Europa League: Schalke vor dem Aus: Leblos und stümperhaft

Nach dem ernüchternden 0:2 bei Ajax Amsterdam steht Schalke 04 im Viertelfinale der Europa League vor dem Aus. Den viel beschworenen Geist der Eurofighter hatten die Königsblauen dabei gleich in der Kabine gelassen.

Nach dem ernüchternden 0:2 bei Ajax Amsterdam steht Schalke 04 im Viertelfinale der Europa League vor dem Aus. Den viel beschworenen Geist der Eurofighter hatten die Königsblauen dabei gleich in der Kabine gelassen.

"Wir hatten schon beim Aufwärmen nicht die Körpersprache, die von uns verlangt wird", gab Weltmeister Benedikt Höwedes nach der bitteren Pleite zu. Die Kämpfermentalität der königsblauen Helden um Olaf Thon und Marc Wilmots fehlte völlig, der Traum von einem erneuten Europapokaltriumph 20 Jahre nach dem UEFA-Cup-Wunder droht deshalb schon im Viertelfinale zu platzen.

Die völlig leblose Vorstellung der international erfahrenen Schalker in der Europa League gegen die Ajax-Bubis brachte Kapitän Höwedes auf die Palme. "Es hat mich angekotzt, dass wir so fahrig verteidigt und so stümperhaft die Bälle hergeschenkt haben", ereiferte sich der 29-Jährige, "da darf man sich nicht wundern, dass man die Bälle so um die Ohren kriegt."

Mit dem Kombinationswirbel der Hochgeschwindigkeitsfußballer des niederländischen Rekordmeisters - mit einem Altersschnitt von 22 Jahren - waren Höwedes und Co. völlig überfordert gewesen. Und offenbar auch gar nicht darauf eingestellt.

"Wir waren ein bisschen überrascht von dem Tempo", sagte der Weltmeister und erntete erstaunte Blicke. Die Tageszeitung De Telegraaf brachte es am nächsten Morgen auf den Punkt: "Ajax ist wieder Ajax."

Nur Fährmann hält die Fahne hoch

Dass sie nicht schon die letzte Chance auf eine Wiederholung des größten Vereinserfolgs 1997 verspielten, hatten die Schalker einzig Ralf Fährmann zu verdanken. Der Torwart machte ein halbes Dutzend Großchancen des Ajax-Talentschuppens zunichte und sorgte dafür, dass das Rückspiel am Donnerstag (21.05 Uhr im LIVETICKER) in Gelsenkirchen nicht nur statistischen Wert hat.

Der Keeper, den nur der überragende Davy Klassen zweimal überwunden hatte (23., Foulelfmeter und 52.), kämpfte auch nach dem Schlusspfiff vehement gegen die kollektive Depression an.

"Wir sind Schalker, wir sind das Hinfallen gewöhnt, aber auch das Aufstehen", sagte Fährmann und verwies auf das Achtelfinale: "Es steht bloß 0:2, wir haben 90 Minuten Zeit, es wiedergutzumachen, in Gladbach haben 45 gereicht."

Beim 2:2 bei Borussia Mönchengladbach hatten die Königsblauen in der zweiten Halbzeit des Rückspiels den gleichen Rückstand aufgeholt und noch die nächste Runde erreicht. In der Kabine hatten sie danach mit einem Eurofighter-Schal posiert und den Geist der Helden von 1997 beschworen. Wilmots und Co. hatten auf ihrem Weg zum Wunder von Mailand auch zweimal auswärts verloren, aber nie so chancenlos.

Ajax-Spieler reißen sich um Huntelaars Trikot

Nur ein Schalker erlebte in der Amsterdam Arena einen erinnerungswürdigen Abend. Klaas-Jan Huntelaar, der als Kind in Ajax-Bettwäsche geschlafen hatte, wurde bei seiner Einwechselung 20 Minuten vor Schluss von den 54.000 Zuschauern frenetisch gefeiert.

Nach dem Spiel wollten gleich mehrere Gegner ein Trikot von ihm. Der 17-jährige Justin Kluivert, Sohn des ehemaligen Oranje-Stars Patrick Kluivert, hielt das Shirt des "Hunter" stolz in die Kamera.

"Es war keine schöne Rückkehr", meinte Huntelaar trotzdem. Der 33-Jährige, der von 2006 bis 2008 für Ajax spielte, hat seinen Abschied von Schalke zum Saisonende angekündigt und liebäugelt mit einem zweiten Engagement beim niederländischen Vorzeigeklub.

Heidel schwärmt von Younes

Amin Younes strahlte dagegen über das ganze Gesicht. Der Ex-Gladbacher, der in der Bundesliga nur sechs Minuten gegen Schalke gespielt hatte, dribbelte seine Gegenspieler regelrecht schwindelig.

"Wie er sich entwickelt hat, ist aller Ehren wert", lobte Schalkes Sportvorstand Christian Heidel den 23-Jährigen, der eine gewisse Genugtuung nicht verstecken konnte. "Ich habe vorher viel von einem Schalker Wunschlos gehört", sagte Younes - und schmunzelte.

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