FC Bayern nicht nur bei Leroy Sane uneinig: In welche Richtung steuert das Boot?

freier Sportjournalist
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Der FC Bayern München gibt seit Monaten öffentlich ein äußert seltsames Bild ab. Neuester Höhepunkt: Die Aussagen zu Leroy Sane, die beim Audi Cup von Karl-Heinz Rummenigge und Niko Kovac widerrufen worden.

Karl-Heinz Rummenigge ist eines von vielen Alpha-Tieren beim FC Bayern München. (Bild: Getty Images)
Karl-Heinz Rummenigge ist eines von vielen Alpha-Tieren beim FC Bayern München. (Bild: Getty Images)

Optimistisch fiel die Prognose von Kovac am Montag bezüglich eines Transfers von Sane aus. Am Dienstagabend beim Audi Cup allerdings sah sich Rummenigge dazu gezwungen, die Aussagen des Trainers zu widerrufen und schrieb damit das nächste Kapitel der bayerischen Uneinigkeit.

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Seit Monaten scheint die rechte Hand beim FC Bayern nicht mehr zu wissen, was die linke Hand tut. Oder anders gesagt: Wir sitzen alle im gleichen Boot, gemeinsam gerudert wird aber nicht.

Mal stellt der eine Vorsitzende den Trainer in Frage, mal wird er vom anderen Vorsitzenden vehement verteidigt. Mal wirbt der Sportdirektor offen um ein Talent, mal hält man sich an den Transfer-Knigge und spricht nicht über Spieler, die bei anderen Klubs unter Vertrag stehen. Das zieht sich bis in den Unterbau, man denke zurück an die Debatte darüber, ob Miroslav Klose nun zur U19 aufrückt oder nicht.

Niko Kovac sitzt beim FC Bayern zwischen den Stühlen

Kein Wunder, dass Kovac erst offensiv dachte und gestern zu einer Entschuldigung Richtung Manchester City und Pep Guardiola genötigt wurde. Der Trainer sitzt zwischen den Stühlen und versucht im Chaos der Münchner Führungsriege irgendwie eine semi-perfekte Mannschaft auf die schwierige Saison vorzubereiten.

In der Sommerpause meldete er sich über den kicker zu Wort und forderte weitere Transfers. Passiert ist seitdem wenig bis nichts, gestern ruderte er zurück. Es sei keine Forderung, sondern vielmehr eine Feststellung gewesen.

Die versprochenen Transfers sind größtenteils noch nicht eingetroffen und mancher Fan dürfte sich inzwischen darum sorgen, ob die offenen Stellen überhaupt noch alle adäquat besetzt werden können. Der kicker sprach zuletzt von zwei Flügelspielern, einem Stürmer und einem Sechser - eine anspruchsvolle Liste für rund einen Monat verbleibender Zeit.

Wie soll das erst recht funktionieren, wenn sich die Führungsriege selbst nicht einig zu sein scheint? Dass Rummenigge auf der US-Tour von der Nachricht eines möglichen Rückzugs von Präsident Uli Hoeneß überrascht wurde, passt in dieses Bild.

Uli Hoeneß soll auch aufgrund internet Streitigkeiten gehen

Der langjährige FCB-Macher steht laut mehreren Medien kurz vor dem Abschied, schon im November könnte es so weit sein. Laut SportBild auch ein Grund für sein Gehen: Die internen Querelen

Im Mai gab es wohl einen lauten Streit mit KHR. Tage später soll Hoeneß erfahren haben, dass der Vorstand über eine Verpflichtung von Ralf Rangnick diskutierte und Kovac, den der Präsident bis dahin bis aufs Messer verteidigt hatte, absägen wollte.

Nicht minder Sorgen bereitend als die interne Uneinigkeit: Manche Medien scheinen über jeden Schritt an der Säbener Straße informiert zu sein. Kein Bemühen der Bayern ist sicher, selbst aus persönlichen Gesprächen zwischen Führungsmitgliedern berichten Bild, kicker, SZ oder SportBild - und das in vielen Fällen übereinstimmend.

FC Bayern schürt mit öffentlichen Äußerungen unnötige Unruhe

Während andere Klubs aus der Bundesliga still an ihren Projekten werkeln dürfen, wird beim FC Bayern jeder Schritt unters Messer gelegt. Das ist nur natürlich und ein Stück weit Job der Medienwelt und im Interesse der Fans.

Gleichwohl natürlich schaffen die vielen Gerüchte, Halbwahrheiten und Berichte ein sehr inkonstantes Bild der Münchner. Doch selbst wenn man diese vernachlässigt, ist der FC Bayern in seiner Außendarstellung derzeit alles andere als souverän. Fast möchte man anraten, bis zum 2. September allen Mikros fernzubleiben.

Wer Erwartungen schürt, muss diese in der Regel auch einhalten. Umso unglaubwürdiger, wenn von diversen Führungspersonen ein stetes Auf und Ab zu vernehmen ist. Alles wartet nun auf den Transfer von Sane - hätten die Bayern nie etwas verlauten lassen, wäre die Erwartungshaltung nicht derart groß geworden.

Audi Cup beweist: FC Bayern braucht Verstärkungen

Zumal das Spiel gegen Fenerbahce gestern eines eindrucksvoll vor Augen führte: Beim 6:1-Sieg im Halbfinale des Audi Cups war der FC Bayern gut eingespielt und dem Gegner weit überlegen - solange die erste Mannschaft spielte.

Während Real Madrid und die Tottenham Hotspur in der Partie nach ihren Wechseln noch immer ein ansehnliches Spiel boten und unter anderem Talente wie Takefusa Kubo einen hervorragenden Eindruck hinterließen, war das B-Team der Bayern weit von diesem Niveau entfernt.

Der FC Bayern braucht ohne Frage Verstärkungen. Und das - das haben die letzten Monate gezeigt - offenbar nicht nur auf dem Platz. Oliver Kahn soll laut SportBild schon intensiv in den Vorbereitungen auf seine Rolle stecken. Im August dann könnte Hoeneß seinen Rücktritt bekannt geben und seinen Co Herbert Hainer installieren.

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