Endlich Ruhe: Warum Hamburgs Boldt-Move alternativlos ist

Daniel Jovanov
·Lesedauer: 3 Min.

Die Pressemitteilung zur Vertragsverlängerung von Jonas Boldt beginnt mit einer Verheißung: "Der HSV setzt auf Kontinuität." Das sind große Worte für einen Klub mit dieser Historie. Aber er hatte in diesem Fall keine andere Wahl, als so schnell wie möglich für Klarheit in der Frage zu sorgen, wer den HSV über die Saison hinaus sportlich führen soll.

Boldts Vertrag wäre im Sommer 2021 ausgelaufen. Jetzt soll er bis mindestens 2023 bleiben. Und mit ihm wohl auch das ganze Team drumherum: Sportdirektor Michael Mutzel, Chefscout Klaus Costa und Nachwuchschef Horst Hrubesch.

Eine Personaldiskussion und Ungewissheit auf den entscheidenden sportlichen Positionen hätte sich der Klub im Aufstiegsrennen nicht (noch einmal) erlauben können.

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Denn die letzten beiden Saisons haben überdeutlich offengelegt, wie feinfühlig das Gebilde beim HSV auf Störungen von außen reagiert – und wie schnell es in sich zusammenfallen kann.

HSV verpasst Aufstieg - auch aufgrund von Unruhen

Martin Harnik, der in der letzten Saison von Werder Bremen ausgeliehen war und inzwischen in der 5. Liga beim Hamburger Oberligisten TuS Dassendorf kickt, hat kürzlich in einem Interview bei Goal gesagt: "Wir haben eine gute Hinserie gespielt, aber dann kamen die Unruhen um die Person Bernd Hofmann und alles hat seinen Lauf genommen." Die Machtkämpfe hinter den Kulissen hätten sich laut Harnik auf die sportlichen Leistungen der Mannschaft ausgewirkt.

Der Aufsichtsrat des HSV wird sicher nicht vergessen haben, dass es Boldt war, der den Machtkampf mit dem Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann am Anfang des Jahres angezettelt hat. Es ging damals um "atmosphärische Störungen" und vermeintliche Kompetenzüberschreitungen, eine weitere Zusammenarbeit war unmöglich. Hoffmann wurde Ende März freigestellt.

Auf dem Platz folgten nur zwei Siege aus neun Spielen - und ein 1:5 zum Abschluss gegen den SV Sandhausen führte zur zweiten punktgenauen Landung auf dem vierten Tabellenplatz in Folge.

Starker Saisonstart unter Trainer Thioune

Inzwischen sieht die Welt in Hamburg wieder anders aus. Boldt hat nach dem verpassten Aufstieg die Scherben zusammengefegt und ein paar Schlüsse gezogen.

Zum Beispiel, dass Kontinuität allein keinen Erfolg verspricht, wie das lange Festhalten an Trainer Dieter Hecking gezeigt hat. Mit Daniel Thioune präsentierte Boldt einen Nachfolger, der taktisch variabler reagieren kann und mit seiner umgänglichen Art besser bei der Mannschaft ankommt. Sogar Spieler, die vorher kaum oder keine Rolle mehr gespielt haben, hängen sich unter Thioune wieder rein. Khaled Narey zum Beispiel, und sogar Bobby Wood bekommt wieder Einsätze.

Wenn man das 1:4 bei Dynamo Dresden im DFB-Pokal ausklammert, hat der HSV einen fast perfekten Saisonstart mit 16 Punkten aus sechs Partien hingelegt. Die Spiele sehen wieder mehr nach Fußball aus, ein paar Neuzugänge wie Simon Terodde haben voll eingeschlagen, andere bringen eher Unsicherheit statt erhoffte Stabilität. Aber die Mischung im Team zwischen jungen Talenten und erfahrenen Routiniers stimmt für den Moment.

An dieser Entwicklung hat Boldt sicher einen entscheidenden Anteil. Es ist daher durchaus nachvollziehbar, dass der Aufsichtsrat des HSV die Konstellation im sportlichen Bereich und die Atmosphäre im Klub nicht durch auslaufende Verträge gefährden wollte.

Für den HSV zählt nur der Aufstieg

Doch bei all dem Lob für den aktuellen Lauf des HSV darf man nicht vergessen: Kein anderer Verein in der 2. Bundesliga investiert so viel Geld in Spieler, Trainer und Manager wie die Hamburger. Über 23 Millionen Euro. Düsseldorf und Hannover liegen mit 16 Millionen weit dahinter.

Boldt betont zwar, dass man erst am Anfang eines langen Entwicklungsprozesses stehe. Nur muss dieser Prozess schon am Ende dieser Saison in die Bundesliga führen. Wer erstligaerfahrene Spieler wie Simon Terodde, Sven Ulreich oder Aaron Hunt in seinem Kader und der eher mäßigen Konkurrenz in der Liga auch sonst einiges voraus hat, darf sich nicht hinter dem Wort Entwicklung verstecken.

Denn weitere Jahre in der zweiten Liga kann sich der HSV kaum erlauben. Und als Vorstand eines Fußballunternehmens mit Umsätzen von 100 Millionen Euro pro Jahr wird Boldt nicht für gute Stimmung in der Kabine oder auf der Geschäftsstelle bezahlt. Sondern für Ergebnisse.