Familie baut ein Dorf mit Tiny-House für jedes Kind

Moritz PiehlerFreier Autor
Yahoo Nachrichten Deutschland

Wie verhindert man, dass man sich als Familie mit Teenagerkindern tierisch gegenseitig auf die Nerven geht? Ganz einfach: Man baut sich ein eigenes kleines Dorf mit separaten Tiny-Houses für jedes Familienmitglied.

Ähnlich wie hier in Oak Forest in Texas werden in den USA Tiny-House Siedlungen immer beliebter. (Bild: Getty)
Ähnlich wie hier in Oak Forest in Texas werden in den USA Tiny-House Siedlungen immer beliebter. (Bild: Getty)

Die Familie Brinks wohnt im US-Bundesstaat Kentucky. Dort hat sie sich vor fünf Jahren für etwas über 50.000 Euro ein abgelegenes Grundstück gekauft und nach und nach begonnen, ihr eigenes Tiny-House-Dorf aufzubauen. Das ganze Grundstück ist etwas kleiner als ein Quadratkilometer. Doch es hat Platz für alle sechs Häuser der Familie. Das Elternhaus ist mit 26 qm das geräumigste und hat die Familie 9000 US-Dollar (rund 8300 Euro) gekostet.

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Doch auch Sohn Brodey und seine ältere Schwester Lennox bekamen jeder ihr eigenes kleines Haus. Alle anderen Tiny-Houses haben eine Grundfläche von knapp 15 qm, sind aber voll ausgestattet. Die Teenager haben beide Hochbetten in ihren Häusern, um den Raum besser zu nutzen. Das Haus von Tochter Lennox hat die Familie im Stil einer Westernscheune gebaut. Nur eigene Badezimmer haben die Häuser der beiden Kinder nicht, dafür müssen sie das Badezimmerhäuschen besuchen, im Winter nicht immer ganz angenehm.

Dazu gibt es noch ein Häuschen mit einem Gemeinschaftsraum und einem kleinen Pool, Platz für Besucher ist im Gästehaus. Eine Scheune für Kleintiere haben die Brinks auch noch gebaut. Anfangs habe ihr Mann eigentlich ein Blockhaus für die ganze Familie bauen wollen, doch Mutter Keli bestand auf das Modell mit mehr Privatsphäre und setzte sich durch. Außerdem gefiel ihr das Konzept des Tiny-House, das weniger Abfall produziert und einen niedrigeren Energieverbrauch hat.

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Kritik aus der Familie

Doch die Brinks bekam durchaus auch Kritik zu spüren für ihre Variante des Familienlebens. So sehr, dass sich Mutter Keli gezwungen sah, über den Facebook-Account ihrer Tochter (sie besitzt keinen eigenen) eine Verteidigungsrede für ihre Lebensform zu veröffentlichen.

“Wir haben das Dorf nicht gebaut um ‘von unseren Kindern weg zu kommen’” erklärte Keli. Hauptsächlich sei es darum gegangen, einen weniger materialistischen Lebensstil zu erreichen. Doch wenn sie die Kinder schon in die Natur und Berge holte, sollten diese wenigstens nicht ”Bauchnabel an Rücken” mit ihren Eltern leben müssen. Tatsächlich würde sich die Familie aber öfter sehen, als viele andere, schrieb die Mutter zu den Vorwürfen, die sie offensichtlich besonders von Familienangehörigen zu hören bekam.

Auch in Deutschland verbreitet sich das Konzept von reduzierten Lebensformen immer weiter. Noch gibt es einige gesetzliche Unklarheiten über die Tiny-Houses. Doch nach und nach wächst die Akzeptanz der kleinen Behausungen auch hierzulande. Es gibt im ganzen Land bereits Tiny-House Siedlungen, in denen Menschen gemeinsame Infrastrukturen nutzen. Wer seine Teenager also lieber nebenan wohnen hat, als in der gleichen Wohnung, sollte sich mit dieser Variante des Zusammenlebens vielleicht einmal beschäftigen.

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