Bürki oder Hitz? Favres unnötige Derby-Baustelle

Patrick Berger
·Lesedauer: 4 Min.

Den Champions-League-Fehlstart bei Lazio Rom im Hinterkopf, das Revierderby gegen Schalke 04 vor der Brust, eine Corona-Infektion bei Emre Can als Hypothek - und zu allem Überfluss hat sich BVB-Coach Lucien Favre auch noch eine unnötige Baustelle auf der Torhüter-Position aufgemacht.

Schon beim 1:3 in Rom, gegen das er selbst wenig ausrichten konnte, stand etwas überraschend Marwin Hitz statt des eigentlichen Stammkeepers Roman Bürki im Kasten von Borussia Dortmund.

Für den Pott-Kracher gegen Schalke ist nun noch völlig offen, wem BVB-Coach Favre den Vorzug gibt - und damit reichlich Raum für Diskussionen. (Bundesliga: Borussia Dortmund - FC Schalke 04 ab 18.30 Uhr im LIVETICKER)

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Bürki von muskulären Problemen und Erkältung ausgebremst

Klar ist: Das Problem ist nicht nur hausgemacht. Bürki hatte seit Anfang September kleinere muskuläre Probleme, darum durfte schon im DFB-Pokal gegen den MSV Duisburg am 14. September Hitz ran und hielt beim 5:0 gegen den Drittligisten seinen Kasten sauber.

Danach allerdings war die Nummer 1 wieder fit und übernahm in der Bundesliga gegen Borussia Mönchengladbach (3:0) und den FC Augsburg (0:2). Erst danach plagte Bürki eine starke Erkältung, die sich über fünf Tage zog. Deshalb fiel er sowohl im Supercup gegen den FC Bayern (0:3) als auch für das Spiel gegen den SC Freiburg (4:0) aus, Hitz übernahm erneut. (Service: Spielplan & Ergebnisse der Bundesliga)

Hitz gegen Lazio Rom überraschend im Tor

Dass Bürki aber am 17. Oktober gegen die TSG Hoffenheim nicht spielte, überraschte bereits ein wenig - mit Blick auf die anstehenden Englischen Wochen und das harte Programm war die Maßnahme für viele Beobachter aber noch nachzuvollziehen.

Warum sich Favre aber auch bei Lazio gegen die unangefochtene Nummer 1 der vergangenen Jahre entschied, wirft schon mehr Fragen auf.

Denn: In den vergangenen drei Wochen seit dem 5. Oktober hat Bürki nach SPORT1-Informationen so gut wie jede Trainingseinheit mitgemacht, auch während der Länderspielpause voll trainiert. Er stand also voll im Saft und hätte theoretisch schon gegen Hoffenheim, spätestens aber gegen Rom spielen können.

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Hitz statt Bürki - aber keine richtige Begründung

Was außerdem verwundert: Nach SPORT1-Informationen hatte Favre bis Freitag weder Hitz noch Bürki eine richtige Begründung für den Keeper-Wechsel gegeben.

Mit beiden Schweizer Landsleuten hat der Trainer diesbezüglich gar nicht gesprochen. Mit Michael Zorc (Sportdirektor) und Sebastian Kehl (Chef der Lizenzspielerabteilung) wurde auch die sportliche Führung des BVB nicht in Kenntnis gesetzt, warum Bürki plötzlich nicht mehr spielt.

Nach außen hat Favre seine Entscheidung ebenfalls nie richtig begründet oder kommuniziert. Auf der Pressekonferenz vor dem Schalke-Spiel sagte der Schweizer lediglich: "Roman war ein wenig krank und verletzt. Er hat das Pokalspiel und ein Auswärtsspiel in der Bundesliga verpasst."

BVB-Keeper haben gutes Verhältnis

Fakt ist auch: Beide Keeper, deren persönliches Verhältnis zueinander gut ist, haben ihre Stärken. (Service: Tabelle der Bundesliga)

Bürki punktet mit einer starken Strafraumbeherrschung, ist zudem gut im Eins-gegen-Eins und hält auch mal Unhaltbare. Im Gegensatz zu früher, als der Schweizer Nationalkeeper durchaus mit dem einen oder anderen Fehlgriff für Angriffspunkte sorgte, war er zuletzt eigentlich unumstritten.

Hitz, der vor dem Wechsel zum BVB jahrelang die Nummer 1 beim FC Augsburg war, ist bei den Dortmunder Teamkollegen sehr angesehen, sehr kommunikativ und dirigiert seine Abwehr lautstark.

Der 33-Jährige machte seine Sache als Vertreter des vier Jahre jüngeren Bürki außerdem immer gut - möglich, dass Favre deshalb auf ihn setzte, zumal die BVB-Abwehr vor allem in Rom ohne Manuel Akanji, Emre Can und Dan-Axel Zagadou personell arg angeschlagen war. Und während Hitz beim Eigentor zum 0:2 zumindest unglücklich aussah, wackelte auch Bürki beim 0:2 gegen Augsburg etwas.

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Bürki oder Hitz - wer spielt im Derby gegen Schalke?

Eine der größten Fragen vor dem Derby BVB vs. Schalke bleibt also: Auf wen setzt Favre im Tor? Intern gehen die Verantwortlichen beim BVB davon aus, dass Stammkeeper Bürki wieder spielen darf.

Favre ließ sich auf der PK jedoch nicht zu einer klaren Aussage hinreißen, erklärte lediglich: "Wir werden sehen. Mehr kann ich nicht sagen." Erneut blieb der Eindruck, dass er das Thema hätte besser moderieren können.

Und eines ist sicher: Sollte gegen S04 erneut Hitz im Tor stehen, ist die Torwart-Diskussion beim BVB endgültig entfacht.