Formel 1 2021 in Saudi-Arabien: Das sagen Fahrer und Teamchefs

Juliane Ziegengeist
·Lesedauer: 4 Min.

Noch bevor die Formel 1 voraussichtlich schon nächste Saison in Saudi-Arabien gastiert, hagelt es Kritik am geplanten Grand Prix im Nahen Osten. Amnesty International spricht von "Sportswashing": Das Land wolle sein Image aufpolieren, um von Menschenrechtsverletzungen vor Ort abzulenken.

Saudi-Arabien zählt bis heute zu den Ländern mit den meisten Hinrichtungen weltweit. Laut Amnesty sind Foltermethoden in Gefängnissen an der Tagesordnung, Frauen werden systematisch diskriminiert, Menschenrechtsverteidiger verfolgt und eingeschüchtert. Die Liste der angeprangerten Missstände ist lang.

Sollte die Formel 1 dort also überhaupt fahren? Darauf angesprochen äußern sich Piloten und Teamchefs diplomatisch. "Ich weiß nicht wirklich genug darüber, um das besonders zu kommentieren", sagt etwa Weltmeister Lewis Hamilton.

Hamilton: "Sport hat die Macht, die Welt zu verändern"

"Ich würde gerne mehr darüber wissen. Ehrlich gesagt weiß ich nicht genug über die Menschenrechtslage in Saudi-Arabien. Ich habe einige Freunde, die dorthin fahren und mir sagen, dass es ein beeindruckender Ort ist. Aber ich denke, es ist wichtig, dass ich, bevor ich mich wirklich dazu äußere, genau weiß, worum es geht."

So oder so glaubt Hamilton aber, dass der Sport etwas Positives bewegen könne: "Ich glaube, Nelson Mandela hat vor vielen Jahren gesagt, dass der Sport die Macht hat, die Welt zum Besseren zu verändern. Und ich denke, wir haben bereits die positiven Veränderungen gesehen, denen wir uns als Sport in diesem Jahr verschrieben haben."

Damit spricht der Mercedes-Pilot unter anderem das stärkere Engagement für mehr Gleichberechtigung und Inklusivität an. Er selbst rief dafür eigens die Hamilton-Kommission ins Leben. Die Formel 1 startete eine Initiative namens "We Race As One".

Wolff sieht die Formel E in Riad als positives Beispiel

"Ich denke, das zeigt, dass dieser Sport - wie viele andere Sportarten auch - eine starke Plattform ist, um Veränderungen zu initiieren", sagt Hamilton. Er weiß aber auch: "Wir hinterlassen keine lang anhaltende positive Wirkung an diesen Orten. Die Frage ist: Können wir das? Können wir dazu beitragen, die Aufmerksamkeit auf bestimmte Themen zu lenken und sie zur Veränderung zu bewegen?"

Hamilton, Wolff und Bottas (v.l.) hoffen auf positive Effekte des Sports vor Ort

Hamilton, Wolff und Bottas (v.l.) hoffen auf positive Effekte des Sports vor Ort<span class="copyright">Motorsport Images</span>
Hamilton, Wolff und Bottas (v.l.) hoffen auf positive Effekte des Sports vor OrtMotorsport Images

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Die Hoffnung, dass das möglich ist, äußern auch sein Teamkollege Valtteri Bottas und Mercedes-Teamchef Toto Wolff. "Ich glaube, wie Lewis sagte, dass wir mit unserem Sport einen positiven Einfluss auf die Dinge ausüben können. Das ist die Hauptsache. Wir müssen einen positiven Einfluss auf die Orte haben, an die wir gehen", sagt Bottas.

Und Wolff bekräftigt: "Ich denke, der Sport sollte vereinen. Sport sollte helfen, uns an einen besseren Ort zu bringen." In dem Zusammenhang hebt er die Formel-E-Veranstaltung in Ad Diriyah nahe der Hauptstadt Riad als positives Beispiel hervor.

Auch Binotto baut auf positive Signale des Sports

"Ich war für die Formel E in Riad. Ich glaube, es war vor einem Jahr, und ich war beeindruckt von den Veränderungen, die ich gesehen habe. Sicher weiß man als Besucher nie, wie die Dinge laufen. Aber von dem, was ich persönlich gesehen habe, kann ich nur sagen, dass es eine großartige Veranstaltung ohne jede Trennung war, mit Frauen und Männer am selben Ort, die gemeinsam den Sport genießen."

Zudem müsse man ja irgendwo ansetzen, um etwas zu bewegen, betont Wolff weiter. "Was ich gesehen habe, ist, dass es irgendwo angefangen hat, und ich glaube, dass wir alles tun sollten, was wir können, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen."

Diesen Standpunkt vertritt auch sein Teamchef-Kollege von Ferrari, Mattia Binotto: "Ich denke, dass Sport, wer immer ihn betreibt und wo immer er gastiert, stets positiv ist und eine positive Botschaft verbreitet. So sollten wir das sehen." Seine Fahrer Sebastian Vettel und Charles Leclerc tun sich mit einer Einschätzung derweil schwer.

Horner: Entscheidung liegt bei Formel-1-Chefetage

"Fairerweise muss ich zugeben, dass ich nicht wirklich etwas sagen kann, weil ich nicht wirklich genug weiß", äußert sich Vettel zu einem Grand Prix in Saudi-Arabien. "Wir haben das Thema intern schon ein wenig gestreift, aber ich ziehe es vor, nichts zu sagen, weil ich noch nicht genug Wissen habe, um mich wirklich dazu zu äußern."

Das Ferrari-Duo Leclerc und Vettel (v.l.) will kein vorschnelles Urteil fallen

Das Ferrari-Duo Leclerc und Vettel (v.l.) will kein vorschnelles Urteil fallen<span class="copyright">Motorsport Images</span>
Das Ferrari-Duo Leclerc und Vettel (v.l.) will kein vorschnelles Urteil fallenMotorsport Images

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Ähnlich hält es Leclerc, der die Verantwortung ohnehin bei den Führungskräften der Formel 1 sieht: "Ich weiß es auch nicht, um ehrlich zu sein. Die Formel 1 wird die Entscheidung treffen, und dann war's das."

Darauf vertraut auch Christian Horner von Red Bull. "Wenn wir uns für eine Weltmeisterschaft anmelden, diktieren wir nicht, wo es im Kalender hingeht", betont der Brite. "Wir vertrauen darauf, dass der Inhaber der kommerziellen Rechte, auch der Dachverband, die notwendigen Nachforschungen angestellt hat und die Entscheidungen trifft, die für die Interessen des Sports richtig sind."

"Wir sind keine politische Organisation", sagt Horner weiter. "Sport sollte nie als politisch angesehen werden. Deshalb vertrauen wir darauf, dass sie die richtigen Entscheidungen treffen. Und wo auch immer sie sich für Rennen entscheiden, werden wir dabei sein und unser Bestes tun, um so gut wie möglich abzuschneiden."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.