Ex-NFL-Profi: „Will nicht als Besserwisser rüberkommen“

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Ex-NFL-Profi: „Will nicht als Besserwisser rüberkommen“
Ex-NFL-Profi: „Will nicht als Besserwisser rüberkommen“
Ex-NFL-Profi: „Will nicht als Besserwisser rüberkommen“

Die Schwäbisch Hall Unicorns um Ex-NFL-Profi Moritz Böhringer haben in der GFL eine perfekte Punktrunde hingelegt.

Richtig ernst wird es aber erst am Samstag: Dann steht das Viertelfinale gegen die NewYorker Lions Braunschweig an (ab 16 Uhr LIVE auf SPORT1 und im Livestream). Die Teams kennen sich aus den vergangenen Jahren nur zu gut und standen sich zahlreiche Male im German Bowl gegenüber.

Nachdem zuletzt 2019 die Braunschweiger den Titel bejubeln durften, sind die Unicorns heiß auf eine Revanche. Im Interview mit SPORT1 blickt Starspieler Böhringer auf das Duell voraus, erzählt von seiner Zeit in der NFL und verrät, was er in der Zukunft geplant hat.

Böhringer über Deutschland: Habe Döner vermisst

SPORT1: Herr Böhringer, Sie haben nach ihrer Zeit in den USA bei den Schwäbisch Hall Unicorns in der GFL ein neues Kapitel aufgeschlagen. Wie blicken Sie auf Ihre Entscheidung zurück?

Moritz Böhringer: Am Anfang war es schwer für mich. Man hat sich ja doch an das Leben und die Abläufe dort gewöhnt. Aber dann ist es doch wieder schön, nah bei der Familie zu sein und einfach Zeit mit der Familie zu genießen. Das hatte ich die fünf Jahre davor nicht. Da merkt man, was man vermisst hat. Als ich in der NFL war, war ich einmal im Jahr für ein paar Wochen in Deutschland.

SPORT1: Was haben Sie denn am meisten an Deutschland vermisst?

Böhringer: Döner! Der ist echt schwer, dort zu bekommen (lacht). In Florida habe ich einen guten Laden gefunden. Das waren Deutsche, die da einen Laden hatten. Aber so oft war ich ja nicht in Florida. (GFL: Spielplan/Ergebnisse und Tabellen)

Böhringer mit Schwäbisch Hall auf Erfolgswelle

SPORT1: Haben Sie sich auch auf dem Feld wieder eingelebt? Sind Sie auch mit Ihren eigenen Leistungen zufrieden?

Böhringer: Wir haben alles gewonnen. Von daher kann man sich nicht beschweren. Auf Statistiken und Werte kann ich aber nur schwer schauen. Wir haben viele Spiele schon nach einer Halbzeit entschieden gehabt. Von daher sind die Stats für mich nicht wichtig. In vielen Partien habe ich nur eine Halbzeit oder noch weniger gespielt. Ich habe nur drei Spiele komplett auf dem Feld gestanden.

SPORT1: Wie werden Sie denn eingesetzt? In den USA hatten Sie als Receiver begonnen und wurden dann zum Tight End umgeschult …

Böhringer: Im Prinzip wechsele ich hin und her - was auch immer bei bestimmten Spielzügen wichtig ist. Und es ist auch abhängig vom Gegner. Als Tight End ist man ein wenig mehr am aktiven Runspiel beteiligt durch das Blocken. Da habe ich mich aber schon dran gewöhnt, direkt neben den großen Schränken zu stehen. Die sind aber in den USA noch ganz andere Kaliber. Aber sonst sind die Unterschiede sehr gering zwischen den Positionen.

SPORT1: Wie ordnen Sie die Liga ein? Erkennen Sie einen riesigen Unterschied zur NFL?

Böhringer: Ich würde sagen, die letzten fünf Jahre hat Deutschland sehr aufgeholt. Trotzdem ist es noch ein anderes Level in den USA. Das Spiel hier ist etwas langsamer, nicht so komplex und vor allem beim Passspiel ist das Timing anders.

