Als die Formel 1 ihre Seele verlor

Sportinformationsdienst
Sport1

Über der berühmten Hafenpromenade von Monte Carlo lag ein unsichtbarer Schleier, der Glamour-Grand-Prix im Fürstentum Monaco hatte 2019 vor dem ersten Aufheulen der Motoren jede Leichtigkeit eingebüßt. Während die Aufbauarbeiten im Fahrerlager liefen und die Protagonisten an die Cote d'Azur reisten, verlor einer von ihnen seinen letzten Kampf.

Niki Lauda, dreimaliger Formel-1-Weltmeister und Team-Aufsichtsratschef von Mercedes, verstarb am Abend des 20. Mai im Alter von 70 Jahren in einem Zürcher Krankenhaus.


Scrollen, um mit dem Inhalt fortzufahren
Anzeige

"Es gibt keine Todesursache. Es war ein langer Prozess, an dessen Ende der Patient gegangen ist", sagte Laudas behandelnder Arzt Walter Klepetko. Das österreichische Idol hatte neun Monate gegen den Tod gekämpft, die Nachricht traf den PS-Zirkus dennoch wie ein Blitz.

Jetzt aktuelle Fanartikel zur Formel 1 kaufen - hier geht's zum Shop | ANZEIGE 

Wolff und Hamilton in tiefer Trauer

"Wir haben Herz und Seele der Formel 1 verloren", sagte Mercedes-Motorsportchef und Lauda-Freund Toto Wolff: "Niki war unser Schutzschild, unser Dampfmacher. Und mein Freund." Weltmeister Lewis Hamilton, vom charismatischen Österreicher zur Saison 2013 als abschließender Mosaikstein ins Team geholt, trauerte um "ein Licht in meinem Leben".

Das Rennwochenende stand entsprechend ganz im Zeichen der Ikone, die letztmals im Juli 2018 in Silverstone an der Strecke weilte. Nach einer Entzündung seiner vorgeschädigten Lunge musste sich Lauda im August einer Transplantation beider Flügel unterziehen.


Kurzzeitig sah es aus, als würde sich das Stehaufmännchen ein weiteres Mal berappeln, dann aber wurde sein Zustand im Frühjahr 2019 extrem kritisch.

Berger erinnert sich an Lauda

Alles begann ein Jahr zuvor, beim Monaco-Rennen 2018 kämpfte Lauda mit einer Infektion.

Der frühere Formel-1-Star Gerhard Berger erinnert sich in der neuen Lauda-Biographie "Es ist nicht einfach, perfekt zu sein" von Maurice Hamilton: "Man brachte Niki ins Krankenhaus, gab ihm Antibiotika und Spritzen und kümmerte sich um ihn. Am nächsten Morgen ging ich durchs Fahrerlager und sah Niki in einer Ecke im Schatten stehen. 'Niki! Du bist verrückt! Was machst du hier?' 'Nein, nein', entgegnete er. 'So ist es besser, ich muss arbeiten.' Was soll man so einem Menschen sagen? Das war typisch Niki."


Vettel gedachte Lauda

Ein Jahr später war Lauda nicht mehr da und zugleich gegenwärtiger denn je. Jedes Team versah seine Boliden beim Monaco-Rennen mit einer Hommage an den großen Kämpfer, der am 1. August 1976 auf dem Nürburgring bei einem Feuerunfall um ein Haar sein Leben gelassen hatte und nur 42 Tage später sein Renncomeback gab.


Hamilton und auch Ferrari-Star Sebastian Vettel fuhren mit Helmen im klassischen Lauda-Design, die Motorabdeckung der Mercedes-Silberpfeile ziert seit Laudas Tod ein roter Stern - in Anlehnung an dessen Markenzeichen, das leuchtend rote "Kapperl".

Die Trauerfeier am 29. Mai im Wiener Stephansdom kam einem Staatsbegräbnis gleich.

Lesen Sie auch