EuroBasket 2017: DBB-Einzelkritik: Viel Licht, wenig Dreier

Nach der Niederlage gegen Spanien im Viertelfinale ist die EuroBasket für das DBB-Team gelaufen. Zeit für ein Fazit: Welche Spieler haben überzeugt, von wem war mehr zu erwarten? SPOX bewertet alle deutschen Akteure in der Einzelkritik.

Nach der Niederlage gegen Spanien im Viertelfinale ist die EuroBasket für das DBB-Team gelaufen. Zeit für ein Fazit: Welche Spieler haben überzeugt, von wem war mehr zu erwarten? SPOX bewertet alle deutschen Akteure in der Einzelkritik.

Guards: Dennis Schröder, Maodo Lo und Co. in der Einzelkritik

Dennis Schröder (Atlanta Hawks): Eines Tages wird es vielleicht mal von allen akzeptiert, dass Schröder weder spielerisch noch hinsichtlich der Persönlichkeit jemals Dirk Nowitzki sein wird. Denn das ist völlig in Ordnung! Schröder ist Schröder, und Schröder war bei dieser EM einer der besten und konstantesten Spieler überhaupt. Als Leader unheimlich gereift, auch spielerisch kam er diesmal um einiges besser mit dem europäischen Stil zurecht als 2015. Die Turnover kann man ihm kaum zur Last legen, weil er die Offense so häufig allein aufziehen musste. Seine Leistungen (23,7 Punkte, 5,6 Assists, 48-39-89-Quoten) haben ohne Wenn und Aber die Bestnote verdient. Note: 1

Karsten Tadda (EWE Baskets Oldenburg): Die Rolle von Schröders Backcourt-Partner in der Starting Five war natürlich eine völlig andere: Tadda sollte verteidigen, oft auch gefährliche Point Guards, und seinem Star-Mitspieler "den Rücken freihalten", wie Fleming es nannte. Das gelang ihm überwiegend gut, gerade gegen Italien und Frankreich war seine überragende Defense ein Game-Changer. Offensiv wären mehr als 14,3 Prozent von der Dreierlinie natürlich sehr schön gewesen. Nur gegen Italien traf er überhaupt zwei Dreier. Note: 3+

Maodo Lo (Brose Bamberg): Auch beim wichtigsten Guard von der Bank war der Wurf leider nicht beständig, nur gegen Spanien traf er mehr als einen Dreier (2/4), über das Turnier waren es schwache 23,8 Prozent von draußen. Auch beim Abschluss am Brett wirkte er teilweise zaghaft, das Vertrauen in den eigenen Abschluss schien nicht immer da zu sein. Aber: Defensiv war Lo gut, und offensiv war er als umsichtiger Playmaker der Grund, warum das deutsche Spiel nicht regelmäßig völlig einbrach, wenn Schröder auf die Bank ging. Wenn er und Schröder gemeinsam spielten, gelang es zudem viel besser, den Hawks-Guard auch mal abseits des Balles freizubekommen. Note: 3

Ismet Akpinar (Ratiopharm Ulm): Sein Anforderungsprofil las sich fast genau wie das von Tadda, wenngleich Akpinar weniger Zeit auf dem Court verbrachte. Auch er gefiel durch gute Defense, während offensiv nur wenig zusammenlief. Sein bestes Offensivspiel kam ausgerechnet bei der Pleite gegen Israel (7 Punkte), während über das Turnier nur 18,2 Prozent seiner Dreier in den Korb fielen. Nach einem schwachen Auftritt gegen Litauen setzte Fleming ihn nur noch relativ wenig ein. Note: 3-

Lucca Staiger (Brose Bamberg): In genau einem Spiel konnte Staiger zeigen, weshalb Fleming ihn mitgenommen hatte. Gegen Frankreich traf er drei Dreier und hatte einen großen Anteil am Comeback im Achtelfinale. Dieser Auftritt war unheimlich wichtig, leider wurde Staiger seinem Ruf als Edelshooter sonst nicht im Geringsten gerecht. In den sechs anderen Spielen brachte der Bamberger genau einen seiner 16 Würfe von Downtown im Korb unter. Da er explizit für sein Shooting mitgenommen wurde, muss man seinen Auftritt daher als mangelhaft bewerten. Note: 5

