Erinnerungen an die MotoGP 2005: Warum Ducati zu Bridgestone wechselte

Sebastian Fränzschky
motorsport.com

Ducati erlebte in der Saison 2003 ein extrem positives Debüt in der MotoGP. Bereits beim ersten Rennen schaffte es Loris Capirossi mit der Desmosedici aufs Podium. Beim sechsten Grand Prix holte Capirossi den ersten MotoGP-Sieg für Ducati. Er beendete die Saison als WM-Vierter. Vier Jahre später holte Ducati den WM-Titel.

Einer der Faktoren für den Titel mit Casey Stoner in der Saison 2007 waren die Bridgestone-Reifen. Teamchef Livio Suppo riskierte 2005 den Wechsel zu den japanischen Pneus und setzte damit viel aufs Spiel. Doch wie kam es zum Wechsel von Michelin zu Bridgestone?

In der MotoGP-Saison 2004 konnte Ducati die Erwartungen nicht erfüllen

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In der MotoGP-Saison 2004 konnte Ducati die Erwartungen nicht erfüllen <span class="copyright">Ducati</span>
In der MotoGP-Saison 2004 konnte Ducati die Erwartungen nicht erfüllen Ducati

Ducati

Im Gespräch mit dem 'MotoGP RoundTable' erinnert sich der Italiener: "Ducati hatte 2003 eine ziemlich gute Debütsaison. Die Erwartungen für 2004 waren deshalb noch größer. Doch wie es so oft passiert, kam es anders. Die Ergebnisse 2004 waren nicht so gut wie 2003. Wir holten nur bei den beiden finalen Rennen Podestplätze - auf Phillip Island mit Loris und in Valencia mit Troy."

"Damals war ich für das MotoGP-Projekt von Ducati verantwortlich. Im Laufe der Saison gab es Verhandlungen mit Sete Gibernau. Er verlangte eine Menge Geld, das Ducati nicht hatte. Damals war Sete nach Valentino (Rossi) der zweitbeste Fahrer. Doch er konnte nicht mehr als zwei oder drei Rennen pro Jahr gewinnen. Nicht mehr. Er war super teuer und die Chance, die Meisterschaft zu gewinnen, ging gegen Null", erinnert sich Suppo.

"Wir brauchten etwas, um die Sponsoren bei Laune zu halten und die Verträge zu erneuern, vor allem den mit Philip Morris. Deshalb schaute ich mir die Ergebnisse der anderen Teams an. (Makoto) Tamada fuhr für Honda und verwendete Bridgestone-Reifen. Er konnte Rennen gewinnen und aufs Podium fahren. Bei einigen Rennen war es ein Desaster, doch bei anderen war er super schnell", schildert Suppo.

Der riskante Wechsel zu Bridgestone zahlte sich aus: Suppo feiert mit Capirossi in Japan

Der riskante Wechsel zu Bridgestone zahlte sich aus: Suppo feiert mit Capirossi in Japan <span class="copyright">Ducati</span>
Der riskante Wechsel zu Bridgestone zahlte sich aus: Suppo feiert mit Capirossi in Japan Ducati

Ducati

Tamada holte mit der Bridgestone-bereiften Honda RC211V in der MotoGP-Saison 2004 zwei Siege. Laut Suppo waren die Bridgestone-Reifen ein wesentlicher Grund für diese Erfolge: "Er kam aus der Japanischen Superbike-Meisterschaft. Es gab damals Fahrer wie Troy Bayliss, Colin Edwards oder Nicky Hayden, die WSBK-Champions oder AMA-Champions waren, die mit Michelin nichts gewinnen konnten."

"Ich dachte mir, dass diese Reifen bei einigen Rennen einen riesigen Unterschied ausmachen können. Ich überlegte mir, ob wir von Bridgestone vielleicht nicht sogar Geld bekommen können, wenn wir deren Reifen verwenden. Es war eine Chance für uns", so der damalige Ducati-Teamchef.

MotoGP 2007: Casey Stoner fuhr mit der Bridgestone-bereiften Ducati zum Titel

MotoGP 2007: Casey Stoner fuhr mit der Bridgestone-bereiften Ducati zum Titel <span class="copyright">Motorsport Images</span>
MotoGP 2007: Casey Stoner fuhr mit der Bridgestone-bereiften Ducati zum Titel Motorsport Images

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Die Ducati-Ingenieure waren von der Idee nicht begeistert. "Ich meinte, dass wir zu Bridgestone wechseln sollen. Die Ingenieure dachten damals, dass ich verrückt bin. Damals waren die Michelin-Reifen mit Abstand besser. Bridgestone hatte 2004 zudem das Problem mit dem explodierten Hinterreifen von (Shinya) Nakano in Mugello. Man musste ein bisschen verrückt sein, um damals an einen Wechsel zu Bridgestone zu denken."

Doch Ducatis Risiko zahlte sich aus. In der MotoGP-Saison 2005 konnten die Italiener wieder Rennen gewinnen. Loris Capirossi gewann zwei aufeinanderfolgende Rennen. In Japan und in Malaysia setzte sich der Ducati-Pilot durch. "Wir mussten gute Ergebnisse erzielen. Und das war die kostengünstigste Möglichkeit, das zu erreichen", fasst Suppo rückblickend zusammen.

Mit Bildmaterial von Ducati.

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