Ex-Jordan-Designer: So wild war Zanardi bei seinem Formel-1-Debüt unterwegs

Norman Fischer
motorsport.com

"Nicht zu bremsen", so lautet der Titel des Buches von Alessandro Zanardi. Das beschreibt das Leben und die Arbeitsweise des Italieners sehr gut. Denn Zanardi war immer am Limit und hat damit auch seine Teams manchmal zur Verzweiflung gebracht. Jordan-Designer Gary Anderson erinnert sich noch gut an die gemeinsame Arbeit mit ihm.

Seine Aussagen knüpfen an Zanardis Geschichte seines Formel-1-Debüts 1991 an, als er zwischen den Stühlen von Benetton und Jordan hing und von beiden Teams als Notnagel fungierte, sollte man den Kampf um Michael Schumacher verlieren. Letzten Endes gab Zanardi sein Debüt fuhr Jordan und bestritt die letzten drei Saisonrennen für das Team.

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"Es war sehr interessant, denn er wusste nicht, wie man langsam fährt. Er war in jeder Runde am Limit", erzählt Anderson in einem Podcast für 'The Race'. "Er ist auch um seine Zukunft gefahren, denn er wusste nicht, wie es nach seinem kurzen Gastspiel bei uns weitergeht."

Jedes Mal auf eine andere Art zerstört

Zanardi hatte nur drei Rennen und legte in diese alles hinein - meistens sogar zu viel. "Zum Glück war es das Ende der Saison, denn er hat in den drei Rennen vermutlich mehr Schaden verursacht als alle anderen Fahrer, die wir damals im Auto hatten", sagt Anderson.

Der Italiener bestritt Ende 1991 drei Rennen für Jordan

Der Italiener bestritt Ende 1991 drei Rennen für Jordan <span class="copyright">Motorsport Images</span>
Der Italiener bestritt Ende 1991 drei Rennen für Jordan Motorsport Images

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Vor allem an das Rennen in Adelaide erinnert sich der Designer. Dort gab es einige hohe Randsteine, über die Zanardi gerne gefahren sei. "Jeder Tag war eine neue Erfahrung. Das Auto kam zurück [an die Box] und war jedes Mal auf eine andere Art zerstört", lacht der Formel-1-Experte.

Jordan musste am Freitag vom Einsatz- auf das Ersatzauto wechseln. Dieses musste dann noch einmal ein Ersatzchassis bekommen, "und nach dem Qualifying am Samstag mussten wir das [Auto], das eigentlich schon erledigt war, wieder aus der Box holen [...] und es für den Renntag neu aufbauen. Er hat in nur drei Rennen all unsere Ersatzteile aufgebraucht!"

Anderson: Alex war dann anders ...

Für Zanardi ging es bei Jordan anschließend nicht weiter und er fuhr 1992 nur drei Rennen für Minardi und später zwei Saisons für Lotus, bevor er in die USA ging. 2001 traf Anderson dort wieder auf den Italiener, der sich aber verändert zu haben schien.

"Ich denke, damals hatte er diesen Hunger und Kampfgeist verloren. Er war an einen Punkt gekommen, an dem er versuchte, die Dinge zu gut zu machen", erzählt er. "Er hat zu sehr daran gearbeitet, immer ein perfektes Auto zu haben. Das war anders als bei dem Alex, den ich von 1991 kannte."

Auch bei Zanardis schwerem Unfall auf dem Lausitzring war Anderson dabei: "Ich musste den Unfall damals für die Polizei analysieren. Es war kein schöner Anblick", sagt er. Und nun muss der Italiener nach dem nächsten Schicksalsschlag erneut kämpfen. "Ich wünsche ihm nur das Beste", so Anderson, "denn er ist ein toller Kerl, ein guter Freund und ein guter Rennfahrer."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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