Was für ein Basketball-Wunder passieren muss

Robin Wigger
Sport1

Noch will ALBA Berlin keine Meister-Glückwünsche annehmen.

Trotz des beruhigenden 23-Punkte-Polsters nach dem 88:65-Sieg im Final-Hinspiel gegen die MHP Riesen Ludwigsburg sind die Berliner vorsichtig – gefeiert wird erst nach dem zweiten Spiel am Sonntag (MHP Riesen Ludwigsburg - ALBA Berlin ab 15 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM).

"Es kann immer etwas schief gehen gegen Ludwigsburg", warnte Geschäftsführer Marco Baldi. Denn die Riesen "kommen in die Köpfe rein, man kann sehr schnell die Kontrolle über das Spiel verlieren".

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Doch für ein Basketball-Wunder muss viel passieren. Ein schlechter Tag Berlins - und viele Steigerungen bei Ludwigsburg, wie SPORT1 analysiert.

Knight muss spielen

Es war ein bitterer Schlag für die Riesen. Marcos Knight, überragender Spieler des Finalturniers, musste am Freitag wegen Knöchelproblemen kurzfristig passen.

"Er hat selbst gesagt, dass er zu viel Schmerzen hat. Ich kann es nicht forcieren", sagte Riesen-Coach John Patrick laut dpa: "Ich glaube ihm, wenn er sagt, dass es zu viel ist."

Eine Prognose, ob Knight mitwirken kann, wollte Patrick nicht abgeben. "Wenn er überhaupt joggen kann, wird er spielen", sagte der 52-Jährige bei MagentaSport.


Knight, den Patrick bei SPORT1 als "Motor" bezeichnete, hatte in den vorherigen vier Partien vier Double-Doubles aufgelegt. Im Halbfinal-Rückspiel gegen Ulm waren ihm mit 26 Punkten und 13 Rebounds Saison-Bestleistungen gelungen.

Bessere Leistung der Co-Stars um Wimbush und Weiler-Babb

Nach Knights Ausfall hätten Thomas Wimbush und Nick Weiler-Babb in die Bresche springen müssen. Doch beide durften sich von Patricks Kritik, "einige Spieler waren übermotiviert", angesprochen fühlen.

"Sie wollten so wie Marcos das Spiel entscheiden, aber das ist nicht unser Spiel".

Weiler-Babb traf miserable 4-16 aus dem Feld, bis auf zwei spektakuläre Dunks gelang dem Guard so gut wie nichts.


Wimbush (1-6, 3 Turnover) schmorte in der zweiten Halbzeit verdientermaßen lange auf der Bank, nachdem er mehrere schlechte Entscheidungen getroffen hatte.

Auch Jaleen Smith (2-7), der immerhin acht Assists verteilte, und Teyvon Myers (2-6) trafen kein Scheunentor.

Mehr Tempo und Konzentration

"Wir haben die ganze Saison viel besser gespielt", meinte Patrick.

Vor der Partie hatte er bei SPORT1 die "Schnelligkeitsvorteile" seines Teams angesprochen, im Nachhinein monierte er fehlendes Tempo.

65 Punkte seien zu wenig. Er befand: "Wir haben unsere Konzentration verloren." Mehrere schlechte Wurfentscheidungen und insgesamt 19 Turnover ließen ihn verzweifeln.

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"Wir hatten in allen Topligen Europas die wenigsten Turnover, darauf haben wir uns seit Jahren fokussiert", hatte Patrick zuvor erklärt.

Denn nur "wenn wir die Turnover kontrollieren und in der Verteidigung nicht spekulieren, sondern solide spielen und rebounden, haben wir auch gegen eine Top-Mannschaft Chancen".

Im Finalturnier hatte Ludwigsburg zuvor nur knapp elf Ballverluste pro Spiel verbucht, in der Hauptrunde waren es sogar nur 9,7.

Patrick fordert bessere Defense

Patrick forderte für das Rückspiel, seine Mannen müssten im Eins-gegen-eins besser verteidigen. Immer wieder ließen sich die Außenspieler zu leicht schlagen, sodass ALBAs Aufbau- und Flügelspieler freie Bahn Richtung Zone hatten.

Patrick monierte auch die schwache Reboundarbeit, nutzte gar das Wort "Katastrophe".

Zwölf zweite Chancen ließ der Underdog zu, besonders Landry Nnoko (5 Offensiv-Rebounds) war an den Brettern kaum zu kontrollieren.

Immerhin gelangen 13 eigene Offensiv-Rebounds.

Mutige Youngster wie WoBo

Lichtblicke gab es im Spiel der Riesen wenige. Doch neben Center Jonas Wohlfahrt-Bottermann, genannt WoBo, der trotz Knieproblemen ackerte und auch offensiv Akzente setzte (11 Punkte), machten vor allem die Auftritte der Youngster Mut.

Die 18-jährigen Lukas Herzog und Ariel Hukporti sowie Trainersohn Jacob Patrick, der erst 16 Jahre alt ist, nutzten ihre (Wurf-)Chancen, erzielten zusammen 24 Zähler und verkauften sich weitaus besser als die erfahrenen Kollegen.

LuBu braucht mehr davon. "Sie sind bereit dafür, weil sie die Schritte im Training gemacht haben", sagte Patrick.


Doch selbst wenn Knight spielt, Wimbush und Weiler-Babb sich deutlich steigern und die weiteren Wünsche Patricks umgesetzt werden - auf der anderen Seite steht mit ALBA Berlin das bessere und finalerfahrene Team, das aufgrund des Turnierverlaufs auch mehr Kraftreserven hat.

Ein Einbruch ist unrealistisch, alles spricht für ALBA. Aber Ludwigsburg hat Herz. "Es ist nicht vorbei", sagte WoBo: "Wir geben nicht auf."

So können Sie MHP Riesen Ludwigsburg - ALBA Berlin LIVE verfolgen:

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