Formel-1-Experten: Honda-Deal für 2018 hätte Williams retten können

Ruben Zimmermann
motorsport.com

2019 erlebte Williams die wohl schwierigste Saison seiner langen Formel-1-Geschichte. Mit lediglich einem WM-Zähler schloss das Traditionsteam die Weltmeisterschaft als Zehnter und Letzter ab. Das schlechte Abschneiden war dabei keinesfalls ein Ausreißer sondern spiegelte den Negativtrend wider, der sich bereits seit Jahren abzeichnete.

Beendete Williams die Saison 2014 noch mit 320 Punkten als WM-Dritter, waren es in den Jahren danach noch 257, 138, 83, sieben und eben zuletzt nur noch ein magerer Zähler. Vor allem der Absturz nach der Saison 2017 war besorgniserregend. War man ihm Vorjahr noch WM-Fünfter geworden, war es 2018 - wie auch ein Jahr später - der letzte Rang.

Die TV-Experten Martin Brundle und Karun Chandhok glauben, dass Williams im Jahr 2017 einen entscheidenden Fehler gemacht hat, als man sich gegen einen Wechsel von Mercedes zu Honda entschied. "Ich denke, Williams hatte zwei Wege zur Auswahl - und sie haben sich für keinen davon entschieden", erklärt Brundle bei 'Sky'.

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Williams erteilte damals klare Absage

Option A sei damals eine noch engere Kooperation mit Mercedes gewesen, wie sie Racing Point aktuell habe. Option B sei ein Wechsel zu Honda gewesen, womit man quasi zum Werksteam der Japaner geworden wäre. Honda trennte sich nach der Saison 2017 von McLaren und ging schließlich eine neue Partnerschaft mit Red Bull ein.

2018 belieferte man zunächst Toro Rosso mit Motoren, ab 2019 dann auch das A-Team der Bullen. "Öffentlich werden sie das vermutlich nie sagen, aber wenn sie darüber sprechen, was sie zuletzt anders hätten machen können, dann denke ich, dass sie den Honda-Deal vielleicht aktiver hätten verfolgen sollen", glaubt Chandhok.

Die stellvertretende Teamchefin Claire Williams sprach sich damals klar gegen einen Wechsel aus. Man wolle Mercedes nicht verlassen und schon gar nicht "zugunsten eines Antriebs, der noch nicht mal wettbewerbsfähig ist", so Williams damals gegenüber 'talkSPORT 2'. Tatsächlich war Mercedes zu der Zeit deutlich stärker als Honda.

Zu Beginn der Hybridära war der Mercedes-Motor der überlegene Antrieb im Feld. Auch deshalb wurde Williams 2014 und 2015 zweimal WM-Dritter. Honda auf der anderen Seite erlebte mit McLaren ein PR-Desaster nach dem nächsten. Dank der neuen Partnerschaft mit Red Bull ging es bei den Japanern dann allerdings deutlich aufwärts.

Wäre mit Honda der Aufschwung gekommen?

"Hinterher ist man immer schlauer. Aber man fragt sich schon, ob die Kombination aus Williams und Honda das geschafft hätte, was jetzt bei Red Bull passiert", so Chandhok, der zudem daran erinnert, dass der Deal für Williams auch finanziell eine Erleichterung gewesen wäre, weil Honda eine Menge Geld in das Formel-1-Projekt steckt.

"Es wurden in den vergangenen Wochen so viele Artikel darüber geschrieben, welche Dinge Williams [in der Vergangenheit] anders hätte machen können und sollen", sagt Chandhok und verrät, dass das bereits beim Abgang von Adrian Newey in den 1990ern begonnen und sich über das Ende der BMW-Partnerschaft in den 2000ern gezogen hätte.

"Aber das ist schon lange her", erinnert er. Und in jüngerer Vergangenheit sei vor allem der verpasste Honda-Deal die größte ausgelassene Chance gewesen. Brundle verrät derweil: "Bernie [Ecclestone] hat mich an meinem Geburtstag angerufen und mir verraten, dass er vor zwei oder drei Jahren einen sehr guten Käufer für Williams gehabt hätte."

"Aber ich verstehe, warum Claire und die Familie [damals] nicht verkaufen wollten", so Brundle, der erklärt, dass man das Ziel gehabt habe, es selbst aus der sportlichen und finanziellen Krise zu schaffen. "Ich fürchte allerdings, sie sind ein Opfer der Umstände geworden", so Brundle.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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