Europas Serienmeister: Droht Bayern dasselbe Schicksal?

Europas Serienmeister: Droht Bayern dasselbe Schicksal?
Europas Serienmeister: Droht Bayern dasselbe Schicksal?

Der FC Bayern hat mit dem 3:1-Erfolg gegen Borussia Dortmund vorzeitig die deutsche Meisterschaft perfekt gemacht. Es war der zehnte Titel in Folge und der insgesamt 32. Titel für den deutschen Rekordmeister! In Europas Top-5-Ligen hat kein anderer Top-Klub eine ähnliche Serie hinlegen können wie die Münchner.

In Spanien dominieren Real Madrid und der FC Barcelona zwar die Liga, in der Regel aber in schöner Abwechslung. Während die Königlichen fünf Mal hintereinander Meister (1961-1965 und 1986-1990) wurden, schafften es die Katalanen „nur“ zu vier Titeln am Stück (1991 bis 1994) (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Eine Ausnahme stellt dagegen die DDR da, wo der BFC Dynamo dank wohlgesonnener Schiedsrichter sowie politischer Einflüsse von 1979 bis 1988 zehn Titel in Serie holte. SPORT1 blickt auf die Abo-Meister aus der Serie A, Ligue 1, Premier League und DDR-Oberliga und erklärt, warum die großen Serien von Olympique Lyon, Juventus Turin, Manchester United und Co. endeten.

DEUTSCHLAND / DDR: Die unbesiegbaren Bayern und der „Schieber-Meister BFC“

In Deutschland ist die Bayern-Dominanz mit zehn „Salatschüsseln“ beispiellos. Nur die Borussia aus Mönchengladbach schaffte noch eine Serie von drei Titeln (1975 - 1977), die aus Dortmund und der Hamburger SV dagegen kommen „nur“ auf zwei Titel in Folge.

Dafür aber gab es in der ehemaligen DDR schon mal etwas ähnliches: Dort eilte der von der Stasi protegierte Berliner Klub BFC Dynamo von Titel zu Titel. Von 1979 bis 1988 wurde der „Schieber-Meister BFC“ zehn Mal hintereinander DDR-Titelträger.

Am 15. Januar 1966 wurde der DDR-Verein auf Anweisung des Ministeriums für Staatssicherheit gegründet. Stasi-Chef Erich Mielke wollte mit dem BFC die Überlegenheit des sozialistischen Systems auf dem Rasen demonstrieren. Damit das gelang, wurde ordentlich nachgeholfen. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Mit Andreas Thom, Thomas Doll oder Frank Rohde hatte der BFC nicht nur Top-Spieler in seinen Reihen, sondern auch die Schiedsrichter auf seiner Seite. Mehr als einmal wurden reguläre Gegentore annulliert sowie fragwürdige Elfmeter gegeben. Die Bevorteilung des BFC durch die - eben nicht - Unparteiischen hatte über Jahre hinweg System.

Mit der Wende verflog Glanz und Glamour! Der ehemalige Stasi-Klub verlor einen Großteil seiner Spieler, die staatliche Unterstützung und geriet in finanzielle Schieflage. Das nutzte Dynamo Dresden mit Trainer Ede Geyer aus und wurde dank Matthias Sammer, Torsten Gütschow und Ulf Kirsten 1989 sowie 1990 DDR-Meister.

Dass der BFC trotz mehrerer Abstiege und Insolvenzen überhaupt noch existiert, grenzt beinahe an ein Wunder. Mittlerweile führen die Berliner in der Regionalliga Nordost die Tabelle an und träumen vom Aufstieg in die 3. Liga.

ITALIEN: Juve holt neun Titel in Serie

Die Alte Dame regierte die Liga fast nach Belieben - bis die Serie nach neun Titeln in der vergangenen Saison riss und sich Inter Mailand den Scudetto schnappte. Dahinter folgen mit fünf Titel in Folge Inter (2006-2010), der AC Turin (1943-1949) und Juventus (1931-1935).

