Das erste Tief des 120-Millionen-Überfliegers

Holger Luhmann
Sport1

Es war Ende September als sich Jadon Sancho fürchterlich über seine virtuelle Darstellung und die Leistungswerte im ganz frischen Videospiel-Klassiker FIFA 20 ärgerte.

Sein Tattoo nicht berücksichtigt, die Frisur nicht akkurat abgebildet. Und überhaupt, der Passwert in den Augen des 19-Jährigen eine schreiende Ungerechtigkeit. 


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Nach dem Auftritt bei Borussia Dortmunds 0:4-Debakel beim FC Bayern muss Sancho eher froh sein, wenn seine Leistungswerte nicht nach unten korrigiert werden.

Sancho erfährt Höchststrafe gegen Bayern

Am ebenfalls 19 Jahre alten Alphonso Davies zerschellte Sancho kläglich, er verlor neun von zwölf Zweikämpfen, 13 Ballverluste standen zu Buche. Darunter der folgenschwere vor dem 0:1 gegen Davies und Müller. Ohne jegliches Nachsetzen. Ohne den Biss, seinen Fehler wieder gut machen zu wollen.

Folgerichtig nahm Trainer Lucien Favre Sancho nach 36 Minuten vom Platz. Eine Höchststrafe. "Er war einfach nicht gut genug", begründete Favre seine Maßnahme, bat zugleich aber zumindest ein wenig um Verständnis: "Er war zwei Tage verletzt, konnte nicht trainieren. Ich denke, das hat man gesehen."

Doch es ist ja nicht nur die schwache Leistung in München in einer insgesamt desolaten Dortmunder Mannschaft. Tempo und Esprit, die schillernden Momente der vergangenen Spielzeit ließ Sancho zuletzt viel zu selten aufblitzen. 

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"Wenn er loslegt, zahlst du gerne 10 Euro mehr"

Drei Tore und sechs Assists in neun Bundesliga-Spielen der aktuellen Saison – im Vorjahr waren es überragende zwölf Tore und 17 Assists – sind immer noch ein sehr guter Wert. Damit ist Sancho der beste Scorer des BVB. Acht der neun Scorerpunkte sammelte er allerdings in den ersten fünf Spielen. 

Sein letztes Tor gelang ihm am 7. Spieltag Anfang Oktober beim 2:2 in Freiburg. Seitdem zeigt Sancho seine außergewöhnlichen Fähigkeiten nur sporadisch – wie bei seiner Vorlage zum 3:2 von Achraf Hakimi beim magischen Champions-League-Abend gegen Inter Mailand am vergangenen Dienstag.


"Bei Sancho ist es kein mentales Problem. Er ist noch sehr jung. Er spielt noch keinen vernünftigen Fußball", sagte SPORT1-Experte Marcel Reif im CHECK24 Doppelpass. Im Grunde schwärmt er ja vom Tempodribbler: "Wenn er loslegt, zahlst du alleine für ihn gerne zehn Euro mehr Eintritt." In München dagegen hätten die BVB-Fans am liebsten ihr Geld zurückgefordert.

Suspendierung und Mega-Geldstrafe

Darüber hinaus sorgte Sancho zuletzt eher außerhalb des Platzes für Schlagzeilen und Unruhe. Mitte Oktober wurde er für das Bundesliga-Heimspiel gegen Gladbach suspendiert und mit einer Geldstrafe von 100.000 Euro belegt, nachdem er verspätet von der englischen Nationalmannschaft zurückgekehrt war.


Es war nicht die erste Undiszipliniertheit. "Jadon ist eigentlich ein anständiger und guter Junge, aber er ist natürlich noch sehr, sehr jung. Er ist sehr schnell groß geworden und testet ab und zu vielleicht auch die Grenzen aus - und dann sind wir dafür da, dann auch die Grenzen wieder zu setzen", sagte Sportdirektor Michael Zorc damals. 

Schon in der Saison 2017/2018 wurde Sancho vom damaligen Trainer Peter Stöger vorübergehend in die U 23 versetzt, weil er mehrfach zu spät zum Training erschienen war.

120 Millionen Euro Ablöse?

Hinzu kommen die ständigen Transferspekulationen. Das Interesse von Manchester United ist verbrieft. Dazu wird Sancho mit beinahe jedem internationalen Top-Verein in Verbindung gebracht. Real Madrid, PSG und Chelsea werden ebenso genannt wie Ex-Klub Manchester City und neuerdings auch der FC Liverpool mit Jürgen Klopp.


Sanchos Vertrag in Dortmund läuft bis 2022. Realistisch ist eher, dass er den BVB nach dieser Saison verlässt. Angeblich spekuliert man beim BVB mit einer Ablösesumme von 120 Millionen Euro.

Hummels: "Härter zu sich selbst sein"

Zunächst aber sollte Sancho, der in der nächsten Woche mit England in der EM-Qualifikation im Einsatz ist, erst einmal wieder zu alter Form finden. Mats Hummels forderte nach der Abreibung in München, "härter zu sich selbst zu sein". Die Ansage richtete sich nicht konkret an Sancho, gemeint war er aber auch. 

Gedanken um seine Erscheinungsform und Werte bei FIFA 20 sollte er hinten anstellen.  

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