Offiziell: Formel 1 verzichtet auf China-Grand-Prix am 19. April

Norman Fischer
motorsport.com

Was sich lange angedeutet hatte, ist nun offiziell: Die Formel 1 verzichtet auf eine Austragung des Großen Preises von China am 19. April und hat das Rennen in Schanghai auf unbestimmte Zeit verschoben. Damit reagiert man auf die Ausbreitung des Coronavirus, dem alleine in China bereits mehr als 1.100 Menschen zum Opfer gefallen sind.

Offiziell hat der Veranstalter, die Juss Sports Group, in Ansprache mit dem Chinesischen Automobilverband und der Chinesischen Sportbehörde um eine Verlegung des Rennens gebeten - die Formel 1 hat dieser Anfrage zusammen mit der FIA zugestimmt.

Ob und wann das Rennen nachgeholt werden kann, steht aktuell noch in den Sternen. "Man kennt den Zeitplan (der Coronavirus-Welle; Anm. d. Red.) nicht, von daher ist es schwierig zu sagen, welcher Zeitpunkt funktioniert", sagt Formel-1-Boss Chase Carey. "Sobald wir mehr wissen, werden wir mit unseren chinesischen Partnern zusammenarbeiten, um zu schauen, welche Möglichkeiten existieren."

Scrollen, um mit dem Inhalt fortzufahren
Anzeige

Ganz verzichten würde die Formel 1 auf das Rennen auf dem Shanghai International Circuit nur ungerne, allerdings ist der Kalender mit 21 anderen Rennen schon voll. Und weil sich die Teams gegen Triple-Header ausgesprochen haben, bleibt theoretisch nur eine Verlegung des Rennens an das Saisonende - möglicherweise inklusive einer Verschiebung des Abu-Dhabi-Rennens auf Mitte Dezember.

"Es ist schwierig", ergänzt Carey. "Wir haben angefangen, mit Eventualitäten umzugehen, aber wenn man einmal das Jahr mit festen Daten angefangen hat, dann ist der Zeitplan ziemlich voll." Das heißt im Klartext, dass es ziemlich schwierig werden könnte, für Schanghai noch einen Nachholtermin zu finden.

Auch das abgesagte Rennen von Bahrain 2011 wurde ursprünglich nur verschoben und nach einem neuen Termin gesucht, bevor es schließlich ganz gestrichen wurde. Hinzu kommt eben, dass niemand weiß, wann die Situation wieder im Griff ist. Wenn das der Fall ist, könnte es bereits zu spät sein, um China noch in den Kalender zu bekommen.

Das Formel-1-Rennen in Schanghai - rund 800 Kilometer vom Epizentrum Wuhan entfernt - ist nicht der erste Sportevent, der dem Virus zum Opfer fällt. Auch die Formel E hat ihr Rennen im März bereits abgesagt, dazu wurden Events wie die Chinesische Fußball-Liga, die Leichtathletik-Weltmeisterschaft oder die China Open im Snooker gestrichen, um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Chase Carey, Chairman, Formula 1

Chase Carey, Chairman, Formula 1 <span class="copyright">Jerry Andre / Motorsport Images</span>
Chase Carey, Chairman, Formula 1 Jerry Andre / Motorsport Images

Jerry Andre / Motorsport Images

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte vor einiger Zeit bereits den Notstand ausgerufen. Bisher gibt es mehr als 44.000 bestätigte Coronafälle mit mehr als 1.100 Toten. Laut einer Studie könnte jeder fünfte Betroffene im Epizentrum des Virus an der Krankheit versterben.

Noch ist unklar, ob auch andere Rennen betroffen sein könnten. Der erste Große Preis von Vietnam soll zwei Wochen vor dem eigentlichen China-Termin über die Bühne gehen. Das Land grenzt direkt in China und könnte womöglich auch bedroht sein. Doch noch beschwichtigt Chase Carey: "Außerhalb von China betrifft es in den meisten Fällen sechs, acht, zehn Leute", sagt er.

"Niemand weiß, was in ein oder zwei Wochen ist, von daher ist es schwierig zu sagen, wie die Situation in vier Wochen aussehen wird. Man kann das nur im Auge behalten, mit den Leuten in Kontakt bleiben und dann mit den Gegebenheiten umgehen, die kommen", so Carey.

Lesen Sie auch