten, die noch nie bei einem großen Turnier dabei waren, gingen in der Offensive etwas die Ideen aus.

In der Schlussphase ließ Deutschland nichts mehr zu. Gislason nutzte die Gelegenheit und rotierte. Mit zwei Siegen im Rücken geht es für das DHB-Team am 6. Januar nach Wien in das erste Duell gegen Österreich. Vier Tage später findet das Rückspiel in Köln, zugleich die Generalprobe für die WM in Ägypten (13. bis 31. Januar), statt.

Das Spiel zum Nachlesen im TICKER:

+++ 60. Minute: Schlusspfiff - Sieg für Deutschland +++

Deutschland erledigt seine Pflichtaufgabe souverän. Die Mannen von Alfred Gislason gewinnen mit 35:23 (13:12) gegen Estland. In der ersten Halbzeit sorgten viele Fehler der Deutschen für einen engen Spielstand. In Halbzeit zwei steigerte sich die deutsche Mannschaft. Am Ende steht ein auch in der Höhe verdienter Sieg. Spieler des Spiels: Julius Kühn.

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+++ 59. Minute: Spiel plätschert vor sich hin +++

Das Spiel ist entschieden. Die Esten kämpfen weiter um jedes Tor, aber man merkt der deutschen Mannschaft an, dass hier gleich der Schlusspfiff ertönt. Spielstand: 34:23.

+++ 56. Minute: Wiencek schlitzohrig +++

Kreiläufer Patrick Wiencek trifft per Heber über den 1,95 Meter großen Torwart der Esten. Aktuell klappt alles bei den Deutschen. Es steht 34:20.

+++ 55. Minute: Estland sieht keinen Stich mehr +++

Die deutsche Abwehr lässt kaum noch Abschlüsse zu. In den Gegenangriffen kommt Deutschland zu vielen einfachen Toren. Spielstand: 32:19.

+++ 53. Minute: Elf-Tore-Führung für Deutschland +++

Sebastian Heimann tankt sich durch und darf sich auch über seinen ersten Treffer freuen. Im den nächsten beiden Angriffen treffen Wiencek und Schiller zum 29:18.

+++ 50. Minute: Deutschland baut Führung aus +++

Deutschland nutzt die Überzahl aus. Juri Knorr schließt sicher zum 26:17 ab.

+++ 48. Minute: Schiller verwandelt Siebenmeter +++

Nach zwei Fehlwürfen von der Linie trifft Marcel Schiller per Siebenmeter zum 25:17. Die Esten sind durch eine Zwei-Minuten-Strafe noch eine Minute in Unterzahl.

+++ 47. Minute: Gislason rotiert +++

Alfred Gislason gibt den jungen Wilden um Juri Knorr jetzt ihre Spielzeit. Daraufhin kommen die Esten wieder etwas besser ins Spiel. Aber die Führung ist weiterhin deutlich: 24:17.

+++ 45. Minute: Knorr auf dem Feld +++

Juri Knorr wird eingewechselt. Deutschland weiterhin dominant und auch besser über die Außen. Es steht 23:16.

+++ 43. Minute: Semper trifft nach Einwechslung +++

Franz Semper kommt für Häfner auf den Platz und trifft direkt zum 22:14.

+++ 41. Minute: Es geht Schlag auf Schlag +++

Viele schnelle Tore der deutschen Mannschaft, aber auch die Esten treffen mal wieder. Es steht 21:14 für Deutschland.

+++ 39. Minute: Immer wieder Kühn +++

Julius Kühn erhöht auf 19:13. Der komfortablen Führung ging ein Schrittfehler der Esten voraus.

+++ 37. Minute: Deutschlands Abwehr steht +++

Der Block der Deutschen wird immer sicherer. Jogi Bitter hat aktuell wenig zu tun. Reichmann verwirft in der Offensive einen Siebenmeter. Es steht weiterhin 18:13.

+++ 36. Minute: Estland mit leerem Tor +++

Deutschland hat gleich zwei Chancen, auf ein leeres Tor der Esten zu werfen. Der erste Wurf fliegt noch am Tor vorbei. Nur kurze Zeit später geht Jogi Bitter auf Nummer sicher und bedient Uwe Gensheimer, der problemlos zum 18:13 trifft.

+++ 34. Minute: Esten mit erstem Tor in Halbzeit zwei +++

Erst hält der deutsche Block noch, doch im zweiten Versuch trifft Toom aus dem Rückraum. Im Gegenzug stellt Hendrik Pekeler die Vier-Tore-Führung wieder her. Es steht 17:13.

+++ 33. Minute: Kühn ist kaum zu verteidigen +++

Deutschlands Führung wächst wieder auf vier Tore an. Julius Kühn trifft aus dem Rückraum zum 16:12.

+++ 32. Minute: Gensheimer im Gegenstoß erfolgreich +++

Estland wirft gegen die Latte. Deutschland geht direkt in den Gegenstoß und Uwe Gensheimer trifft zum 15:12. Der Start in die zweite Halbzeit ist vielversprechend.

+++ 31. Minute: Pekeler trifft am Kreis +++

Hendrik Pekeler setzt sich am Kreis durch und trifft zum 14:12 für Deutschland.

+++ 31. Minute: Anpfiff der zweiten Halbzeit +++

Deutschland und Estland sind zurück auf dem Feld. Die zweite Halbzeit startet mit Ballbesitz Deutschland.

