Fehlerhafte Sauerstoffmasken? Ex-Mitarbeiter erhebt schwere Vorwürfe gegen Boeing

Willy FlemmerFreier Autor für Yahoo

Ein ehemaliger Boeing-Ingenieur wirft dem US-Flugzeugbauer erhebliche Sicherheitsmängel vor. Bei Tests hätte ein Großteil der Sauerstoffmasken nicht funktioniert. Hinweise des Mitarbeiters soll der Konzern ignoriert haben.

Der Langstreckenflieger 787 Deamliner von Boeing (Bild: Getty Images)
Der Langstreckenflieger 787 Deamliner von Boeing (Bild: Getty Images)

Ein ehemaliger Mitarbeiter von Boeing erhebt schwere Vorwürfe gegen den US-Flugzeugbauer Boeing. Demnach weise der Langstreckenjet 787 Deamliner schwerwiegende Probleme bei der Sauerstoffversorgung auf. Dies geht aus einem Bericht des britischen Senders BBC hervor.

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Bei dem Whistleblower handelt es sich um den ehemaligen Boeing-Ingenieur John Barnett. Der 57-Jährige war 32 Jahre bei Boeing angestellt. Seit 2010 hatte er in einem Boeing-Werk in North Charleston im US-Bundesstaat South Carolina in der Qualitätskontrolle gearbeitet. Vor zwei Jahren verließ er den Konzern aus gesundheitlichen Gründen, wie es heißt.

Fehlerhafte Sauerstoffmasken

Im Jahr 2016 habe er im Rahmen der Massenproduktion des Dreamliner Probleme bei der Sauerstoffversorgung entdeckt, sagt Barnett der BBC. Bei Tests hätten viele Atemmasken Sicherheitsmängel aufgewiesen. Ein Viertel aller Masken wären nicht mit Sauerstoff versorgt worden. Von 300 getesteten Flaschen sollen 75 nicht funktioniert haben.

Das System der Sauerstoffversorgung in einem Flugzeug sorgt dafür, dass die Passagiere im Falle eines plötzlichen Druckabfalls mit Sauerstoff versorgt werden. Dabei fallen Sauerstoffmasken von den Decken, die sich die Insassen über Mund und Nase stülpen. Ohne Sauerstoffversorgung würden Passagiere und Crewmitglieder in großer Höhe in wenigen Minuten das Bewusstsein verlieren. Dies kann zu Hirnschäden, mitunter sogar zum Tode führen.

Ignoriert Boeing Sicherheitsbedenken? (Bild: Getty Images)
Ignoriert Boeing Sicherheitsbedenken? (Bild: Getty Images)

Barnett habe seine Beobachtungen gemeldet, die Boeing-Manager wären den Hinweisen jedoch nicht nachgegangen. Auch bei der Federal Aviation Administration habe er eine Beschwerde eingereicht. Die US-Bundesluftfahrtbehörde habe ihm mitgeteilt, dass sie seine Anschuldigungen nicht bestätigen könne. Die Behörde berief sich dabei auf Boeing. Der Konzern soll der FAA erklärt haben, dass man an dem Problem arbeitete.

Profit auf Kosten von Sicherheit?

Laut dem Whistleblower sind ökonomische Ziele Grund für die Qualitätsmängel. Boeing würde es bei der Massenfertigung seiner Flugzeuge vor allem auf Geschwindigkeit und Kosteneinsparungen ankommen. Die Sorgen der Manager würden nicht um Sicherheit kreisen, sondern darum, einen Zeitplan einzuhalten, so Barnett.

Boeing räumt in einer Stellungnahme zwar ein, im Jahr 2017 nicht korrekt entladene Sauerstoffflaschen eines Zulieferers identifiziert zu haben. Diese hätte man jedoch aus dem Verkehr gezogen und durch andere ersetzt. Barnetts Vorwürfe bestreitet das Unternehmen. Boeing teste vor Auslieferung jedes Sauerstoffsystem mehrfach, "um sicherzugehen, dass sie richtig funktionieren", heißt es seitens des Konzerns.

Der Flugzeughersteller war in den vergangenen Monaten mehrfach aufgrund von Fliegerabstürzen in die Schlagzeilen geraten. Am 29. Oktober 2018 war in Indonesien eine von der indonesischen Fluggesellschaft Lion Air betriebene Boeing-Maschine des Typs 737 Max abgestürzt. Ermittler hatten Konstruktionsfehler als Unglücksursache ausgemacht. Bei dem Absturz waren 189 Menschen gestorben. Im März dieses Jahres verunglückte eine 737 Max von Ethiopian Airlines. Von den 149 Passagieren und acht Crewmitgliedern überlebte niemand.

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