Böhringer: „Will nicht als Besserwisser rüberkommen“

SPORT1: Welche Rolle nehmen Sie aktuell im Team ein? Sind Sie mit Ihrer NFL-Erfahrung ein Leader und Vorbild?

Böhringer: Wenn jemand einen Tipp haben möchte, dann gebe ich den natürlich gerne. Und wenn jemand etwas komplett Falsches macht und ich das sehe, sage ich das auch mal. Aber das ist auch das Hauptding von den Coaches und da will ich auch nicht so als Besserwisser rüberkommen. Herumschreien tue ich auch nicht wirklich. Ich weiß gar nicht, ob ich schreien kann (lacht).

SPORT1: Die Saison läuft für Sie und ihr Team bislang perfekt. Die Punktspielrunde wurde mit 20:0 Punkten abgeschlossen. Woran ist der Erfolg festzumachen?

Böhringer: Wir haben einfach ein gutes Team auf allen Ebenen. Wir haben überall gute Plays gemacht. Die Offensive ist konstant beim Pass- und Laufspiel. Das funktioniert beides gut. Die Defensive macht auch viele Punkte bei uns. Die Special Teams leisten gute Arbeit. Es fügt sich gut zusammen.

SPORT1: Gibt es trotz der perfekten Regular Season noch Baustellen, an denen in den Playoffs gearbeitet werden muss?

Böhringer: In ein paar Spielen waren wir nicht konstant und nicht richtig konzentriert. Aber das ist manchmal auch schwer, wenn die Spiele schon früh entschieden sind.

Schwäbisch Hall Unicorns gegen NewYorker Lions gefordert

SPORT1: Am Samstag geht es gegen die NewYorker Lions aus Braunschweig in der ersten Playoff-Runde. Was rechnen Sie sich aus? Wer geht als Favorit ins Rennen?

Böhringer: Bei Nord- und Südstaffeln weiß man nicht richtig, wie der Gegner in Form ist. Sie haben auch ein paar Spiele nicht so überzeugend bestritten und in ein paar Partien waren sie richtig gut. Von daher wird es eine kleine Überraschung.

SPORT1: 2019 musste sich Ihr Team den Lions ausgerechnet im German Bowl geschlagen geben. Steht also noch eine Revanche aus?

Böhringer: Es war fast jedes Jahr das Finalduell. Als ich 2015 noch da war, da haben wir auch gegen die verloren.

SPORT1: Wie lautet das Saisonziel der Schwäbisch Hall Unicorns mittlerweile?

Böhringer: Also für mich ist das Ziel der Sieg im German Bowl - ganz klar. Und für dieses Ziel muss erstmal Braunschweig weg. Ich denke auch, dass das Team das ähnlich sieht. Wir waren die letzten Jahre auch immer im Finale und haben gewonnen oder knapp verloren.

Böhringer spricht über Zukunft

SPORT1: Ihre Freundin lebt noch in den USA. Bleiben Sie dennoch weiterhin bei den Unicorns oder werden Sie nächste Saison bereits wieder weg sein?

Böhringer: Ich muss erstmal zwei Semester in Aalen Maschinenbau studieren. Deshalb bin ich mir auch nicht 100 Prozent sicher, ob es dann nächstes Jahr passt. Ich will das erst fertig machen und irgendwann einen richtigen Job mal machen (lacht). Irgendwann ist es einfach vorbei. Ich würde später gerne mal im Maschinenbau arbeiten. Das macht mir Spaß. Ich habe auch bis letzte Woche ein Praktikum bei einer Firma im Maschinenbau absolviert. Das war perfektes Timing vor den Playoffs. Coach möchte ich auf jeden Fall nicht werden. Da spiele ich lieber. Wenn ich die NFL-Spiele im Fernsehen sehe, da denke ich mir dann aber manchmal schon, dass es cool wäre, dort zu spielen. Sonst vermisse ich aber in den USA nur meine Freundin.

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