Wird die Ente heute zum Elfmeter-Helden?

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Wird die Ente heute zum Elfmeter-Helden?
Wird die Ente heute zum Elfmeter-Helden?

Einmal im Finale der Champions League auf dem Platz zu stehen, ist ein Traum, der viele Fußball-Profis vereint.

Einer, dem am Samstagabend gegen den FC Chelsea (Champions League: Manchester City - FC Chelsea am Samstag ab 21 Uhr im LIVETICKER) diese Ehre zu Teil wird, ist Ederson, Torhüter bei Manchester City.

Das Besondere: Mit seiner fußballerischen Entwicklung und dem Aufstieg bis ins Endspiel der Königsklasse war bei dem Brasilianer nicht unbedingt zu rechnen.

Als zunächst gescheiterter Linksverteidiger und später mit dem wenig schmeichelhaften Spitznamen "Ente" versehen, hat der Keeper mittlerweile jedoch das Torwartspiel in Europa weiterentwickelt.

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Legende: Hier ist Ederson der kompletteste Torhüter"

"Wenn es um das Passspiel geht, ist Ederson der kompletteste Torhüter der Brasilianer, wenn nicht der Welt", adelte die brasilianische Torwart-Legende Rogerio Ceni den Torwart der Citizens.

"City hat natürlich Kevin De Bruyne und Mittelfeldspieler, die dem Spielfluss helfen und Räume öffnen, aber der Anfang vieler Spielzüge wird von Ederson aufgebaut. Er ist grundlegend für das Schema von City und hat einen Trainer, der ihn motiviert und ihn bei langen und kurzen Pässen zum Teil des Spiels macht", analysierte der Ex-Keeper, der in seiner Karriere für Sao Paulo über 100 Tore erzielte, die meisten per Elfmeter oder Freistoß.

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Ederson will sich nicht blamieren wie de Gea

Stichwort Elfmeter: Hier schob Ederson extra vor dem Endspiel gegen Chelsea Extraschichten. Aber nicht etwa IM Tor, um seine Abwehrfähigkeiten zu verfeinern. Nein, der Keeper schoss selbst noch im Abschlusstraining der Citizens elf Elfmeter selbst.

Schon zu Beginn der Woche hatte der Brasilianer nämlich angekündigt, persönlich den fünften und letzten Versuch seines Teams übernehmen zu wollen, sollte das Finale im Elfmeterschießen entschieden werden.

Sehr mutig, gerade mit Blick auf das Drama, das sein Kollege David de Gea gerade im Endspiel der Europa Leauge erleiden musste - wo er als allerletzter Schütze vergab und Villarreal so den Titel ermöglichte. Die Häme der englischen Presse sollte folgen. (BERICHT: Ignorierte de Gea Vorgaben?)

Ederson will da besser vorbereitet sein - und hat seine Fähigkeiten mit dem Ball am Fuß auch schon mehrfach nachgewiesen. So war er auch im Halbfinal-Rückspiel gegen Paris Saint-Germain maßgeblich an einem Tor von Riyad Mahrez beteiligt, als er eine präzise Vorlage für Oleksandr Zinchenko lieferte.

Start als Außenverteidiger - wegen Verletzung ins Tor

Sein fußballerisches Können erarbeitete sich Ederson vor allem durch seinen besonderen Weg zum City-Keeper.

Seine ersten Schritte am Ball absolvierte der Südamerikaner als angehender Außenverteidiger bei einem Verein, der Kinder von den Straßen Sao Paulos holte, um sie von Problemen fernzuhalten.

Dass Ederson letztlich doch im Tor landete, liegt an seinem damaligen Trainer Gilberto Lopes. "Er war ein bisschen ungeschickt und ich habe ihn ins Tor geschickt", erklärte sein Ex-Coach dem brasilianischen Portal UOL.

So entdeckte Ederson zwischen den Pfosten seine wahre Bestimmung und wurde schließlich vom FC Sao Paulo gescoutet. 2005 reiste er mit der U12-Auswahl des Klubs zu einem Turnier nach Japan. Zuvor hatte Sao Paulo den Nachwuchs von Liverpool geschlagen und war Klubweltmeister geworden.

Tränen nach Aus bei Sao Paolo

Doch der große Traum vom Profifußball endete für Ederson zwischenzeitlich ziemlich abrupt mit dem Aus bei Sao Paulo. "Ich habe viel geweint", verriet der Torwart im Nachhinein.

Selbst sein damaliger Jugendtrainer Toninho Rodrigues kann die Entscheidung immer noch nicht erklären. "Ich bin heute noch traurig, wenn ich darüber nachdenke. Ederson war so bescheiden und es hat wahrscheinlich seine Erwartungen zerstört", erläuterte er gegenüber Sportsmail.

