Flaggenstreit: Eine dünne blaue Linie spaltet die USA

Moritz PiehlerFreier Autor
Hier posieren Polizisten aus dem US-Bundesstaat Maryland mit der umstrittenen Holzflagge, die die blaue Linie zeigt. (Bild: Montgomery County Department of Police/Twitter)
Hier posieren Polizisten aus dem US-Bundesstaat Maryland mit der umstrittenen Holzflagge, die die blaue Linie zeigt. (Bild: Montgomery County Department of Police/Twitter)

Eine Geste der Dankbarkeit wird zum Politikum. Dabei geht es um eine Holzflagge, eine dünne blaue Linie und um die Frage: Welche Symbolik ist für staatliche Organe in den USA angemessen?

In den USA ist es im aufgeladenen politischen Diskurs schwierig, mit einer symbolischen Aktion nicht in ein Fettnäpfchen zu treten. Besonders gilt das im Zusammenhang mit der Polizei, der immer wieder übermäßige Gewalt und rassistische Vorgehensweisen vorgeworfen werden. So erging es jetzt auch einer Polizeiwache im US-Bundesstaat Maryland. Ein kleiner hatte den Beamten eine aus Holz gefertigte amerikanische Flagge geschenkt, auf der einer der Streifen blau ist, ein Symbol für die “thin blue line”, als die sich die Polizei gerne selbst inszeniert.

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Die “dünne blaue Linie” ist sprichwörtlich die Schutzreihe der Polizei, mit der sie den Rest der Gesellschaft vor Chaos bewahrt. Der Begriff kommt aus der Militärhistorie und bezog sich ursprünglich als “thin red line” auf die britischen Streitkräfte im Krim-Krieg von 1854. In den USA wurde der Begriff “thin blue line” durch ein gleichnamiges Gedicht des Poeten Nels Dickmann Anderson von 1911 bekannt. Auch hier bezog er sich zunächst auf die blauen Uniformen der US-Armee. Spätestens ab den Sechziger Jahren wurde er aber auf die Polizei umgemünzt. Seitdem wird sie gerne benutzt, um das Vorgehen der Polizei zu rechtfertigen.

In den vergangenen Jahren entstand zudem eine Gegenbewegung zu der Bürgerrechtsbewegung “Black Lives Matter”, die sich gegen rassistische Polizeigewalt engagiert. Die Unterstützer der Polizei sammeln sich unter dem Begriff “Blue Lives Matter”. Für viele Opfer von Polizeigewalt eine Verhöhnung und eine Form der Provokation, für die auch die blaue Linie steht.

Deshalb war das Symbol auch Marc Elrich, County Executive des zuständigen Montgomery Bezirks zu provokativ. Er ordnete an, die Holzflagge wieder zu entfernen. Dabei nannte er das Symbol “polarisierend”. In einer offiziellen Stellungnahme erklärte Elrich seine Entscheidung: “Die Flagge symbolisiert Unterstützung für einige aber für andere Menschen ist sie herabsetzend.” Deshalb werde sie an keinem öffentlichen Ort in seinem Bezirk zur Schau gestellt.

Wie recht er mit der Einschätzung hatte, die Flagge sei kontrovers, zeigte sich direkt im Anschluss. Sein oberster Vorgesetzter, der republikanische Gouverneur von Maryland hatte offensichtlich eine andere Meinung. Gouverneur Larry Hogan postete Bilder von sich mit ähnlichen Flaggen mit dem Kommentar: “Wir sind stolz, diese ‘Thin Blue Line’-Flaggen im Regierungsgebäude aufzuhängen um unsere tapferen Polizisten zu ehren.” Dazu nannte er Elrichs Entscheidung, die Flagge nicht zu zeigen “beschämend”.

Elrich reagierte auf die Replik des Gouverneurs gelassen. Gegenüber dem TV-Sender Fox 5 sagte er: “Er hat das Recht auf seine eigene Meinung aber ich stimme ihm nicht zu.” Der Disput um die Flagge zeigt aber einmal mehr, wie schnell in der aufgeheizten politischen Stimmung in Trumps USA aus Bagatellen ideologische Debatten werden können.

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