F1-Training Spielberg 2020: Probleme bei Hamilton und Vettel

Christian Nimmervoll
·Lesedauer: 5 Min.

Max Verstappen hat sich im zweiten Freien Training zum Grand Prix der Steiermark in Spielberg die Bestzeit gesichert - und damit vielleicht sogar die Pole-Position. Denn wegen der schlechten Wettervorhersage für Samstag und der Möglichkeit, dass das Qualifying abgesagt werden muss, könnten zumindest rein theoretisch die FT2-Zeiten für die Startaufstellung am Red-Bull-Ring herangezogen werden.

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"Das war viel besser als der Freitag vor einer Woche", freut sich Verstappen. "Wir haben ein paar Dinge geändert, und jetzt geht's viel, viel besser. Die Richtung scheint zu stimmen. Ich weiß nicht, ob wir ein Paket zum Gewinnen haben. Aber der heutige Tag war jedenfalls positiv. Jetzt habe ich mal die provisorische Pole."

Ricciardo fliegt in Rindt-Kurve ab

Sollte es so kommen, wäre das ganz bitter für Daniel Ricciardo, denn der Renault-Pilot flog gleich in seinem ersten Run in der Jochen-Rindt-Kurve ab und sorgte damit für eine Unterbrechung der Session. Ricciardo verlor das Heck, krachte in die Barrieren und stieg selbst aus dem Wrack aus; humpelte dann aber ins Medical-Car, ehe das Renault-Team Entwarnung gab: "Er ist okay."

Nicht okay war der Mercedes von Lewis Hamilton, der während der Session gründlich durchgecheckt wurde, weil der sechsmalige Weltmeister mit dem Fahrverhalten nicht zufrieden war. Hamilton belegte mit 0,688 Sekunden Rückstand auf Verstappen den sechsten Platz. Eine detailliertere Untersuchung, was nicht gestimmt hat, kann erst in der Nacht auf Samstag erfolgen.

"Da gibt's ein Problem am Auto. Das Auto ist in den langsamen und mittelschnellen Kurven 'all over the place', wie man so schön sagt", erklärt Teamchef Toto Wolff im 'ORF'. "Aber wir haben ja Datenkanäle für alles. Das muss man sich jetzt in Ruhe anschauen."

Mercedes "halbschwanger" in die Session gegangen

Mercedes sei "halbschwanger" ins zweite Training gegangen: "Nicht die volle Power reingelegt, aber auch nicht ganz langsam gecruist", sagt Wolff. "Wir haben schon ein bisschen was dazugelegt. Sagen wir: ein Leistungslevel, das wir normalerweise am Freitag nicht fahren. Aber ein bisschen tappen wir im Dunkeln."

Auch der zweite Mehrfach-Champion im Feld, Sebastian Vettel, tat sich schwer. Zuerst meldete er am Boxenfunk, dass er sich an die Bremsen erst gewöhnen muss - was darauf hindeutet, dass Ferrari da was gewechselt hat. Möglicherweise eine Reaktion auf das vergangene Wochenende, als er besonders in den Bremszonen vor Kurven mit einem unruhigen Auto zu kämpfen hatte.

<span class="copyright">Glenn Dunbar / Motorsport Images</span>
Glenn Dunbar / Motorsport Images

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Später dann berichtete Vettel, er leide "immer noch" besonders stark unter aerodynamischen Turbulenzen vom vorausfahrenden Auto - was erklären würde, warum er vergangenen Sonntag in den Mittelfeld-Kämpfen nicht die beste Figur abgegeben hat. Letztendlich wurde er mit 1,953 Sekunden Rückstand 16.

Vorne hatten andere das Sagen. Verstappen klagte zwar zu Beginn der Session über "nicht wirklich viel Power" an dem vierten, fünften Gang. Doch später lief sein RB16 problemlos, und mit den Soft-Reifen langte es sogar für die Bestzeit - 0,043 Sekunden vor Valtteri Bottas (Mercedes), dem Polesetter des vergangenen Wochenendes.

"Racing Point hat richtig zugelegt"

Sergio Perez und Lance Stroll (beide Racing Point) sicherten sich die Positionen drei und vier. Perez blieb 0,217 Sekunden hinter Verstappen, war aber um mehr als eine Sekunde schneller als am Freitag vor einer Woche. Das deutet darauf hin, dass Racing Point nicht nur auf das Rennen hingearbeitet hat, sondern mit wenig Benzin so gefahren ist, als wäre schon Qualifying gewesen.

Wolff analysiert: "Gegenüber letzter Woche hat Verstappen zugelegt, und vor allem die Racing Points haben richtig zugelegt. Alle anderen sind langsamer, so wie auch wir. Aber da gibt's einiges an Überlegungen und an Daten zusammenzusammeln, um zu schauen, wo die Performance ist."

<span class="copyright">Steven Tee / Motorsport Images</span>
Steven Tee / Motorsport Images

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0,092 Sekunden hinter Stroll und 0,673 Sekunden hinter der Spitze landete Carlos Sainz auf P5. Das Ergebnis zeige, dass Racing Point im Moment "definitiv" schneller sei als McLaren: "Wenn du den letztjährigen Mercedes nimmst und der optimal funktioniert, dann können wir nicht mithalten", unkt Teamchef Andreas Seidl.

Lando Norris, der Podium-Held vom vergangenen Wochenende, wurde Achter. Ihm fehlten 0,882 Sekunden auf Verstappen. Bitter: Wegen Überholens unter Gelb im ersten Freien Training muss er in der Startaufstellung um drei Positionen zurück. "War mein Fehler", gibt er zu. Und: Norris fühlt sich in der brütenden Hitze nicht wohl und schwächelt physisch, weiß aber nicht warum.

Stunk bei AlphaTauri zwischen Gasly und Kwjat

Auf P7: Alexander Albon. Der Thailänder bekleckerte sich in der zweiten Session des Tages nicht mit Ruhm, drehte sich einmal in Kurve 3, einmal in Kurve 7. "Da ist ihm das Talent ausgegangen", analysiert 'ORF'-Experte Alexander Wurz. Rückstand auf den Teamkollegen im gleichen Auto: 0,777 Sekunden.

Charles Leclerc (Ferrari) wurde Neunter, Esteban Ocon (Renault) Zehnter, die beiden AlphaTauris Zehnter und Elfter. Beim zweiten Red-Bull-Team gab's Stunk, weil Windschattenfahren trainiert wurde - und Pierre Gasly so ein Run zerstört wurde. Wenn das das Qualifying war, dann ist er jetzt richtig sauer, schimpfte er sinngemäß.

Die Wettervorhersage für den Rest des Wochenendes ist derzeit wechselhaft. Sollte es am Samstag wie angekündigt Gewitter geben, ist an ein Qualifying wohl nicht zu denken. Das könnte dann auf Sonntagmorgen verschoben werden. Aber auch da ist ein Unwetter nicht ganz ausgeschlossen. Und dann wäre das FT2-Ergebnis plötzlich gleichbedeutend mit der Startaufstellung ...

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.