Der erste große Verlierer der Saison

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Der erste große Verlierer der Saison
Der erste große Verlierer der Saison
Der erste große Verlierer der Saison

Pál Dárdai kann getrost als erster größerer Verlierer der neuen Saison bezeichnet werden.

Aus dem Strahlemann, der sich nach dem geschafften Klassenerhalt im Mai mit dicker Zigarre vor die TV-Kameras setzte, ist wieder der Coach geworden, dessen trotzköpfige Art schon öfter zum Problem seines Vereins wurde. Immer dann, wenn die Ergebnisse fehlten. So wie gerade wieder. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Im Gegensatz zum letzten Mal, als Dárdais Hertha-Mannschaft nicht mehr so ablieferte, wie er es wollte, nach fünf Niederlagen im April 2019, als er dann gehen musste, hat sich aber viel getan in seinem Klub.

Die Spieler sind zum großen Teil neu, fast alle aus dem - zumindest preislich - oberen Regal, seine Chefs sind neu.

Alle Macht für Fredi Bobic

Hertha ist mittlerweile der “Big City Club”, der einen reichen Investor hat, der schon über 300 Millionen Euro zur Verfügung stellte. Hertha holte Jürgen Klinsmann als Trainer, was nicht gut ging, und jetzt Fredi Bobic als Sportvorstand. Bobic hat alle Macht.

Trainer ist, nach Klinsmann, Alexander Nouri und Bruno Labbadia, wieder Dárdai. Die Chance, “Retter” Dárdai nach dem Klassenerhalt mit Applaus zu verabschieden, ließ Hertha ungenutzt. Es gäbe wichtigere und auch größere Baustellen als die Trainerposition, war zu hören. Um sportlich mal wieder längerfristig in ruhigere Gewässer zu gelangen, sei Dárdai, der Dauer-Herthaner, der richtige Mann. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Was Dárdai sauer aufstieß, erzählen sie in Berlin, war, dass sie ihn zwar als passendes Pflaster für die Umbruchphase sehen, aber nicht wirklich als ihren Mann für die Zukunft. Das soll ihm nie jemand gesagt haben, auch der Mannschaft nicht. Und die spürt, wie stark ein Trainer ist. Schon in der Vorbereitung war das ein Thema.

Jetzt, nach der dritten Niederlage im dritten Spiel, dem 0:5 in München, platzte es aus Dárdai heraus - was besser nicht passiert wäre. Denn Dárdais Aussagen nach dem erschreckend planlosen Hertha-Auftritt, haben seine Position noch einmal geschwächt. Er machte sich selbst sehr klein, und was das System Profifußball mit den Angeknockten macht, das hat es oft genug gezeigt. Überlebenschance, im beruflichen Sinne, gleich null. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

“Wenn ein ganz großer Trainer hier ist, ...″

“Ich hänge nicht an meinen Sitz, ich helfe gerade aus”, stieg Dárdai ein, “im Sommer hieß es auch nicht unbedingt, dass ich es mache.” (NEWS: Dáardai will keine Last sein)

Dann kommen die Sätze, die erahnen lassen, wie enttäuscht er ist, wie verletzt vielleicht auch: “Wahrscheinlich sucht Hertha BSC seit langem einen großen Trainer. Pál (so sprach er über sich; d. Red.) ist ein kleiner Trainer, ein netter Trainer, er hilft aus so lange wie es sein soll. Wenn ein ganz großer Trainer hier ist, geht Pal sofort zurück zur U16 und macht seine Sache wie früher.”

Die Aussagen waren wahrscheinlich sehr ehrlich. Eine Hilfe sind sie in meinem Augen nicht. Weder für Hertha, noch für Dárdai selbst. Das Geschäft will starke Typen, obenauf, immer souverän und voll von sich den eigenen Handlungen überzeugt. Hast du die Lage nicht im Griff, ist es in der Regel schnell andersherum.

Dann hat sie dich bald im Griff. Dárdai braucht jetzt schon ein Wunder. (SERVICE: Bundesliga-Spielplan zum Ausdrucken)

Tobias Holtkamp, der Autor dieses Textes, war in der Chefredaktion von Sport Bild und Chefredakteur von transfermarkt.de. Heute berät er Sportler und Marken in ihrer inhaltlichen und strategischen Ausrichtung. Für SPORT1 schreibt Holtkamp als Kolumnist die wöchentliche “Bundesliga-Kolumne”.

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