Darum floh Höjbjerg vor dem Champions-League-Pokal

Florian Plettenberg
Sport1

Stück für Stück wollte der FC Bayern Pierre-Emile Höjbjerg aufbauen, als das dänische Supertalent im Juli 2012 mit 16 Jahren von Bröndby IF nach München gewechselt war.

Die Entwicklung ging bei dem hoch veranlagten Mittelfeldspieler allerdings derart schnell, dass er sich nur ein halbes Jahr später bei den Profis im Wintertrainingslager in Katar zeigen durfte.  

"Jupp Heynckes kam in Katar zu mir und sagte auf Deutsch: 'Es ist Gold wert, jeden Tag mit der ersten Mannschaft zu trainieren. Solange ich hier bin, wirst du ab jetzt jeden Tag bei uns trainieren.' Für mich war das ein großer Schritt", erinnert sich Höjbjerg im Gespräch mit SPORT1 zurück. 

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In seinem ersten Jahr beim FC Bayern sollte der Däne ursprünglich in der U19 spielen, im zweiten Jahr bei den Amateuren "und im dritten Jahr wollten sie, dass ich zu den Profis gehe", erklärt Höjbjerg. Doch es kommt anders.  

Höjbjerg fühlt sich nicht als Triple-Sieger

In der Saison 2012/13 absolviert er bereits 30 Pflichtspiele in der Regionalliga Bayern. Unter der Regie von Trainer Mehmet Scholl gelingen ihm acht Tore und ein Assist. Für die U19 läuft er hingegen nur ein einziges Mal auf.

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Heynckes belohnt das junge Talent mit einem Kaderplatz am 26. Spieltag gegen Bayer Leverkusen. Seine ersten 19 Bundesliga-Minuten sammelt er drei Spieltage später gegen den 1. FC Nürnberg. Auch gegen Borussia Dortmund wird er eingewechselt.  

So früh zu debütieren macht Höjbjerg stolz. "Hätte man mir das vor meinem Wechsel gesagt, hätte ich gesagt: 'Keine Chance, ich glaube nicht, dass ich es so schnell schaffen kann.' Als ich aus Dänemark kam, war ich gut, aber nicht überragend", sagt er.  


Höjbjerg bleibt im Blickfeld von Heynckes und feiert am Ende der Saison mit den Münchnern den Gewinn der Meisterschaft, des DFB-Pokals und der Champions League. Aber fühlt er sich auch als Triple-Sieger? "Nein. Ich war damals aber sehr glücklich, dass ich überhaupt im Kader sein durfte", stellt Höjbjerg klar.

Kein Kontakt mit der CL-Trophäe

Der heute 24-Jährige ist seinerzeit trotzdem ein Bestandteil der Mannschaft, weshalb er nach dem Champions-League-Triumph gegen Dortmund (2:1) in London mitfeiern darf. Aus Sicht von Höjbjerg geschieht dann etwas, was ihn bis heute motiviert. 

"Nach dem Sieg gegen Dortmund saßen wir im Bus. Alle sangen, wir hörten Musik, es war eine fantastische Atmosphäre", schildert er seine Erlebnisse.


"Irgendwann wurde die Champions-League-Trophäe im Bus rumgereicht. Irgendjemand wollte, dass ich den Pokal kurz halte, weil er sich was zu essen holen wollte. Ich habe ihm gesagt: 'Ich will diesen Pokal nicht berühren. Ich möchte ihn selbst gewinnen.' Also habe ich ihn nicht berührt und mich weggesetzt. Ich habe die Trophäe den ganzen Abend nicht angefasst. Die Champions League zu gewinnen ist mein allergrößter Traum. Allerdings als ein bedeutender Teil der Mannschaft."

Ein Traum, nach dem er noch immer lechzt und den er bis heute nie aus den Augen verloren hat. Bei seinem aktuellen Verein FC Southampton ist er zum Kapitän und Stammspieler gereift. Da sein Vertrag 2021 ausläuft und er zudem die Premier League gewinnen will, ist ein Wechsel des dänischen Mittelfeldspielers zu einem der Top-5-Vereine in England wahrscheinlich.  

Höjbjerg kommt zu spät zum Meeting

Vielleicht sogar zu Pep Guardiola? Unter dem Katalanen debütierte Höjbjerg im Dezember 2013 im DFB-Pokal. In der 86. Minute wechselte ihn Guardiola, aktuell Trainer von Manchester City, beim 2:0-Erfolg gegen den FC Augsburg ein. 

"Aber ich dachte, daraus wird nichts", berichtet Höjbjerg von einer weiteren Anekdote, die ihn prägen sollte. "Am Spieltag hatte ich mir Zeit genommen, um nachzudenken, und sah irgendwann auf meiner Uhr, dass es nur noch drei Minuten bis zum Team-Meeting im Hotel waren. Als junger Spieler sollte man aber mindestens fünf Minuten früher da sein, sonst bekam man von Hermann Gerland (damaliger Co-Trainer von Guardiola, Anm. d. Red.) eine Ansage", betont Höjbjerg.


"Ich bin zum Lift geeilt und dachte mir nur: 'Komme ich jetzt zu spät, bekomme ich meine Spielzeit nicht.' Dabei habe ich am Abend zuvor meiner Familie geschrieben, dass mich Pep vielleicht mit auf die Bank nehmen wird. Ich bin mit meiner Tasche zum Meeting gesprintet und kam zu spät. Alle saßen dort und haben nur auf mich, den 18-Jährigen, gewartet. Ich dachte, dass ich jetzt erledigt bin und nach Hause fahren kann. Im Spiel wechselte er mich aber für Kroos ein und ich verstand, dass er mich dafür belohnt hatte, dass ich über einen längeren Zeitraum hart trainiert habe."

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