Formel-E-Chef: Wenn die F1 nicht aufpasst, verkommt sie zu Pferderennen

Christian Nimmervoll
motorsport.com

Alejandro Agag, Vorsitzender der Formel E, geht davon aus, dass seine Elektro-Rennserie früher oder später fast zwangsläufig die Formel 1 ablösen oder zumindest mit ihr fusionieren wird. Das hat der Spanier in einem Interview mit dem Podcast 'Current Affairs' unserer Schwesterplattform 'Autosport' verraten.

Zwar ist Agag nicht so verwegen zu behaupten, dass seine Formel E langfristig zwingend zur Königsklasse des Motorsports aufsteigen wird. Aber aufgrund der elektrischen Ausrichtung der Zukunft der Automobilindustrie geht er davon aus, dass an seinem Modell über kurz oder lang kein Weg vorbeiführen kann.

"Ich sage schon seit langer Zeit, dass die Formel E der Sport sein wird, der die Industrie repräsentiert", sagt Agag. Seiner Meinung nach hat die Formel 1 langfristig "drei Möglichkeiten". Erstens: Eine Fusion der Formel 1 mit der Formel E. "Aktuell passiert das nicht", betont er. "Vielleicht in ein paar Jahren. Die Formel 1 wäre dann rein elektrisch."

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"Vielleicht", fährt er fort - zweitens -, "entscheidet die Formel 1 auch, beim Verbrenner zu bleiben, und ihr ist die Verbindung zur Automobilindustrie egal. Das ist auch eine Möglichkeit. Pferderennen haben auch nichts mit der Automobilindustrie zu tun - aber es gibt immer noch Pferderennen. Die Formel 1 wäre dann ein Sport ohne Verbindung zur Industrie."

Denn, so Agags These: Für Daimler, FIAT, Honda, Renault & Co. ist Motorsport nur interessant, wenn eine Verbindung zur Serienproduktion hergestellt werden kann. Der Ansatz, die Formel 1 als Entertainment zu vermarkten und weiterhin mit Verbrennungsmotoren zu fahren, obwohl die Menschen längst Elektroautos fahren, sei zwar zulässig. Das würden aber die Werke nicht mittragen.

Agag sieht sich auf jeden Fall auf dem längeren Ast sitzen, denn die Lizenz für eine elektrisch betriebene, globale FIA-Formelserie hat nur er. Die dritte Möglichkeit wäre daher: "Die Formel 1 wartet bis 2039 und sichert sich die Lizenz für eine elektrisch betriebene Einsitzer-Meisterschaft, die wir bis dahin besitzen. Das sind die drei Möglichkeiten."

Der Geschäftsmann, einst mit engen Verbindungen zu Flavio Briatore in den internationalen Motorsport gekommen, strebt danach, diesbezüglich eine Einigung mit der derzeitigen Königsklasse zu erzielen: "Die erste Option ist eine Fusion oder eine Vereinbarung zwischen uns, etwas in die Richtung. Das ist sicher die erste Option - und die, die mir am liebsten wäre."

Sollte es zu so einer Fusion kommen - mutmaßlich ein lukratives Geschäft für die Formel E, die die wertvolle Lizenz besitzt -, würde er aber nicht als Serienchef zur Verfügung stehen. Für ihn, betont Agag, haben mit seinem neuen Projekt Extreme E Themen wie "Klimawandel und Geschlechtergleichheit" Priorität. Die Rolle als Formel-1/E-Boss komme daher "absolut nicht" in Frage.

Mit Bildmaterial von Sutton.

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