Die bittere Abrechnung eines Super-Bowl-Champs

SPORT1
Sport1

Bittere Abrechnung eines Super-Bowl-Champions: Im Zuge der neu angefachten Debatte um Rassismus in den USA hat Martellus Bennett heftige Generalkritik an der NFL geübt.

Auslöser war das Twitter-Statement von Quarterback Drew Brees, in dem dieser die Form der Proteste kritisiert hat (wofür er sich mittlerweile nach heftiger Kritik entschuldigt und komplett in die andere Richtung geschwenkt ist).

Für Bennett, ehemaliger Tight End der New Orleans Saints, war die Kritik am ursprünglichen Brees-Statement ("Habt ihr denn wirklich gedacht, Drew würde irgendwas anderes sagen als das?") aber nur der Startschuss.

Scrollen, um mit dem Inhalt fortzufahren
Anzeige


"Die NFL ist ein Rassist", begann er seine Tweet-Serie und schob direkt hinterher: "Rassismus ist der Hauptgrund, warum sie keine schwarzen Coaches haben - nicht wegen fehlender 'Qualifikation'. Wir alle wissen, wie die weißen Owner, die die Coaches einstellen, über schwarze Spieler denken. Genauso denken sie über schwarze Coaches."


Allerdings könnten sie nach Bennetts Auffassung auf die schwarzen Spieler nicht verzichten - im Gegensatz zu schwarzen Trainern. Lieber würden die Owner an weißen Coaches festhalten, als einem schwarzen Headcoach die Chance zu geben: "Wollt ihr mir wirklich erzählen, dass Joe Judge (neuer Headcoach New York Giants/Anm.d.Red.) eher dazu in der Lage ist, ein Team zum Titel zu führen als Eric Bieniemy (Offensiv Coordinator der Kansas City Chiefs/Anm.d.Red.)?"

Jetzt aktuelle NFL-Fanartikel kaufen - hier geht's zum Shop | ANZEIGE 

Auch Vorwürfe gegen Coaches

Aber nicht nur die Owner sind nach Bennetts Ansicht schuld an diesem latenten Rassismus innerhalb der Liga. Auch die Coaches selbst trügen dazu bei, dass dieses System am Leben erhalten werde. Die Grundlagen werden bereits in der Jugend gelegt. "Schaut mal, was diese Trainer (Highschool-Trainer/Anm.d.Red.) den Jungs erzählen. Wenn sie sich neben dem Sport für andere Dinge interessieren, wird ihnen erzählt, dass sie den Sport nicht lieben. Dabei könnten diese anderen Dinge für immer sein - der Sport ist es nicht, wie wir wissen."


So würden schwarze Jungs nach Bennett bereits früh in die Abhängigkeit geführt. Sie werden nur auf den Sport ausgerichtet, damit sie keine Alternativen im Leben haben, um somit leichter von den wirtschaftlich Mächtigen kontrolliert zu werden. "Die Coaches, Owner und Verantwortlichen auf allen Ebenen verpassen ihnen eine Gehirnwäsche, damit sie sich nur auf den Sport konzentrieren. Wenn man das aber zulässt, verliert man seine Identität."


Rodgers nur Zuschauer

Um den Rundumschlag komplett zu machen, rechnete er auch gleich mit seinen weißen Teamkollegen ab. Viele würden es sich zu leicht machen und nun - ohne Gefahr - ein Statement für die Proteste und gegen den Rassismus abgeben. "Ihr applaudiert ihnen nun für diese Statements. Aber zu Beginn der Proteste habt ihr jeden Unterstützer ans Kreuz genagelt."

DAZN gratis testen und die NFL live & auf Abruf erleben | ANZEIGE

Selbst vor Superstar Aaron Rodgers machte er keinen Halt. Im persönlichen Gespräch mit seinem damaligen Teamkollegen (2017) habe der Quarterback der Green Bay Packers die Proteste (das Knien während der Nationalhymne/Anm.d.Red.) als positiv gewürdigt. Aber er könne nicht knien, weil er die Flagge achte. Er würde jedoch verstehen, dass die Schwarzen einen Kampf für Gleichberechtigung führen würden.


"Klingt nicht wie ein Verbündeter, sondern eher wie ein Zuschauer", kritisierte Bennett die Abgrenzung Rodgers.


Medien verstärken den Rassismus

Auch den Medien sprach er an der Aufrechterhaltung dieses Systems eine Schuld zu, indem sie negative Bilder um schwarze Spieler aufbauen.

"Ein schwarzer Quarterback muss jedes noch so kleine Detail richtig machen. Baker Mayfield darf mit seinen weißen Privilegien jedoch machen, was er will. Bei ihm heißt es bloß, er habe soviel Swag. Würde dies ein schwarzer Quarterback machen, hätte er keinen Swag, sondern wäre unkonzentriert und würde seinen Job nicht ernst nehmen", sagte Bennett.

Jetzt die Spielewelt von SPORT1 entdecken - hier entlang!


Martellus Bennett selbst ist dem Rassismus in der NFL nicht mehr ausgesetzt. Nach zehn Spielzeiten, in denen er für die Dallas Cowboys, New York Giants, Chicago Bears, Green Bay Packers und die New England Patriots auflief, und dem Triumph im Super Bowl LI mit dem Team von Bill Belichick war der Vertrag des Tight Ends im Gillette Stadium ausgelaufen. Im März 2018 beendete er seine Karriere endgültig und ist nun im Hauptberuf Chef einer Produktionsagentur.

Sein älterer Bruder Michael Bennett ist allerdings immer noch aktiv und steht seit 2019 bei den Dallas Cowboys unter Vertrag.

Lesen Sie auch