+++ 30. Minute: Deutschland führt zur Pause +++

Mit 13:12 für Deutschland geht es in die Pause. Die zwischenzeitliche Überlegenheit ging durch zu viele einfache Fehler verloren. In der zweiten Halbzeit bedarf es einer besseren Leistung, um nicht gegen den Außenseiter Punkte liegenzulassen.

+++ 30. Minute: Gislason unzufrieden +++

"Viel zu viele Gegentore und billige Fehler, die wir gemacht haben", wird Trainer Alfred Gislason deutlich in der ersten deutschen Auszeit.

+++ 29. Minute: Gensheimer verwirft Siebenmeter +++

Kurz vor der Halbzeit hat Gensheimer die Chance, die deutsche Führung wieder etwas komfortabler zu gestalten. Der Kapitän wirft aber am Tor vorbei. Im Gegenangriff treffen die Esten per Siebenmeter zum 13:12. Der eingewechselte Torwart Till Klimpke hatte keine Chance.

+++ 27. Minute: Zwei Minuten für Estland +++

Eine fragwürdige Zwei-Minuten-Strafe für Estland schafft Räume für die deutsche Mannschaft, die Julius Kühn zum 13:11 nutzt.

+++ 25. Minute: Kühn humorlos +++

Nach zwei Angriffen ohne Tor trifft die deutsche Mannschaft zum 12:10. Torschütze ist einmal mehr Julius Kühn mit einem Wurf aus neun Metern. Daraufhin macht Estland per Siebenmeter erneut den Anschlusstreffer zum 12:11.

+++ 23. Minute: Estland trifft im Gegenstoß +++

Deutschland mit einfachen Fehlern im Aufbau, die Estland zweimal im Tempogegenstoß ausnutzt und auf 11:10 herankommt.

+++ 22. Minute: Erste Auszeit für Estland +++

Estland nimmt die erste Auszeit. Direkt im Anschluss verkürzen die Esten per Siebenmeter auf 11:8.

+++ 21. Minute: Kühn on fire +++

Julius Kühn bereits mit seinem fünften Treffer in der ersten Halbzeit zum 11:7 für Deutschland.

+++ 19. Minute: Deutschland hat das Spiel im Griff +++

Mit geduldigen Angriffen und starker Abwehr hat Deutschland das Spiel im Griff. Lediglich die Chancenverwertung könnte noch besser werden. 10:6 für Deutschland.

+++ 17. Minute: Erneut zwei Minuten für Estland +++

Karl Toom (Estland) bekommt zwei Minuten. Daraufhin erneut Julius Kühn mit dem Tor zum 8:5.

+++ 16. Minute: Erste Drei-Tore-Führung für Deutschland +++

Deutschland nutzt die Überzahl, um das erste Mal mit drei Toren in Führung zu gehen. Julius Kühn erzielt das 7:4.

+++ 14. Minute: Deutschland in Überzahl +++

Zwei Minuten für Andris Celminš (Estland). Daraufhin kommen die Esten zum 4:3 Anschlusstreffer. Im Gegenangriff erhöht Häfner aber wieder auf 5:3.

+++ 10. Minute: Estland gleicht aus - Kühn antwortet +++

Nach drei Angriffen ohne Tor in Folge der deutschen Mannschaft, gleichen die Esten zum 2:2 aus. Aktuell gibt es viele Fehlpässe auf beiden Seiten. Die Abwehrreihen stehen gut. Julius Kühn netzt für Deutschland zum 3:2 nach zehn Minuten.

+++ 3. Minute: Deutschland geht in Führung +++

Deutschland startet mit Gensheimer, Kühn, Reichmann, Häfner, Pekeler und Lemke. Bitter steht im Tor. Dieser hält die ersten beiden Bälle. Kühn trifft im zweiten deutschen Angriff zum 1:0 für Deutschland.

+++ 1. Minute: Anwurf! Das Spiel läuft +++

Die Partie hat begonnen. Deutschland spielt in schwarzen Trikots gegen den in weißen Trikots und schwarzen Hosen auflaufenden Gastgeber.

+++ Herzlich Willkommen - gleich geht's los +++

Die beiden Teams werden demnächst das Parkett der leeren Halle in Tallinn betreten. Dann werden auch die Nationalhymnen gespielt - und nur noch wenige Minuten Geduld, dann geht das Spiel los.

+++ DHB-Team stellt personell um +++

Deutschland nimmt zwei Änderungen in seinem Kader vor. Auf der Torhüterposition wird Silvio Heinevetter (MT Melsungen) gegen Till Klimpke (HSG Wetzlar) ausgetauscht, im Rückraum kommt Paul Drux (Füchse Berlin) für Fabian Böhm (TSV Hannover-Burgdorf) ins deutsche Aufgebot. "Das hat bei beiden Spielern nichts mit den Leistungen zu tun. Wir hatten das Ziel, die Belastungen zu verteilen", so DHB-Sportvorstand Axel Kromer.

+++ Schwierige Vorbereitung +++

Die deutsche Mannschaft flog bereits am Samstag von Köln aus in die estnische Hauptstadt, hätte die Reise aber gern erst am Spieltag selbst angetreten. Das war jedoch nicht mit den Corona-Auflagen in Estland vereinbar. Ohne Ausnahme müssen alle Einreisenden auf estnischem Boden einen PCR-Test vollziehen.

Daher wurde das DHB-Team unmittelbar nach seiner Ankunft im Hotel getestet. Bis die Ergebnisse vorlagen, wurden alle Teammitglieder in Einzelzimmern isoliert. Das Abschlusstraining absolvierte die deutsche Mannschaft deshalb bereits am Freitag - zwei Tage vor dem Spiel.

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)