Auf Etappensieg folgt Zeitverlust: Dakar-Fahrer rätseln über Strategie

Gerald Dirnbeck
·Lesedauer: 4 Min.

Die ersten Etappen haben bei der diesjährigen Rallye Dakar gezeigt, dass die Navigation teilweise sehr schwierig ist. Das hat zur Folge, dass die ersten Starter jeden Tag zwischen 20 Minuten und einer halben Stunde verlieren. Am nächsten Tag dreht sich das wieder um. Das wirkt sich vor allem auf die Motorradwertung aus, denn die Bikes sind immer als erste Kategorie am Start.

Beispielsweise gewann Joan Barreda (Honda) die zweite Etappe. Toby Price hatte 32 Minuten Rückstand und war nur 28. In der dritten Etappe drehte sich das Bild um. Price holte sich auch Dank seiner späteren Startposition den Sieg. Barreda büßte 25 Minuten ein und wurde 30.

Am nächsten Tag könnte sich das Bild wieder umdrehen, wenn Price die Etappe eröffnet und Zeit verliert, während die hinteren Starter deutlich schneller sind. Diesen Effekt gab es zwar schon in den vergangenen Jahren, aber diesmal ist das in Saudi-Arabien deutlich ausgeprägter.

"Wir haben heute die Strecke eröffnet. Viel mehr kann man nicht tun", kommentiert Barreda die Situation. "Natürlich würden wir lieber nicht so viel Zeit verlieren. Die Etappen sind dieser Tage sehr schwierig. Wir müssen das akzeptieren und von Tag zu Tag positiv denken."

Ricky Brabec: "Eine Achterbahnfahrt"

Deutlichere Worte findet Barredas Honda-Teamkollege Ricky Brabec: "Das Ergebnis ist nicht in unserer Hand, es ist ein Gummibandeffekt. Es ist sehr kompliziert und natürlich auch frustrierend. Wir müssen herausfinden, wie wir es in die Top 10 schaffen."

"Es ist schwierig, die Pace und den Speed zu finden. Ich weiß nicht, wie ich es schaffen soll, mich an die Top 7 heranzusaugen, damit ich in einer besseren Position bin. Wir müssen eine neue Strategie finden."

Auch Toby Price ist vom starken Jo-Jo-Effekt überrascht

Auch Toby Price ist vom starken Jo-Jo-Effekt überrascht<span class="copyright">Red Bull</span>
Auch Toby Price ist vom starken Jo-Jo-Effekt überraschtRed Bull

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"Wir müssen schauen, dass wir in den Top 10 sind, aber nicht in den ersten drei Positionen. An einem Tag sind wir vorne, am nächsten verlieren wir viel Zeit. Es ist kompliziert, weil sich die Schwierigkeit der Navigation wie bei einer Achterbahn ändert", beschreibt Brabec.

"Das Terrain, das Roadbook, das Klassement - alles war bisher wie eine Achterbahn. Es war aber erst der dritte Tag. Trotzdem wäre es schön, wenn wir wissen würden, wo wir stehen." Denn klare Favoriten haben sich bisher noch nicht herauskristallisiert.

Auch Price stimmt seinen Kontrahenten aus dem Honda-Lager zu: "Es ist frustrierend, dass man an einem Tag vorne ist und am nächsten hinten. Weil die Navigation so schwierig ist, ist es schwierig, den Tag zu eröffnen. Ich werde das morgen tun müssen, aber ich hoffe, es wird nicht so kompliziert sein."

In der Gesamtwertung der Motorradfahrer befinden sich die Top 10 nach drei Etappen immer noch innerhalb von zehn Minuten.

Al-Attiyah bei den Autos mit bestimmter Taktik

Nicht ganz so drastisch zeigt sich dieser Jo-Jo-Effekt bei den Automobilen. Nasser Al-Attiyah hat sich von Beginn an eine Taktik zurechtgelegt, welche Tage er besser nicht eröffnen sollte und wo es verschmerzbar ist, vorne zu sein.

Im Prolog stellte Al-Attiyah bewusst die Bestzeit auf, um am ersten Tag Zeit zu verlieren und dann für die zweite Etappe in einer besseren Startposition zu sein. Prompt gewann der Toyota Fahrer die zweite Etappe. Auch die dritte Etappe konnte er von der Spitze weg gewinnen.

Nasser Al-Attiyah hat sich bei den Autos eine eigene Taktik zurechtgelegt

Nasser Al-Attiyah hat sich bei den Autos eine eigene Taktik zurechtgelegt<span class="copyright">Red Bull</span>
Nasser Al-Attiyah hat sich bei den Autos eine eigene Taktik zurechtgelegtRed Bull

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"Es ist ein Sprintrennen. Deswegen lautet unsere Strategie, dass wir auch angreifen, wenn wir die Strecke eröffnen", sagt der Katari. "Uns war klar, dass die Navigation schwieriger ist, aber wenn man die Strecke eröffnet, dann verliert man nicht immer."

"Morgen werden wir die Strecke wieder eröffnen. Die vierte Etappe sollte aber schnellere Abschnitte auf hartem Boden umfassen. Deshalb könnte die Navigation einfacher sein", schätzt Al-Attiyah. Denn laut seiner Taktik stehen zwei entscheidende Etappen kurz bevor.

"Wir müssen in einer guten Position sein, damit wir die beiden Schlüsseletappen in Angriff nehmen können. Das sind die Etappen fünf und sechs. Wir müssen immer noch verstehen, welche Strategie wir anwenden müssen". Bei den Autos führt Stephane Peterhansel (Mini Buggy) fünf Minuten vor Al-Attiyah.

Mit Bildmaterial von Honda.