So begann Juves Ära: Nach einem enttäuschenden siebten Platz musste Trainer Luigi del Neri Platz machen für Antonio Conte. Mit ansehnlichem Offensiv-Fußball und einem Abwehrbollwerk wurden die Bianchoneri unter dem Ex-Spieler drei Mal in Folge (2012, 2013 und 2014) italienischer Meister. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Die Mannschaft war gespickt mit Stars, die Jahre lang zusammenspielten: Im Tor Gianluigi Buffon, in der Abwehr Giorgio Chielini, Leonardo Bonucci, im Mittelfeld Andrea Pirlo, Arturo Vidal und Claudio Marchisio sowie im Angriff Mirko Vučinić, Alessandro Matri und der große Alessandro del Piero. Im zweiten Jahr unter Conte stießen Lúcio, Paul Pogba und Nicolas Anelka hinzu - im dritten Carlos Tévez.

Kurz vor Saisonbeginn 2014/15 trennten sich Juventus und Conte überraschend aufgrund von Differenzen bei der Personalplanung. Einen Tag später übernahm Massimiliano Allegri als neuer Cheftrainer.

Da die Mannschaft bestens eingespielt war und immer wieder nur punktuell verstärkt wurde (Kingsley Coman, Álvaro Morata, Juan Cuadrado, Sami Khedira, Paulo Dybala, Mario Mandžukić, Miralem Pjanić, Gonzalo Higuaín, Wojciech Szczesny, Blaise Matuidi und Cristiano Ronaldo ) folgten weitere fünf Scudetti (2015, 2016, 2017, 2018 und 2019) unter Allegri, ehe er in ein Sabbat-Jahr ging.

2019/20 wird Maurizio Sarri Juve-Coach und will das leicht berechenbare Spiel der Bianconeri revolutionieren und den berühmt-berüchtigten Offensiv-Stil a la Napoli einführen. Mit geringem Erfolg. Denn die Juve-Stars waren mit „Sarriball“, Ballbesitzspiel mit vertikalem Kurzpassspiel, Tempowechsel, Spiel über den Dritten und dem Überladen einer Zone nicht einverstanden. Trotz der neunten Meisterschaft hintereinander musste auch der Kettenraucher seinen Hut nehmen.

Juves Meister-Serie riss letztlich mit dem gescheiterten Experiment Andrea Pirlo! Die Juve-Legende wollte als Trainer-Novize Neues ausprobieren, die Spieler kamen aber mit seinen Ideen nicht klar. Nach Pokalsieg und enttäuschendem vierten Platz musste Pirlo gehen. Den Scudetto holte sich 2021 Inter mit 13 Punkten Vorsprung auf die Alte Dame.

FRANKREICH: Aulas macht Lyon zum Serienmeister

Bis zur Saison 2001/02 hatte Olympique Lyon keine einzige Meisterschaft gewonnen, der Klub stand ständig im Schatten von AS Saint-Etienne, AS Monaco, FC Nantes und Olympique Marseille. Übrigens: Zu der Zeit war auch PSG noch eine kleine Nummer (zwei Titel), doch dazu später mehr.

Doch seitdem gewannen Les Gones sieben Mal in Folge den Titel in der Ligue 1. Mitverantwortlich für diese Erfolge war Jean Michel Aulas, der den Klub 1987 nach vier bitteren Jahren der Zweitklassigkeit übernahm und eine bessere Zukunft versprach. Er hielt sein Versprechen.

Nach zwei Jahren stieg Lyon unter Raymond Domenech auf. Kaum in der Ligue 1 etabliert, folgten auch schon erste Auftritte im Europapokal. Innerhalb von nur zehn Jahren wurde aus einem belächelten Verein einer der bestgeführten sowie erfolgreichsten Frankreichs.

