Formel-1-Motoren 2020: Das steckt hinter dem Vorstoß der FIA

Jonathan Noble
motorsport.com

In der vergangenen Woche gingen bei den Formel-1-Teams gleich vier Technische Direktiven der FIA ein. Diese beziehen sich allesamt auf den Antrieb, und sofort wurde spekuliert, wie es zu diesem umfangreichen Vorstoß gekommen ist. Viele vermuteten, es habe etwas mit der mysteriösen Einigung zwischen der FIA und Ferrari im Hinblick auf den 2019er-Motor der Scuderia zu tun.

Die neuen Richtlinien wurden auch deshalb mit Maranello in Verbindung gebracht, weil der Deal mit der FIA unter anderem die zukünftige Unterstützung von Ferrari bei der Überwachung der Power-Units beinhaltete. Gleichzeitig beziehen sich die Richtlinien aber auch genau auf die Sachen, die die Ferrari-Rivalen Mercedes und Red Bull im vergangenen Jahr gefordert hatten.

Die Realität ist vermutlich, dass von beiden Seiten etwas drinsteckt. Der Vorstoß der FIA hat damit zu tun, dass der Verband bei den Motoren alles mögliche tun will, um dafür zu sorgen, dass sich die Teams bis ins kleinste Detail an die Regeln halten. Die Formel 1 möchte sicherstellen, dass es sich die Verdächtigungen und Anschuldigungen aus dem vergangenen Jahr nicht wiederholen werden.

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Neue Richtlinien: Vor- statt Nachsorge

Es handelt sich bei den Richtlinien daher eher um Klarstellungen, die in Zusammenarbeit mit den Teams erstellt wurden. Es geht darum, Schlupflöcher zu schließen, die nach Ansicht der Teams offenbar noch existierten. Dabei handelt es sich um theoretische Dinge und nicht um konkrete Tricksereien, die Teams in Vergangenheit möglicherweise bereits betrieben haben könnten.

Der FIA ging es einfach darum, dass man den bereits vorhandenen Prüfungen, Sensoren, Messungen und Systemen vertrauen kann. Die Technischen Direktiven beziehen sich dabei auf vier getrennte Bereiche: die Energierückgewinnungssysteme (ERS), den Ölverbrauch, die Druck- und Temperatursensoren und die Messungen beim Spritverbrauch.

TD/018-20 befasst sich mit der Überwachung von Leistung und Energie des ERS und bestätigt bereits zuvor diskutierte Pläne über einen neuen Sensor, der für die Messung der ERS-Power angebracht wird. Der Plan sieht es vor, dass die drei Topteams ihn zu Beginn der Saison verwenden, die anderen Rennställe sollen später im Jahr nachziehen.

Neu ist dabei allerdings die Limitierung der Frequenz, in der die Teams Leistung abrufen können. Damit soll verhindert werden, dass die Teams regelmäßig plötzliche Änderungen der Power-Level vornehmen können. Das könnte nämlich dazu führen, dass die Messungen der FIA-Sensoren verzerrt werden.

Motoren 2020 besonders im Blickpunkt

In TD/019-20 geht es um den Ölverbrauch. Da ist in diesem Jahr ein neues Limit von 0,3 Litern auf 100 Kilometern vorgeschrieben. Hier stellt die FIA klar, wie die Ölmessungen vorgenommen werden, um das akkurateste Ergebnis zu erzielen. Außerdem soll sichergestellt werden, dass die Teams kein zusätzliches Öl hinzufügen oder Schmiermittel einsetzen können, um Chemikalien in den Sprit zu transportieren.

TD/020-20 liefert Informationen über die Benzindurchfluss- und die Druck- und Temperatursensoren. So möchte man den Teams Klarheit darüber vermitteln, wie die Messungen vorgenommen werden.

Schließlich gibt es noch TD/021-20, die sich auf den Spritverbrauch bezieht. Hier wurde bei der Methodik nachgebessert, die die FIA nach den Erfahrungen aus dem Vorjahr einsetzen wird. Damals sorgte Ferrari vor dem Großen Preis von Abu Dhabi für eine Kontroverse, weil am Auto von Charles Leclerc mehr Benzin als angegeben gefunden worden war.

Bei allen vier Technischen Direktiven handelt es sich lediglich um Kleinigkeiten, und keine davon bezieht sich spezifisch auf etwas, das ein Team in der Vergangenheit getan haben könnte. Stattdessen hat die FIA ein klares Statement abgegeben, dass man 2020 ganz genau darauf schauen wird, was die Teams in diesem Jahr mit ihren Motoren anstellen.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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