WWE-Skandalkader: Neue Konsequenzen - keine Auflösung

Martin Hoffmann
Sport1

Die Vorwurfs-Flut zahlreicher Frauen in Bezug auf toxisches Verhalten männlicher Wrestling-Persönlichkeiten hat zu weiteren personellen Konsequenzen bei WWE geführt: Nach der Entlassung des mit besonders schweren Beschuldigungen belasteten Briten Jack Gallagher sind im Lauf der vergangenen Tage weitere Kündigungen bekannt geworden.

Bereits am Freitag war bekannt geworden, dass Gallaghers Landsmann El Ligero ebenso gehen muss wie der Neuseeländer Travis Banks. Am Dienstag folgten laut übereinstimmenden Medienberichten die Entlassung zweier Ringrichter, die im Zuge der #SpeakingOut-Bewegung ebenso belastet worden waren. Zudem wurde Wrestler Joe Coffey nach Vorwürfen sexueller Belästigung - direkt und durch Online-Nachrichten - suspendiert.

Befürchtungen, dass der NXT-UK-Kader ganz dicht gemacht werden könnte, bewahrheiteten sich derweil nicht: In einer Konferenzschaltung am Dienstag, an dem alle Mitglieder teilnehmen mussten, sollen es die WWE-Verantwortlichen stattdessen bei Mahnungen und Verdeutlichungen ihrer "Null-Toleranz-Politik" belassen haben.

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Spekulationen über NXT UK - was wird aus WALTER und Imperium?

Ein Aus für NXT UK hätte unter anderem die Zukunft des Champions WALTER in Frage gestellt: Der Österreicher will seinen Lebensmittelpunkt erklärtermaßen nicht in die USA verlagern.

NXT UK ist aktuell auch der Stammkader des Deutsch-Russen Ilja Dragunov und von WALTERs Imperium-Kollege Alexander Wolfe - die anderen beiden Kollegen Marcel Barthel und Fabian Aichner leben in den USA und treten hauptsächlich für das originale NXT an.

Bis vor einigen Monaten war auch die deutsche Wrestlerin Jazzy Gabert bei NXT UK - und erlebte dort nach eigenen Angaben viel Unschönes. Die taz zitiert sie mit den Worten, dass sie einen "Albtraum" erlebt hätte und "um ihr körperliches Wohl" gefürchtet hätte. Näher ausführen wollte sie es nicht.

El Ligero und Travis Banks von WWE entlassen

Gegen den maskiert antretenden Ligero waren unter anderem eine Vergewaltigungsbeschuldigung erhoben worden, die er vergangene Woche als erfunden zurückgewiesen hatte. Anderes Fehlverhalten - belästigende Nachrichten und unberechenbares Verhalten gegenüber Wrestlerinnen, die er trainiert hatte -, gab er zu und bat um Entschuldigung. Er hätte keine Rechtfertigung für seine Handlungen, habe "Menschen als Freund, Verlobter und als Mensch enttäuscht", schrieb Ligero auf seinem mittlerweile gelöschten Twitter-Profil.

Banks hatte sich ebenfalls mit einer öffentlichen Abbitte gegenüber seiner früheren Schülerin Millie McKenzie um Schadensbegrenzung bemüht.



Auch ihm wird von der 20 Jahre alten Wrestlerin, mit der er eine Beziehung hatte, manipulativ-belästigendes Verhalten und Ausnutzen seiner Machtposition vorgeworfen. Der 33 Jahre alte Banks war die Beziehung eingegangen, als McKenzie 17 war. Weil Banks als Trainer der damals minderjährigen Schülerin eine Vertrauensposition hatte, dürfte das Verhältnis nach englischem Recht als illegal einzustufen sein.

WWE entließ Jack Gallagher umgehend

Dem bereits vergangene Woche umgehend entlassenen Cruisergewicht Gallagher, das hauptsächlich bei der Show 205 Live antrat, wird vorgeworfen, bei einer privaten Neujahrs-Party 2014 einen sexuellen Übergriff begangen zu haben.


Das mutmaßliche Opfer berichtete in einem Twitter-Beitrag, dass Gallagher sie mit hartem Alkohol gefügig zu machen versucht, sie wiederholt trotz einer klaren Ablehnung belästigt hätte und ihr schließlich in ein Badezimmer gefolgt wäre und den Rock heruntergerissen hätte. Danach hätte sie das Haus schließlich verlassen. 

Die Frau selbst - die ihr Twitter-Profil inzwischen verschlüsselt hat - veröffentlichte auch eine angebliche Erklärung Gallaghers, in der dieser angegeben haben soll, keine Erinnerung an die Party zu haben, aber für den Vorfall um Entschuldigung hätte bitten wollen.

WWE verkündete die Entlassung Gallaghers kurz vor Beginn der Ausstrahlung der TV-Show Friday Night SmackDown in einer knappen Mitteilung. Auf die sonst übliche Formel, in der dem Gekündigten alles Gute für die Zukunft wird, verzichtete die Liga.

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