Lyons erste Meisterschaft war an Dramatik kaum zu überbieten: Am letzten Spieltag kam es zum Duell mit dem RC Lens, dem damals schon ein Remis zum Titel gereicht hätte. Doch im Stade de Gerland folgte ein Spiel, an das sich noch heute viele gerne zurückerinnern - Lyon triumphierte mit 3:1 und gewann seine erste französische Meisterschaft unter Jacques Santini.

„Ich kann mich am besten noch an den Schlusspfiff erinnern, ich hatte schon lange auf diesen Moment gewartet“, erinnerte sich Sonny Anderson. „Auch der Klub hatte sehr lange darauf hingearbeitet und jetzt war es soweit.“ Es war der Startschuss für eine unglaubliche Meister-Serie von OL, denn Lyon gewann auch die nächsten sechs Meisterschaften. So eine Dominanz hatte es im französischen Fußball noch nie zuvor gegeben.

Mit jedem Titel und den starken Leistungen in der Champions League wurde Lyon nun auch attraktiver für Top-Spieler wie Michael Essien, Tiago oder Giovane Elber. Kluge und günstige Transfers sowie die starke Jugendarbeit verhalfen OL zu den sieben Titeln: Aus der Talentschmiede stammen unter anderem Hatem Ben Arfa, Karim Benzema, Alexandre Lacazette, Nabil Fekir und Corentin Tolisso.

Nach sieben Meisterschaften in Folge - Paul Le Guen (3 Titel), Gérard Houllier (2) und Alain Perrin (1) - riss die Serie unter Coach Claude Puel 2009. Lyon wurde nur Dritter und stand zum ersten Mal seit 1999/2000 nicht auf einem der ersten beiden Plätze. In einem engen Meisterrennen wurde Girondins Bordeaux französischer Meister vor Marseille.

FRANKREICH: PSG wird zum Abo-Meister dank Scheich-Millionen

In den vergangenen zehn Jahren gab es in der Ligue 1 bis auf zwei Spielzeiten - 2016/17 Monaco und 2020/21 OSC Lille - kein Vorbeikommen an Abo-Meister Paris Saint-Germain. Der Meistertitel ist gar ein Muss, doch das vorgeschriebene Ziel seit Jahren ist der Gewinn der Champions League (!), bisweilen ohne Erfolg.

Was die wenigsten wissen, ist die Tatsache, dass die stolze Hauptstadt Frankreichs im Welt-Fußball lange Zeit gar nicht stattfand. Paris war nichtig. Als PSG am 12. August 1970 gegründet wurde, hatte Real Madrid schon sechs Mal die Königsklasse gewonnen und St. Etienne sowie Stade Reims ebenso oft die französische Meisterschaft.

Der letzte und auch einzige Titel eines Pariser Vereins datierte von 1936, als der Racing Club triumphierte. PSG gewann schließlich 1986 seine erste und 1994 seine zweite Meisterschaft, bis 2011 die Kataris den Klub übernahmen und einen Star nach dem anderen kauften - und eine neue Ära einleiteten.

Während 2011/12 vorwiegend französische Spieler gekauft wurden und der zweite Platz am Ende heraussprang, durfte sich PSG-Coach Carlo Ancelotti im zweiten Jahr auf die ersten großen Namen freuen: Zlatan Ibrahimović, David Beckham, Thiago Silva und Marco Verratti kamen für viele Millionen und führten den Scheich-Klub zum ersten von acht Titeln in zehn Jahren.

Danach folgten noch weitere Stars dem lieben Geld und wechselten nach Paris: Edinson Cavani, Marquinhos, David Luiz, Ángel Di María, Neymar, Kylian Mbappé und selbst Real-Ikone Sergio Ramos sowie Barca-Legende Lionel Messi. Doch der Henkelpott steht immer noch nicht im Pariser Trophäenschrank, obgleich fast alles auf die Champions League ausgerichtet ist.

