Corona-Höchststände heizen US-Wahlkampf weiter an

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Trump bei einem Auftritt in Wisconsin
Trump bei einem Auftritt in Wisconsin

Neue Infektions-Höchststände in der Corona-Krise haben den Wahlkampf in den USA weiter angeheizt. US-Präsident Donald Trump verteidigte einmal mehr sein Krisenmanagement und erklärte am Samstag, die USA seien nun "am Wendepunkt" der Epidemie. Sein Herausforderer Joe Biden nutzte eine Kundgebung in Pennsylvania, um mit Trumps Corona-Politik abzurechnen. Derweil rief Außenminister Heiko Maas (SPD) knapp eine Woche vor der Präsidentschaftswahl zu einem Neuanfang im Verhältnis zu Washington auf.

Wie die Johns-Hopkins-Universität am Samstag mitteilte, wurden in den USA binnen 24 Stunden 88.973 neue Ansteckungsfälle erfasst. Damit wurde der am Vortag bekanntgegebene Höchststand von knapp 80.000 Neuinfektionen noch einmal deutlich übertroffen.

Trump führte unterdessen seinen Wahlkampf mit Auftritten in drei Bundesstaaten allein am Samstag fort. "Diese Wahl ist eine Wahl zwischen einer Trump-Supererholung und einer Biden-Depression", sagte er vor Anhängern in North Carolina. Mit Blick auf die Umfragen, die seinem Herausforderer Biden seit Wochen einen Vorsprung bescheinigen, sagte Trump, in Wahrheit seien seine Umfragewerte "viel besser als vor vier Jahren".

Trump attackierte auch seinen Amtsvorgänger Barack Obama. An einer Veranstaltung des früheren US-Präsidenten hätten nur "47 Leute" teilgenommen, schrieb Trump im Online-Dienst Twitter. Er fügte hinzu: "Keine Energie, aber immer noch besser als Joe!"

Obama hatte sich in den vergangenen Tagen in den Wahlkampf eingeschaltet. Das Weiße Haus habe den Kampf gegen die Pandemie "komplett vermasselt", sagte der Ex-Präsident in Florida. "Donald Trump wird uns nicht plötzlich alle beschützen. Er kann ja nicht einmal die grundlegenden Maßnahmen ergreifen, um sich selbst zu schützen." 

Der 74-jährige Amtsinhaber hatte sich vor kurzem mit dem neuartigen Coronavirus infiziert und deshalb einige Tage im Krankenhaus verbringen müssen. Nach eine Behandlung mit verschiedenen Medikamente stieg er sehr schnell wieder in den Wahlkampf ein.

Biden rechnete bei einer Wahlkampfrede in Pennsylvania mit Trumps Corona-Krisenmanagement ab. Der Präsident behaupte, dass die Bevölkerung lerne, mit dem Virus zu leben. "Wir lernen nicht, damit zu leben. Du forderst uns auf zu lernen, wie man damit stirbt - und das ist falsch", sagte Biden.

"Das ist Trumps Präsidentschaft", sagte der Herausforderer bei einer anderen Kundgebung mit Blick auf die mehr als 224.000 Corona-Toten in den USA. "Ihr werdet von mir gesehen und gehört", sagte der 77-jährige Kandidat der Demokratischen Partei.

In Deutschland veröffentlichte Außenminister Maas einen Beitrag in der "Welt am Sonntag", in dem er für einen Neuanfang im transatlantischen Verhältnis warb. "Nach vier schwierigen Jahren" sei es dafür an der Zeit - "denn die Profiteure unserer Differenzen sitzen in Peking und Moskau, aber auch in Teheran und Pjöngjang", schrieb Maas. 

Unabhängig davon, ob Trump oder Biden die Wahl am 3. November gewinne: Deutschland und Europa müssten sich mit "kühlem Kopf" auf "weniger amerikanisches Engagement in der Welt einstellen", erklärte der Minister.

hg/ju