Erbitterter Kampf um die Reds: Als Liverpool am Tiefpunkt war

Maximilian Schwoch
Sport1

Der FC Liverpool ist heute einer der erfolgreichsten Klubs Europas. Vor zehn Jahren stand der Premier-League-Klub vor der Pleite. Diese wurde nur ganz knapp abgewendet.

Erbitterter Kampf um die Reds: Als Liverpool am Tiefpunkt war
Erbitterter Kampf um die Reds: Als Liverpool am Tiefpunkt war

Wenn in wenigen Wochen die Premier League ihren Spielbetrieb fortsetzt, dürfte es bis zur endgültigen Titelentscheidung nicht mehr allzu lange dauern.

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Dem FC Liverpool um Trainer Jürgen Klopp ist der Titel kaum noch zu nehmen, ein Jahr nach dem Triumph in der Champions League stehen die Reds auch national ganz oben. Klopp wird damit aller Voraussicht nach eine 30-jährige Durststrecke des einstigen englischen Rekordmeisters beenden.

Vor fast fünf Jahren stellten die Reds mit der Verpflichtung des ehemaligen Trainers des BVB endgültig die Weichen in Richtung erfolgreicher Zukunft. Doch auch ein anderes Ereignis trug einen wichtigen Teil dazu bei, dass Liverpool heute von der Spitze der Premier League grüßt. Und dieses jährt sich zum zehnten Mal.

Denn im Jahr 2010 legte Liverpool mit einem Eigentümerwechsel den Grundstein für die heutige Erfolgsgeschichte. Dabei entkam der Klub sogar nur hauchdünn einer Insolvenz.

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Gillett und Hicks tief verschuldet

Die damaligen Besitzer George Gillett und Tom Hicks hatten den Klub Anfang 2007 mit großen Versprechungen übernommen. Den Kaufpreis wälzten sie unternehmerisch geschickt auf den Klub ab, der fortan zusätzliche Kreditlast mit sich herumtragen musste. Drei Jahre später folgte der Schock: Die Reds veröffentlichten einen Rekordverlust von fast 55 Millionen Pfund, zudem schuldete der Traditionsklub seinen Gläubigern rund 472 Millionen Pfund (525 Millionen Euro).

Und die Eigentümer? Die waren pleite. Von der Finanzkrise kalt erwischt, sahen sich Gillett und Hicks sahen nicht in der Lage, die Kredite an die Banken zurückzuzahlen. Stattdessen wurden sie im April 2010 von den Gläubigern gezwungen, den Verein zu verkaufen. Die wirtschaftliche Situation schlug sich natürlich auch auf den sportlichen Erfolg nieder, die Reds beendeten die Saison 2009/2010 unter Trainer Rafael Benitez lediglich auf Platz sieben.

Doch Gillett und Hicks wollten ihren Klub trotz der Schulden nicht verramschen. Rund 800 Millionen Pfund (892 Millionen Euro) erhofften sich die US-Amerikaner von einem Verkauf.

Als neuer Aufsichtsratschef wurde Martin Broughton installiert. Der Geschäftsführer von British Airways wurde damit beauftragt, den Verkauf zu managen. Ihm wurde dazu die Macht gewährt, die Besitzer zu überstimmen. Allerdings wurde ihm von der Royal Bank of Scotland (RBS), dem größten Kreditgeber, eine Frist bis Oktober gesetzt.

Eigentümer wollen Verkauf verhindern

Die Monate vergingen und Gespräche mit potenziellen Käufern scheiterten. Die Frist, bis zu der die RBS eine Rückzahlung von über 200 Millionen Pfund forderte, kam immer näher. Drei Tage vor Ablauf der Frist teilte Broughton den Eigentümern mit, dass er zwei potenzieller Käufer an Land gezogen habe: Peter Lim, einen Geschäftsmann aus Singapur, und John W. Henry, den Besitzer des Baseball-Teams Boston Red Sox.

Eine Vorstandssitzung solle anberaumt werden, um sich für einen der beiden zu entscheiden. Doch Gillett und Hicks wollten sich damit nicht zufriedengeben. Sie versuchten, den Vorstand der Reds so auszutauschen, dass in ihrem Interesse entschieden werde. Doch dieser Vorgang wurde von einem englischen Gericht abgeschmettert, er sei nicht rechtens.

Währenddessen hatten sich Broughton und die englischen Klubdirektoren für Henry entschieden. Für die Bestätigung des Deals benötigte es allerdings der Zustimmung des Obersten Gerichtshofes. Gillett und Hicks wandten sich in ihrem letzten verzweifelten Versuch, den Verkauf zu verhindern, an ein Gericht in Dallas und erwirkten eine einstweilige Verfügung. Das Gericht erklärte, die RBS habe die Direktoren gegen ihren Willen zum Verkauf gezwungen. Der Übernahmepreis war den US-Amerikanern schlicht zu niedrig.

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John W. Henry rettet Reds vor Insolvenz

Doch der Oberste Gerichtshof in England hob den Beschluss aus Dallas auf, somit stand dem Verkauf nichts mehr im Weg. Für umgerechnet rund 340 Millionen Euro erwarb die NESV (heute: Fenway Sports Group) von Henry den Klub an der Merseyside. Hicks und Gillett hatten einst rund 715 Millionen Euro über die Übernahme der Reds bezahlt.

Und damit nicht genug: Wenige Stunden vor Ablauf der Frist tilgte Henry die Forderung der RBS auf einen Schlag. Damit war die drohende Insolvenz und der damit einhergehende Punktabzug des altehrwürdigen Liverpooler Klubs abgewendet.

Der Eigentümerwechsel im Jahr 2010 war der erste große Meilenstein der jüngeren Klubgeschichte. Er war der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die in ein paar Wochen mit dem 19. Englischen Meistertitel der Reds ihren vorläufigen Höhepunkt finden dürfte.

Und auch für Henry hat sich der Kauf mehr als gelohnt. Einer Studie der University of Liverpool Management School zufolge sind die Reds heute rund 1,6 Milliarden Pfund (1,9 Milliarden Euro) wert. Tendenz steigend.

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