Experten einig: Dieser Faktor entscheidet den Titelkampf

Alexandra Müller
Sport1

So spannend wie jetzt war der Titelkampf in der Handball-Bundesliga schon lange nicht mehr.

Die SG Flensburg-Handewitt führt die Tabelle an, hat allerdings schon sechs Minuspunkte auf dem Konto. Genauso steht es um das Konto des Zweitplatzierten TSV Hannover-Burgdorf. Der THW Kiel musste sich erst zweimal geschlagen geben, steht mit zwei Spielen weniger allerdings nur auf Rang drei der Tabelle.


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Aber damit nicht genug: Auch die Mannschaften auf den Rängen vier bis sieben (Magdeburg, Rhein-Neckar Löwen, Melsungen, Füchse Berlin) sind maximal fünf Minuspunkte von den Zebras entfernt.

Trotz der engen Tabellensituation sticht ein Team hervor und konnte besonders am vergangenen Wochenende ein Ausrufezeichen setzen. Im Topspiel gegen die Recken setzte sich Kiel überraschend deutlich mit 32:23 durch. Zumindest auf dem Papier war ein Ergebnis in dieser Deutlichkeit nicht zu erwarten. 

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Schwarzer: Kiel ist am besten besetzt

Christian Schwarzer hingegen hatte durchaus mit einem derartigen Ausgang gerechnet. "Eigentlich nicht so überraschend" findet der Handball-Weltmeister des Jahres 2007 das Resultat. Der Grund: "Kiel ist die Mannschaft, die personell am besten besetzt ist", meint der 50-Jährige im Gespräch mit SPORT1

Ähnlich sieht es Henning Fritz, der vor dem Duell ebenfalls einen Sieg der Zebras prognostizierte. "Mein Gefühl vor dem Spiel hat mir gesagt, dass der THW, der sich ja wieder im Aufwind befindet, Hannover überlaufen wird", erklärt der ehemalige Nationaltorhüter bei SPORT1. Die Stärke der Recken wollte der 45-Jährige aber keinesfalls schmälern. 


"Das Trainerteam hat der Mannschaft viel Selbstbewusstsein eingehaucht. Zu Saisonbeginn hatten sie eine sehr kompakte und aggressive Abwehr und zwei herausragende Torhüter. Das ist die Basis, um im Handball erfolgreich zu sein."

Auch Schwarzer hebt die Leistungen Hannovers hervor: "Sie bringen eine Power über ihr Team aufs Spielfeld und haben mit Olsen (Morten, Anm. d. Red.) auf der Mitte auch noch einen überragenden Spielgestalter. Jeder Spieler erfüllt hervorragend seine Rolle. Das Trainerteam mit Carlos Ortega und Iker Romero passt sehr gut zusammen, auch in Konstellation mit der Mannschaft."

Duvnjak fehlt Kiel mehrere Wochen

Was den Titelkampf in den kommenden Wochen zusätzlich befeuern könnte, ist die Personalsituation bei den Teams. Kiels Kapitän Domagoj Duvnjak zog sich im Spitzenspiel einen Muskelfaserriss in der linken Wade zu. Der kroatische Spielmacher wird voraussichtlich bis zu vier Wochen fehlen.

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"Das ist ein Wahnsinns-Ausfall", sagt "Blacky" Schwarzer SPORT1. "Es bleibt abzuwarten, wie der THW das auch nach dem Ausfall von Steffen Weinhold verkraften kann." Auch Fritz macht die Bedeutung Duvnjaks für die Nordlichter deutlich. "Duvnjak ist Dreh- und Angelpunkt im Angriff, geht mit extremem Zug zum Tor, von ihm geht vieles aus. Der führende Kopf, was das Mannschaftsspiel angeht, fehlt."

Trotz der Verletzung des kroatischen Stars bleibt der Magdeburger optimistisch. "Ich glaube, dass die Mannschaft in der Breite trotzdem so gut aufgestellt ist, dass sie das kompensieren kann." Aber: "Ob es für die Topspiele reicht, muss man sehen."

Mensah wechselt nach Flensburg

Für ein Beben sorgte auch die Meldung von Mads Mensah Larsens Wechsel von den Rhein-Neckar Löwen nach Flensburg.


Der dänische Weltmeister und Olympiasieger unterschrieb einen Zwei-Jahres-Vertrag bis 2022 beim Deutschen Meister. Dass die Löwen den 28-Jährigen einfach ziehen lassen, verwundert auf den ersten Blick. Doch Schwarzer weiß: "Gute Spieler sind immer begehrt. So ist das Handball-Geschäft."

Auch Fritz traut dem Rückraumspieler sogar den nächsten Schritt in seiner Entwicklung zu. "Ich nehme mal das Beispiel Harald Reinkind, der bei den Löwen gut gespielt hat, aber beim THW Kiel mindestens eine Klasse besser ist. Daran sieht man, wie entscheidend es ist, wie der Trainer auf dich setzt, welche Rolle du in der Mannschaftskonstellation spielst", betont der Welthandballer von 2004.

Fritz: Kiel hat die Nase vorne

Doch was bedeuten diese Entwicklungen für das Titelrennen in der "stärksten Handball-Liga der Welt", wie sich die HBL gerne betitelt?

"Jeder kann jeden schlagen. Ich denke, das macht das Ganze so interessant", freut sich Schwarzer. Die große Frage aber sei, wie die Spieler aus der Europameisterschaft im Januar 2020 herauskommen, erklärte der ehemalige Kreisspieler. "Das wird für die zweite Saisonhälfte entscheidend sein. Schön ist, dass das Rennen weiter offen ist. Das kann nur förderlich für den weiteren Verlauf der Handball-Bundesliga sein."


Dem kann auch Fritz nur beipflichten. "Es kommt darauf an, ob Leistungsträger gesund bleiben, ob eine Mannschaft knappe Spiele gewinnen kann, wie es bei Flensburg letzte Saison öfter der Fall war."

Eine endgültige Prognose will er zwar erst nach der EM abgeben, eine Tendenz zeichnet sich für ihn aber schon ab: "Ich glaube, die Nase vorne hat im Moment klar der THW Kiel, der sich die beste Ausgangssituation geschaffen hat."

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