Wie Fast Food Stephan Leyhe zum Skispringer machte

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So ganz geheuer waren dem kleinen Stephan Leyhe die Schanzen nicht. Auf Skiern war er bereits mit drei Jahren sicher unterwegs, aber den sicheren Boden für einen Hüpfer verlassen?

Das kam für den Kleinen nicht infrage. Also musste der Papa helfen, um seinen Filius zu einem Skispringer zu machen - und griff dabei zu einem Trick.


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Leyhe: "Mein Vater hat mich mit einem Burger gelockt"

"Mein Problem war, dass ich echt lange nur Abfahrten von der Schanze gemacht habe und mich nie getraut habe, über eine 15 m lange Schanze zu springen. Bis mein Vater mich mit einem Burger von einem Restaurant gelockt hat", erinnerte sich Leyhe jüngst: "Und dann ging es los, und ich wollte nicht mehr aufhören. Er hat mich quasi bestochen."

Inzwischen ist Fast Food tabu, jedes Gramm zu viel bedeutet im Skispringen einen Nachteil. Aber es lohnt sich. Leyhe befindet sich im Alter von 28 Jahren in der Form seines Lebens und ist vor der anstehenden Weltcup-Party in seiner Heimatstadt Willingen in der absoluten Weltspitze angekommen.

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Aus dem Schatten von Eisenbichler und Geiger getreten

Zuletzt war Leyhe fünfmal in Folge bester Deutscher und ist damit aus dem Schattendasein hinter dem kriselnden viermaligen Weltmeisters Markus Eisenbichler oder dem Tournee-Dritten Karl Geiger herausgetreten.

Im japanischen Sapporo am vergangenen Wochenende sprang er zum zweiten Mal in seiner Karriere auf das Podium. "Der Sapporo-Trip war für mich ein voller Erfolg", sagte Leyhe.

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Nun geht es auf die Mühlenkopfschanze, die der gebürtige Willinger wie seine Westentasche kennt. "Das ist immer ein schönes Erlebnis, jedes Jahr wieder", sagte Leyhe, der als Flachländer von seinen Mannschaftskollegen auch "Preuße" gerufen wird.

In den zwei Einzelspringen am Samstag und Sonntag (Skispringen: Weltcup in Willingen ab 16.00 Uhr im LIVETICKER) vor insgesamt rund 50.000 Zuschauern gehört der 28-Jährige, der mittlerweile seinen Lebens- und Trainingsmittelpunkt im Schwarzwald hat, zu den Mitfavoriten, der erste Weltcup-Sieg seiner Karriere scheint mehr als greifbar.


Weltcup-Debüt in Engelberg

Dabei wartet auf Leyhe und seine Konkurrenten aber wohl ein Geduldsspiel. Anhaltend starker Wind führte am Freitag bereits zur Absage der Qualifikation, das Sonntagsspringen wurde wegen vorhergesagter Orkanböen von 16.00 Uhr auf 10.15 Uhr vorverlegt. Der Samstagswettbewerb soll jedoch wie geplant um 16.00 Uhr über die Bühne gehen.

Sollte Leyhe die widrigen Bedingungen meistern und sich tatsächlich seinen ersten Weltcup-Sieg sichern, wäre es der Höhepunkt einer Karriere, die erst recht spät so richtig Fahrt aufnahm. Wenige Tage vor seinem 23. Geburtstag gab er im Dezember 2014 in Engelberg sein Weltcup-Debüt, seither gehört er zum Team.


Auf die großen Erfolge musste er aber warten. Bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang gewann er Silber im Teamspringen, wenige Monate später sprang er in Wisla erstmals in einem Einzelspringen auf das Podium, 2019 wurde er Teamweltmeister.

Leyhes will nach Karriere studieren

Die Grundlage für die Karriere legte Leyhe mit seinem zwei Jahre älteren Bruder Christoph. Gemeinsam wuchsen sie auf, gemeinsam verfolgten und betrieben sie den Sport.

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"Bei mir und meinem Bruder war es so: Er ist Bayern-München-Fan, ich von Borussia Dortmund. Er war Martin-Schmitt-Fan, ich von Sven Hannawald. Immer ein bisschen die Konkurrenten", sagte Stephan Leyhe. Für Christoph reichte es nicht zur großen Karriere, für Stephan läuft es derzeit rund. Und danach?

"Mein Plan ist es, zu studieren und in Richtung Bauingenieurswesen oder Architektur zu gehen. Irgendwas, was mit Häuserbau zu tun hat", sagte er. Bis dahin schraubt Leyhe aber erst einmal weiter an seiner sportlichen Laufbahn.

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