Erfolg vor Gericht: Nierenkranker Klasnic erhält Schmerzensgeld

100.000 Euro Schmerzensgeld und Anspruch auf Schadensersatz auch für alle künftigen Schäden: Ivan Klasnic hat in Bremen Recht bekommen.

Der Stuhl von Ivan Klasnic blieb leer. Als Richter Clemens Bolay am Freitag um kurz vor neun Uhr sein Urteil sprach, war der nierenkranke Ex-Stürmer überraschend nicht im Landgericht Bremen - und dennoch zumindest auf dem Rechtsweg der große Gewinner.

Im Prozess gegen zwei frühere Ärzte des Fußball-Bundesligisten Werder Bremen bekam Klasnic Recht zugesprochen. Nach einer knapp neunjährigen Saga vor Gericht stehen ihm nun 100.000 Euro Schmerzensgeld plus Zinsen sowie ein Anspruch auf Schadensersatz zu, auch für alle Folgekosten aus seinem Leiden. Nicht nur dies könnte die Summe vervielfachen, denn zudem steht Klasnic die Erstattung seines Verdienstausfalls aus dem Jahr 2007 in Höhe von einer Million Euro zu.

"Das tut schon gut"

Bolay begründete sein Urteil damit, dass sowohl der frühere Werder-Arzt Götz Dimanski als auch die beteiligte Internistin Manju Guha schwerwiegende Behandlungsfehler unterlaufen seien und sie somit grob fahrlässig gehandelt hätten. Die Höhe des Schmerzensgeldes muss noch verhandelt werden.

"Das tut schon gut", sagte Klasnic dem Weser-Kurier. Er habe "immer gesagt, dass die Leute, die verantwortlich sind, am Ende des Tages am Pranger stehen werden". Richtig erleichtert sei er aber nicht. "Ich werde durch das Urteil ja nicht gesund, meine Situation bleibt die gleiche – ich liege an der Dialyse, nach wie vor", sagte Klasnic: "Doktor Dimanski hat immer gesagt, dass er nachts gut schlafen könne, vielleicht kann er das jetzt ja nicht mehr."

Dimanski habe "mehrere Fehler" begangen, stellte Bolay fest. Er sei "für den Nierenverlust und die daraus resultierenden Folgen verantwortlich." Auch Guha seien "grobe Behandlungsfehler" unterlaufen. Beide hätten Fehler gemacht, bei denen "objektiv nicht mehr nachvollziehbar ist, dass das einem Arzt passieren kann". Weder der Ex-Stürmer noch die angeklagten Ärzte waren zur Urteilsverkündung erschienen. Beide Parteien können gegen das Urteil Revision einlegen, es ist noch nicht rechtskräftig. Auch eine außergerichtliche Einigung ist weiterhin möglich.

Klasnic hatte im April 2008 Klage gegen Dimanski und Guha eingereicht, er wirft ihnen vor, seine Nierenerkrankung trotz regelmäßiger Untersuchungen zu spät erkannt sowie falsch behandelt zu haben. "Ich bin extrem überrascht", sagte Dimanski der Kreiszeitung Syke nach dem Urteil: "Ich gehe davon aus, dass ich der Einzige bin, der die Fakten richtig kennt. Aber das ist immer eine Frage der Interpretation."

Im Januar 2007 wurde dem mittlerweile 37-jährigen Klasnic erstmals eine Niere transplantiert, damals die seiner Mutter. Sein Körper stieß das Organ aber ab. Drei Monate später erhielt er eine Niere seines Vaters, das Organ schafft es seit September 2016 nicht mehr, sein Blut ausreichend zu reinigen. Deshalb muss der Kroate dreimal in der Woche zur Dialyse - und träumt von einem normalen Leben.

Klasnic wartet auf eine Spenderniere

"Ich wünsche mir, dass ich bald eine neue Niere bekomme und mein Leben so genießen kann, dass ich keine Beschwerden habe", hatte Klasnic, der 2004 das Double mit Werder Bremen gewann, zuletzt dem NDR gesagt: "Ich glaube, Gott hat unseren Weg oder unseren Plan im Leben geschrieben. Ich muss die Situation so annehmen, wie sie ist."

Nach seinem Abschied von Werder 2008 spielte Klasnic noch beim FC  Nantes, den Bolton Wanderers und beim FSV Mainz 05. 2008 schrieb er Fußball-Geschichte, als er als erster Akteur nach einer Nierentransplantation für Kroatien bei der EM-Endrunde 2008 in Österreich und der Schweiz zum Einsatz kam und zwei Tore erzielte. Jetzt kämpft Klasnic um sein Leben. Wir rund 8000 Menschen in Deutschland wartet er auf eine Spenderniere. Seine Dritte.

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