So wurde das Star-Ensemble 2021 vom OSC Lille entthront, da Neymar, Mbappé und Co. einerseits die heimische Liga nicht immer für voll nehmen, andererseits oft geschont werden für die Königsklasse. Dennoch scheiterte PSG auch dort im Halbfinale an Manchester City.

2017 fehlte nach vier Meisterschaften in Folge ebenfalls der Biss und nötige Ernst bei PSG, als ein junges und hungriges Monaco-Team um Mbappé, Thomas Lemar, Fabinho, Tiemoué Bakayoko und Bernardo Silva unbedingt Meister werden wollte.

Erschwerend kommt hinzu, dass das Pariser Umfeld sehr unruhig ist: Nach Ancelotti versuchten noch Laurent Blanc, Unai Emery, Thomas Tuchel und nun Mauricio Pochetttino die hohen Erwartungen der Kataris zu erfüllen.

ENGLAND: Die Ära Ferguson bei ManUnited

Kaum zu glauben: Kein englischer Klub hat vier Meisterschaften in Folge gewonnen. Drei Titel in Serie holten Huddersfield Town (1924-1926), der FC Arsenal (1933-1935), der FC Liverpool (1982-1984) sowie Manchester United (1999-2001 und 2007-2009).

Und um die große Ära von Sir Alex Ferguson geht es hier: Der Schotte gewann mit den Red Devils von 1993 bis 2003 acht Meisterschaften in elf Jahren und wurde nur von den Blackburn Rovers (1995) sowie Arsenal (1998 und 2002) unterbrochen.

In diesen Jahren etablierte sich ManUnited zum Welt-Klub und gewann 1999 sogar das Triple aus englischer Meisterschaft, FA Cup und Champions League. Dabei setzte Ferguson zum einen auf erfahrene Spieler wie Peter Schmeichel, Bryan Robson, Eric Cantona und Mark Hughes, zum anderen entwickelte er aus den eigenen Talenten Ryan Giggs (18 Jahre alt), David Beckham, Paul Scholes, Nicky Butt, Gary und Phil Neville (alle 17) zukünftige Welt-Stars.

1995 verpassten die Red Devils auf ganz bittere Art und Weise die dritte Meisterschaft in Folge, als ManUnited am letzten Spieltag bei West Ham United nicht über ein 1:1 hinauskam, obwohl die Blackburn Rovers als Tabellenführer mit 1:2 gegen Liverpool verloren. Mit einem Punkt Vorsprung gewann die Mannschaft von Kenny Dalglish den Titel.

Nach zwei weiteren Meisterschaften (1996, 1997) hatte die Ferguson-Truppe erneut das Nachsehen und musste 1998 Arsenal und Arsène Wenger den Vortritt lassen. Die Gunners und Red Devils trennten wieder nur ein Punkt. Bitter.

Die folgenden drei Jahre war ManUnited kaum zu bezwingen, auch weil die Transfers voll einschlugen: Jaap Stam war der Abwehrchef, Roy Keane der Anführer im Mittelfeld, und im Angriff trafen Andy Cole, Ole Gunnar Solskjaer, Teddy Sheringham und Dwight Yorke nach Belieben.

2002 dagegen war das Titelrennen lange Zeit ein Dreikampf zwischen ManUnited, Liverpool und Arsenal. Mit dem besseren Ende für die Wenger-Truppe, die mit Thierry Henry, Dennis Bergkamp und Robert Pires einen Zauber-Fußball zelebrierten und Meister wurden. Ein Jahr später aber drehte Ferguson den Spieß wieder um und wurde vor den Londonern zum achten Mal in elf Jahren Meister.

Nach 28 Jahren gab Ferguson 2013 seinen Rücktritt bekannt, er hatte gerade mit den Red Devils seine 13. englische Meisterschaft gefeiert. Schöner hätte seine beeindruckende Ära nicht enden können.

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