So kehrte Ederson vorerst wieder zu seinem vorherigen Klub zurück. Als dann Scouts von Benfica Lissabon in Brasilien nach einem jungen und begabten Torhüter Ausschau hielten, machte sie Edersons ehemaliger Coach von Sao Paulo auf den Nachwuchskeeper aufmerksam. "Vielleicht war es das Beste, denn es hat ihn zu dem gemacht, was wir jetzt sehen", meinte Rodrigues.

Die Laufbahn von Ederson ging 2010 also in Portugal weiter. In der Jugend von Lissabon brachte ihm sein neuer Klub die Feinheiten des Torhüterspiels bei.

Elfer-Verbot bei Benfica

"Er war sehr ruhig", stellte Paulo Marques, seit 2007 Torwarttrainer bei Benfica, rückblickend fest. "Das stach heraus. Die Welt könnte um ihn herum zusammenbrechen und er wäre in Ordnung gewesen." Dennoch sei Ederson "sehr selbstbewusst und sehr stark" aufgetreten.

Wie sein Torwart-Idol Rogerio Ceni wollte Ederson irgendwann die Freistöße und Elfmeter seiner Mannschaft übernehmen. Doch das lehnte seine damaligen Jugendtrainer ab.

2011 verließ Ederson Lissabon wieder und schloss sich Ribeirao, damals in der zweiten portugiesischen Liga, an. Eine Saison später zog es ihn weiter zum Erstligisten Rio Ave. Dort fungierte Ederson zunächst als Ersatzmann für Jan Oblak, der heute bei Atlético Madrid im Tor steht.

Ederson wird zur Ente

Aus dieser Zeit stammt auch der bezeichnende Spitzname von Ederson. "Wir nannten ihn 'Ente' wegen der Art, wie er ging", erinnerte sich der brasilianische Außenverteidiger und damalige Teamkollege Lionn zurück. "Es fällt mir immer noch schwer, ihn Ederson zu nennen. Wir hatten eine Menge Spaß zusammen."

In der Saison 2013/14 gelang Ederson dann endgültig der Durchbruch als Stammtorwart, nachdem Oblak den Verein Richtung Benfica verlassen hatte. In der gleichen Spielzeit erreichte Rio Ave mit dem brasilianischen Keeper das Finale des portugiesischen Pokals und des Ligapokals.

Obwohl beide Finalspiele gegen Lissabon verloren gingen, hinterließ er einen guten Eindruck bei seinen Mitspielern. "Ederson war sehr motiviert", sagte der ehemalige Stürmer Joao Tomas. "Er war nach dem Training immer am Ball und versuchte zu lernen. Er war kreativ und machte kleine Wetten, wie er ein Tor erzielen könnte."

Marcelo dos Santos Ferreira, ein brasilianischer Verteidiger, erzählte von einer Wette mit Ederson, bei der es darum ging, den Ball höher zu schießen als die Tribünen des Stadions von Braga. "Natürlich konnte er den Ball höher schießen als das Stadion", verriet Marcelo.

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Guardiola schwärmt von Ederson

Als Oblak 2014 von Lissabon nach Madrid wechselte, holte Benfica Ederson im folgenden Jahr zurück. Dort spielte er sich in das Blickfeld von Pep Guardiola und landete so schließlich 2017 in Manchester.

"Mit seinen Füßen ist er der Beste", lobte der ehemalige Bayern-Trainer seinen Torwart kürzlich. "Die Qualität des Passes würde ich sagen, ist die beste."

Bislang hat der 27-jährige Ederson erst sieben Länderspiele für Brasilien absolviert. Nun muss er sich bei der anstehenden Copa America im Sommer mit Alisson vom FC Liverpool um den ersten Platz im Tor duellieren.

"Ederson ist der beste Torhüter der Welt mit seinen Füßen, und er wird jeden Tag besser", schwärmte auch Brasiliens Torwartrainer Claudio Taffarel. "Er ist perfekt im Passspiel, egal aus welcher Entfernung, und er kontrolliert den Ball mit Leichtigkeit."

Ederson und Alisson seien "unterschiedlich" und dessen ungeachtet "auf dem höchsten Niveau der Torhüter", so der Ex-Profi. "Es ist schwer zu sagen, wer Brasiliens Nummer eins sein wird."

Doch bevor Ederson um seinen Platz kämpfen wird, steht für den Keeper nach einem langen Weg erst das Finale in der Champions League auf dem Programm - vielleicht sogar als strahlender Elfer-Held?

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