Flörschs Horror-Crash mit 275 km/h: "Für mich kein großes Ding"

Eric Engesser
Sport1

Fast auf den Tag genau ein Jahr ist es her, dass die gesamte Motorsport-Welt den Atem anhielt.


Beim Formel-3-Rennen in Macau kollidierte die deutsche Nachwuchspilotin Sophia Flörsch bei einer Geschwindigkeit von rund 275 km/h mit dem Boliden des Inders Jehan Daruvala und verlor die Kontrolle über das Fahrzeug. Von den Curbs ausgehebelt, durchschlug Flörschs Auto einen Begrenzungszaun und landete schließlich auf einem Podest für Fotografen.

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Die damals 17-Jährige erlitt eine Wirbelsäulenfraktur und musste einer siebenstündigen Operation unterzogen werden. Es ist ein kleines Wunder, dass sie sich komplett erholte und inzwischen schon wieder im Cockpit sitzt.

An diesem Wochenende kehrt Flörsch an den Ort des Geschehens zurück. Im SPORT1-Interview spricht sie über ihre Gefühle in Macau, blickt zurück auf den Weg zum Comeback - und erklärt, wie die den Unfall so schnell verarbeiten konnte.

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SPORT1: Frau Flörsch, die Bilder von ihrem schweren Unfall im vergangenen Jahr sind immer noch präsent. Wie fühlt es sich an, wieder am Ort des Geschehens zu sein?

Sophia Flörsch: Sehr gut, wenn ich ehrlich bin. Ja, der Unfall war sehr schlimm, aber ich bin froh, wieder zurück zu sein. Für mich war von Anfang an klar, dass ich wieder nach Macau zurück will. Das Rennen hier ist für jeden Formel-Fahrer ein Highlight. Dazu ist es Teil der Weltmeisterschaft.

SPORT1: Wie war das Gefühl in der Lisboa-Kurve, als Sie die ersten Runden gedreht haben?

Flörsch: Das erste Mal bin ich hinter dem Safety Car durch die Kurve, daher hatte ich da gerade einmal 80 km/h drauf. Aber auch unabhängig davon, war es wirklich kein Problem. Normalerweise kommt man mit dem Auto viel schneller da an - vor allem, wenn das DRS offen ist. Aber es war mega-geil, ein Kribbeln am ganzen Körper.

Aufhören kam nie in Frage

SPORT1: Wann war für Sie klar, dass Sie hier wieder an den Start gehen wollen?

Flörsch: Für mich war eigentlich von Anfang an klar, dass ich wieder zurück will. Die Frage hat sich für mich gar nicht gestellt, weil es die Formel-3-Weltmeisterschaft ist. Dass es dieses Jahr schon klappt, hätte ich gar nicht gedacht unter der Saison. Es ist dann auch alles relativ kurzfristig gekommen. Aber ich bin froh, dass ich jetzt hier bin.


SPORT1: Wie haben Sie das Erlebnis so schnell wegstecken können? Sie waren ja lange Zeit im Krankenhaus, auch vor Ort in Macau ...

Flörsch: In meinem Auto hat sich der Unfall anders angefühlt. Wenn ich das Video des Unfalls sehe, kann ich gar nicht glauben, dass ich das bin. Für mich war es eher ein ganz normaler Unfall, bei dem ich eben im Krankenhaus gelandet bin. Aber die Leute haben sich so gut um mich gekümmert, die Ärzte haben einen tollen Job gemacht. Auch alle anderen Unfallbeteiligten, die Marshalls und die Fotografen, sind ja relativ schnell wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden und hatten zum Glück keine schweren Verletzungen. Daher war es für mich klar, dass ich zurückkomme und habe das Ganze nicht als so schlimm empfunden. Es hat dann etwas länger gedauert. Ich saß erst im März wieder im Auto, weil ja auch noch die Winterpause dazwischen war. Aber als es so weit war, war ich happy.

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SPORT1: Ihr Unfall hat Ihnen ungewollt eine Menge Popularität beschert, gerade hier herrscht jetzt ein großes Medieninteresse an Ihnen. Wie fühlt sich das an?

Flörsch: Ich bin letztes Jahr nicht nach Macau gekommen, um mit dieser Popularität wieder wegzugehen - und wenn, dann eher wegen des sportlichen Erfolges und nicht wegen so eines doofen Unfalls. Aber ja, das Video ist schlimm und daher verstehe ich, dass es jeden interessiert. Natürlich ist daher auch das Comeback eine Story und jeder fragt sich, wie ich das so schnell wegstecken konnte. Aber für mich war es kein großes Ding. Ich wusste eben, dass ich dieses Jahr oder spätestens nächstes Jahr wieder hier sein werde.

In Macau mit neuem Auto

SPORT1: Sie gehen jetzt hier mit einem neuen Team an den Start, das Qualifying war etwas schwierig. Wie zufrieden sind Sie mit der Performance bisher?

Flörsch: Die Startposition lässt noch etwas Luft nach vorne. Da ist man als Rennfahrer nie ganz zufrieden. Als Rennfahrer will man immer vorne stehen. Aber ich glaube, mit dem Erfahrungsschatz, den ich mit dem Auto habe - und das ist gerade einmal ein Trainingstag im Nassen - kann ich mit der Leistung zufrieden sein. Ich bin mit dem Plan nach Macau gekommen, mich auf das nächste Jahr vorzubereiten und daher dieses Rennen als Training zu nutzen. Macau ist jetzt auch nicht die leichteste Strecke, um in ein neues Auto zu steigen. Aber solange es besser wird mit dem Auto und der Teamzusammenarbeit, und auch sie mit mir zufrieden sind, ist alles gut.


SPORT1: Was wäre für Sie ein gutes Ergebnis im Rennen?

Flörsch: Macau hat immer sehr viel mit Glück und Pech zu tun. Es wird relativ interessant werden, wenn sich 30 Autos in der ersten Runde in der Lisboa treffen. Mein Ziel ist es, durchzukommen - und dann wird man sehen, wofür es gereicht hat und ob ich damit zufrieden bin oder nicht.

Macau als zweiter Geburtsort

SPORT1: Ihre Eltern sind auch hier. Wie wichtig ist diese Unterstützung bei einem Rennen mit so einer Vorgeschichte?

Flörsch: Ich bin super-happy, dass sie mit dabei sind. Letztes Jahr war nur mein Papa mit vor Ort. Es ist schön, sie dabei zu haben, und ihnen auch mal Macau zeigen zu können, was ja irgendwie nun auch mein zweiter Geburtsort ist.

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SPORT1: Zum Schluss ein Blick nach vorne: Wie geht es nächstes Jahr für Sie weiter?

Flörsch: Der Plan ist es, die FIA Formel 3 zu fahren. Das hängt bei mir aber auch immer ein bisschen von Budget und Sponsoren ab. Aber es sieht ganz gut aus und ich werde alles dafür tun.

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