Götze: "Ich konnte mein Gesicht nicht mehr bewegen"

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Götze: "Ich konnte mein Gesicht nicht mehr bewegen"
Götze: "Ich konnte mein Gesicht nicht mehr bewegen"
Götze: "Ich konnte mein Gesicht nicht mehr bewegen"

Man hätte meinen können, Miroslav Klose streift sich noch einmal das Trikot des 1. FC Kaiserslautern über und wird gerade eingewechselt.

Die Zuschauer im Fritz-Walter-Stadion feierten ausgelassen die 2:0-Führung ihrer Mannschaft und dann brandete ohrenbetäubender Jubel auf, als Felix Götze vergangenen Samstag in der 85. Minute gegen den VfL Osnabrück ins Spiel kam. Nach rund sechs Wochen Verletzungspause schlossen ihn die Zuschauer sofort wieder bildlich in die Arme. (DATEN: Die Tabelle der 3.Liga)

Götze selbst hatte das offenbar nicht mitbekommen. „Mir war das gar nicht so bewusst, die Kollegen haben mir das dann erzählt, wie ich gefeiert wurde. Ich war einfach nur konzentriert, weil es nach meiner Verletzung die ersten Minuten wieder auf dem Platz waren“, sagte der 23-Jährige im Gespräch mit SPORT1. „Ich habe es dann noch mal im Fernsehen gesehen und war natürlich happy, dass anscheinend auch die Fans froh darüber waren, dass ich zurück bin.“

Schock! Haarriss im Schädel

Mitte August war es, als sich Götze im Spiel bei Viktoria Berlin so schwer verletzte, dass er sich dabei einen Haarriss im Schädel zuzog und einige Tage im Krankenhaus bleiben musste. Ein Schock, der auch bundesweit Mitgefühl auslöste. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der 3. Liga)

Die 0:4-Klatsche der Roten Teufel war nur noch Nebensache. „Die Verletzung war schon krass. Der erste Moment war ein Riesen-Schock, weil ich nicht reden konnte und auch mein Gesicht nicht mehr bewegen konnte. Ich hatte dann aber relativ schnell die Hoffnung, dass es nicht so schlimm sein wird“, erzählt der 23-Jährige.

Es sei dennoch „keine leichte Zeit“ gewesen, „auch mental wieder rein zu kommen. Im Training war ich in manchen Situationen noch etwas vorsichtiger, aber im Spiel gegen Osnabrück konnte ich das ausschalten“.

Geholfen hat ihm in der belastenden Zeit sein Bruder, der bei der PSV Eindhoven ähnlich erfolgreich ist wie Felix in der Pfalz. „Mario, viele Freunde und die Familie haben mich unterstützt in dieser schweren Zeit. Natürlich hat mich Mario aufbauen können“, berichtet der FCK-Profi. „Er ist mein Bruder und kennt mich besser als jeder Freund. Mario unterstützt mich immer und will natürlich, dass es mir gut geht. Wir sind regelmäßig in engem Austausch.“ (NEWS: Alle aktuellen Infos zur 3. Liga)

Und weiter: „Er ist auch stolz, dass es - abgesehen von der Verletzung - in Lautern so gut klappt für mich. Und er freut sich, wenn ich auf dem Platz stehen kann. Ich bin froh, dass wir uns haben. Und ich freue mich auch, dass es so gut läuft für ihn in Eindhoven.“

Götze wird zum Leistungsträger

Felix Götze kam in der Winterpause der vergangenen Saison per Leihe vom FC Augsburg an den Betzenberg. In der Folgezeit entwickelte er sich nach kurzen, verletzungsbedingten Anlaufschwierigkeiten zu einem Leistungsträger und Garanten für den Klassenerhalt. Kein Wunder also, dass die Verantwortlichen in der Sommerpause alles daran setzten, Götze erneut für eine Spielzeit auszuleihen. Dies gelang dann auch.

Und wieder war sie da, die altbekannte Euphorie in Kaiserslautern, die in der Vergangenheit dem Klub schon des Öfteren wie ein Klotz am Bein hing. Götze war irgendwie schnell drin in den Herzen der FCK-Fans. Wie Klose im April 2000, als er seinen ersten Einsatz für die Profis hatte.

Dem jüngeren Bruder von 2014er-Weltmeister Mario Götze ist der Hype um seine Person fast ein wenig peinlich. „Ich will kein Held sein. Wir haben das in der vergangenen Rückrunde als Team gut hinbekommen. Für mich lief es natürlich gut, weil es mir auch leicht gemacht wurde.“

Der gebürtige Dortmunder fügt hinzu: „Ich war glücklich darüber, wie gut ich aufgenommen wurde. Auch, wenn es anfangs schwer war, war es am Ende umso schöner, Teil dieses Erfolgs zu sein.“

„Gleich eine gute Verbindung zum FCK“

Wie erklärt er es sich, dass er in relativ kurzer Zeit zu einem Publikumsliebling geworden ist?

„Ich habe gleich eine gute Verbindung zum FCK gespürt, war einfach froh, nach meiner langen Verletzung in Augsburg endlich wieder spielen zu können. Und das kann ich hier“, meint Götze. Beim FCK könne er das machen, was er liebt. „Wenn man dann mit der Truppe gegen Widerstände kämpft und am Ende Erfolg hat, fühlt man sich einfach wohl.“

Eins ist ihm ganz wichtig und man nimmt es ihm ab. „Ich sehe mich überhaupt nicht als Star, das brauche ich auch nicht. Die Fans in Lautern wollen sehen, dass man alles gibt für den Klub. Ich zeige 100 Prozent Leidenschaft. Und das honorieren die Zuschauer.“

Doch Abheben gibt es bei ihm nicht. „Ich verliere aber den Blick für die Realität nicht aus den Augen. Ich spiele nur Fußball und bin ein Mensch wie jeder andere.“

Dritter Sieg in Folge?

Das will er am Samstag auch wieder von Beginn an, wenn der FCK bei Schlusslicht TSV Havelse (Dritte Liga: TSV Havelse - 1. FC Kaiserslautern, ab 14 Uhr im LIVETICKER) antreten muss. Dort will man den dritten Sieg in Folge. Zuletzt gab es sieben Punkte aus drei Spielen. Der Wendepunkt schien gegen Waldhof Mannheim passiert zu sein, als die Roten Teufel fast 50 Minuten mit neun Mann gegen elf ein 0:0 verteidigten.

„Wir hatten auch vor Waldhof einige gute Spiele, die wir leider nur nicht gewinnen konnten. Wir haben die beste Defensive der Liga und jetzt machen wir seit zwei Spielen vorne auch noch die Tore“, betont Götze. „Es läuft insgesamt besser. Havelse wird ein wichtiges Spiel. Wenn wir da auch gewinnen sollten, sieht die Gesamtsituation wieder positiv aus.“

Natürlich freut sich Götze, wenn am Samstagabend wieder eine Glückwunsch-WhatsApp auf seinem Handy ankommt. Doch er stellt klar: „Marios Meinung ist immer gut für mich, aber ich will als Felix Götze wahrgenommen werden und nicht nur als der Bruder von Mario Götze. Das versteht er auch.“

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