Forwards: Robin Benzing, Daniel Theis und Co. in der Einzelkritik

Robin Benzing (noch ohne Vertrag): Gegen die Ukraine war der Kapitän mit 17 Zählern neben Schröder der einzige, der sich offensiv überhaupt etwas zutraute, in drei weiteren Spielen punktete er ebenfalls zweistellig, wenngleich die Quoten nicht immer berauschend waren. Leider wechselten sich die ordentlichen bis guten Leistungen auch mit solchen ab, in denen er unsichtbar war, wie gegen Italien oder weitestgehend auch Spanien. Gegen Israel leistete er sich in der Schlussphase defensiv einen bitteren Lapsus vor dem spielentscheidenden Pnini-Dreier. Note: 4+

Danilo Barthel (FC Bayern): Barthel wurde von seinem nominellen "Backup" Theis klar in den Schatten gestellt, allerdings wollte Fleming diesen Effekt auch bewusst erzeugen, indem er diesen von der Bank brachte. Barthel erledigte seine Arbeit dagegen still und leise, aber ordentlich. Der Bayern-Forward kam auf 5,9 Punkte und 4,4 Rebounds pro Spiel, wobei man sich angesichts seiner guten Quote (2FG: 56,3 Prozent) durchaus gewünscht hätte, dass er etwas energischer den eigenen Abschluss gesucht hätte. Defensiv war er leider gerade gegen die Teams mit physischen und langen Big Men wie Litauen oder die Ukraine auf verlorenem Posten. Note: 3-

Daniel Theis (Boston Celtics): Offensiv brauchte Theis zwar einen Moment, um bei diesem Turnier seinen Rhythmus zu finden, defensiv war er aber von Anfang an eine Wucht und mit 6,3 Rebounds der beste Abräumer des deutschen Teams. Gegen Litauen leistete er sich zwar eine Nullnummer, insgesamt war er aber doch die erhoffte zweite Option des deutschen Teams in der Offense (10,9 Punkte). Gegen Israel und natürlich vor allem gegen Frankreich war der Ex-Bamberger der beste Mann beim DBB. Die Pick'n'Roll-Chemie zwischen ihm und Schröder war bisweilen eine Augenweide, sein Dunk über Boris Diaw eins der großen Highlights des Turniers. Note: 1-

Isaiah Hartenstein (noch ohne Vertrag): In einem ohnehin jungen Team war der 19-Jährige der mit Abstand jüngste und das zeigte sich bei seinen vier Einsätzen auch, in denen er jeweils mit unheimlichem Elan auftrat und bisweilen etwas ungestüm agierte. Gerade gegen Litauen und Georgien tat er dem Team richtig gut, sein riesiges Potenzial war offensichtlich. Beim nächsten Turnier sollte Hartenstein eine viel größere Rolle einnehmen. Note: 2

Patrick Heckmann (Brose Bamberg): Heckmann wurde in nur drei Spielen eingesetzt und wirkte bei diesen Einsätzen dann wiederum nicht immer auf der Höhe. Gerade gegen Litauen war er defensiv auf verlorenem Posten, offensiv agierte er ohne Dringlichkeit oder irgendwie erkennbares Selbstvertrauen. Note: 5

Center: Johannes Voigtmann und Johannes Thiemann in der Einzelkritik

Johannes Voigtmann (Saski Baskonia): Dem Starting Center sah man teilweise förmlich an, wie er darüber nachdachte, ob er einen Wurf nehmen sollte - und sich dann dagegen entschied. Schade eigentlich. Gegen die Ukraine, Israel und Italien zeigte Voigtmann, welches Potenzial er offensiv hat, mit seinem Wurf und auch mit seinem für einen Big Man herausragenden Passspiel. Leider zögerte er zu regelmäßig und brachte die Offense damit zum Erliegen. Gegen Litauen bekam er von Valanciunas die Grenzen aufgezeigt, in der K.o.-Phase gelangen ihm nur noch 2 Punkte (insgesamt). Er hat deutlich mehr drauf. Note: 4+

Johannes Thiemann (MHP Riesen Ludwigsburg): Niemand würde Thiemann mit einem filigranen Basketballer verwechseln, der Ludwigsburger biss sich aber immer mehr ins Turnier und war gerade zum Ende hin die mutigere Variante zu Voigtmann, wenn nicht ohnehin Theis auf der Fünf spielte. Der Größennachteil zeigte sich beim Rebound, aber gegen Frankreich und Spanien wühlte sich Thiemann in durchschnittlich 12 Minuten Einsatzzeit zu 7 Punkten im Schnitt (5/6 FG). Eine willkommene Überraschung von der Bank. Note: 3+

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