Endzeitstimmung: Wie viel Kohfeldt steckt in Werders Krise?

Martin Hoffmann
Sport1

Der Blick in die lokalen Medien muss den SV Werder Bremen in ähnlichem Maße alarmieren wie der Blick auf die Anzeigetafel.


"Auf erschreckende Weise" hätte der Bremer Auftritt viele "an die Endphasen unter Kohfeldts Vorgängern Alexander Nouri, Viktor Skripnik und Robin Dutt" erinnert, notierte der Weser Kurier. Die Kreiszeitung wirft derweil die Frage auf, "ob Trainer und Mannschaft noch zusammenpassen".

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Nach dem blamablen 0:5 gegen den FSV Mainz 05 – drei Tage nach dem 1:6 beim FC Bayern München – herrscht Endzeitstimmung beim Tabellen-15., der eigentlich wieder um die Plätze im Europapokal mitspielen wollte.

Kohfeldt wackelt (noch) nicht

Sie wieder zu vertreiben, wird für Florian Kohfeldt die schwierigste Aufgabe seiner jungen Trainer-Karriere – trotz der offensiven Rückendeckung, die er von den Bremer Verantwortlichen bekommt.

Sein Vertrauen in Kohfeldt sei ungebrochen, versicherte Manager Frank Baumann. Er sprach dem 37-Jährigen eine langfristige Job-Garantie aus.

"Frank hat mir klar gesagt, dass das überhaupt kein Thema für ihn ist. Auch auf Strecke", berichtete Kohfeldt.


Vom BVB-Kandidaten in die Krise

Dass es für andere ein Thema ist, ist eine neue Erfahrung für Kohfeldt, der sich in den vergangenen beiden Jahren bei Werder als aufgehender Stern am Trainer-Himmel hervorgetan hat und auch schon für höhere Aufgaben gehandelt wurde.

Erst vor wenigen Wochen wurde sein Name von Dortmunder Medien geflüstert, als potenzieller Nachfolger für Lucien Favre, hätte der den Krisenherbst des BVB nicht überstanden.

Kohfeldt erlebte in Bremen dann seinen eigenen Krisenherbst, aus dem ein noch schlimmerer Krisenwinter geworden ist. Nur ein Sieg gelang Werder in den vergangenen 12 Spielen, die Heimklatsche gegen Mainz war vor allem in der Art und Weise eine neue Qualität der Misere.

Werder Bremen tief im Schlamassel

Für Kohfeldt kam in den vergangenen Wochen in etwa alles zusammen, was zusammenkommen kann, wenn es im Fußball schlecht läuft: Großes Verletzungspech, eine anhaltende Formkrise vieler vorheriger Leistungsträger wie Davy Klaassen und Maximilian Eggestein, eine sich selbst nährende Verunsicherung, die mit jedem Misserfolgserlebnis größer zu werden scheint.

"Wir als Spieler müssen uns schämen", sagte ein betretener Niklas Moisander nach der desolaten Leistung gegen Mainz.

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Kohfeldts Maßnahmen verpuffen

Auch Kohfeldt hat sich von der Verunsicherung seiner Spieler anstecken lassen. Bedenklich vor allem, dass seine Versuche, die Mannschaft rhetorisch aufzurütteln, offensichtlich eher das Gegenteil bewirkt haben.

Die Aufforderung an die Spieler, "das eigene Tor mit ihrem Leben zu verteidigen", sieht im Nachhinein betrachtet wie eine hilflose Floskel aus - ebenso die als Animation zum Kampf gedachte Ansage: "Es ist vollkommen egal, wie wir spielen, es geht darum, Punkte zu holen."


Ohne Wirkung blieb auch Kohfeldts bemerkenswert frühe Auswechslung von Routinier Nuri Sahin in der 27. Minute, die er zumindest nach außen hin auch kühl kommentierte. "Einzelschicksale sind sowas von egal", sagte er nur: "Selbst wenn ich Leo Messi ausgewechselt hätte: Ich bin nicht bereit, darüber zu reden."

Generell konnte der Trainer zum Mainz-Spiel wenig sagen: Kohfeldt, der Reportern vor Ort sonst auch in der Niederlage mit schneller kluger Fehleranalyse auffiel, gab am Dienstag zu, dass er "noch nicht erklären" könnte, "was in der ersten Halbzeit passiert ist".

Krisengipfel in Köln

Am Samstag beim 1. FC Köln hat Werder die letzte Gelegenheit, einen Teil der fatalen Eindrücke vor der Winterpause zu korrigieren.

Das Problem für Kohfeldt: Die anhaltende Personalnot schränkt seine Optionen ein, Konsequenzen aus der Blamage zu ziehen.

"Wir werden ganz sicher nicht einfach so weitermachen", versicherte Kohfeldt am Dienstag.

Ob seine Spieler Worte und Taten diesmal in Einklang bringen können?

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