Formel-1-Strafpunkte 2020: Sebastian Vettel vom bösen Buben zum Heiligen

Norman Fischer
·Lesedauer: 3 Min.

Vom bösen Buben zum Heiligen: Sebastian Vettel hat 2020 auf der Strecke eine enorme Wandlung durchgemacht - zumindest, wenn es um die Strafpunkte geht. Im Vorjahr hatte der Deutsche die Wertung mit sieben Punkten noch "gewonnen", in der abgelaufenen Saison holte er jedoch keinen einzigen Punkt mehr.

Anführer der Strafpunkte-Tabelle ist 2020 der geschasste Red-Bull-Pilot Alexander Albon, der als einziger Fahrer sieben Zähler anhäufen konnte. In Silverstone (Kollision mit Magnussen), Monza (Abdrängen von Grosjean), Sotschi (Poller falsch umfahren) und am Nürburgring (Kollision mit Kwjat) fasste er jeweils eine Strafe auf.

Eigentlich wäre aber Weltmeister Lewis Hamilton Spitzenreiter der Wertung gewesen, wenn die Rennkommissare dem Mercedes-Piloten nicht seine beiden Punkte in Sotschi gestrichen hätten. Ursprünglich hatte Hamilton für seine beiden Probestarts am Ende der Boxengasse zwei Strafpunkte bekommen, die ihn nah an eine Rennsperre gebracht hätten.

So belegt Hamilton mit sechs Punkten aber nur den zweiten Rang, den er sich mit George Russell (Williams) teilen muss. Hamilton hatte sich bereits vier davon beim Saisonauftakt in Spielberg eingehandelt, als er zunächst unter Gelb nicht ausreichend verlangsamt hatte und später mit Albon kollidiert war.

Alle vier Briten ganz vorne

Auch seine beiden anderen Punkte waren Stoff für Diskussionen: Die bekam er in Monza, als er in die Boxengasse fuhr, die jedoch wegen Kevin Magnussens Haas in der Einfahrt geschlossen war. Die dazugehörige Strafe hatte ihm den Sieg in Italien gekostet.

George Russell langte in diesem Jahr nur zweimal hin, dafür aber kräftig: Jeweils drei Punkte gab es in Silverstone und Istanbul, als er gelbe und sogar doppelt gelbe Flaggen missachtet hatte.

Auffällig: Großbritannien scheint in diesem Jahr die Rüpel-Nation gewesen zu sein, denn mit Lando Norris sammelte auch der vierte Brite (Albon wurde in Großbritannien geboren und besitzt auch einen britischen Pass) mindestens fünf Punkte, womit alle Fahrer von der Insel an der Spitze der Wertung stehen - abgesehen von Williams-Ersatzmann Jack Aitken.

Acht Fahrer ohne Punkte

Dafür ist die Liste der straffreien Piloten 2020 deutlich länger geworden. Waren in der Vorsaison nur zwei Fahrer ohne Eintrag in das Sündenregister geblieben, so sind es diesmal deren acht. Dazu gehört auch Valtteri Bottas (Mercedes), der schon 2019 ohne Punkt geblieben war und somit das zweite Jahr in Folge eine weiße Weste hat.

Außerdem ohne Punkt: Sebastian Vettel (Ferrari), Max Verstappen (Red Bull), Pierre Gasly (AlphaTauri), Nicholas Latifi (Williams), Nico Hülkenberg (Racing Point), Pietro Fittipaldi (Haas) und Jack Aitken (Williams).

Die aktuellen Punkte werden mit in die neue Saison genommen und verfallen nach genau einem Jahr. Unmittelbar von einer Sperre bedroht, ist kein Fahrer, denn die erfolgt erst bei zwölf Punkten. Allerdings müssen die Piloten aufpassen: Weil der Saisonbeginn 2020 so spät war, verfallen die ersten Punkte erst Anfang Juli - also nach zehn Saisonrennen.

Eine detaillierte Übersicht über die Strafpunkte gibt es auf unserer Schwesterseite de.motorsport.com.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.