Protokollverstoß Trumps sorgt im Internet für Empörung

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Trump absolvierte einen kurzen öffentlichen Auftritt, hielt jedoch keine Rede. Quelle: Getty
Trump absolvierte einen kurzen öffentlichen Auftritt, hielt jedoch keine Rede. Quelle: Getty

Der US-Präsident hat seinen ersten öffentlichen Auftritt nach seiner Wahlniederlage absolviert und mit einem Bruch des Protokolls für viel Empörung gesorgt.

Donald Trump hat anlässlich des alljährlichen amerikanischen Gedenktages für Kriegsveteranen am Mittwoch weniger als zehn Minuten in der Öffentlichkeit verbracht.

Zumindest seinen Kritikern zufolge schien der Präsident in dieser kurzen Zeit in der Öffentlichkeit einen Fehltritt nach dem anderen zu machen – und selbst seine Frau hielt Abstand zu ihm.

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Trump besuchte das Grab des unbekannten Soldaten auf dem Arlington National Cemetery. Er kam jedoch eine halbe Stunde zu spät zur Veranstaltung, sodass die anwesenden Militärangehörigen im Regen warten mussten.

CNN zeigte einen Live-Splitscreen dieses Auftritts und einer ähnlichen Veranstaltung mit Joe Biden und die Verspätung des Präsidenten sorgte für einen starken Kontrast.

“Der Präsident hat heute keine anderen Termine und verspätet sich trotzdem zur Ehrung der Veteranen auf dem Arlington National Cemetery am Veterans‘ Day, was dazu führt, dass ausgezeichnete Veteranen, deren Familien und weitere Gäste im Regen warten müssen. Er versteht einfach nicht die Bedeutung des Tages, der Stunde, der Minute des Gedenkens”, tadelte Journalistin Molly McKew auf Twitter.

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Trump kam mit Vizepräsident Mike Pence sowie Mitarbeitern und Familienmitgliedern und weigerte sich trotz einer ausdrücklichen Aufforderung des Friedhofs an alle Teilnehmer, eine Maske zu tragen.

“Alle Gäste müssen die Vorschriften zur sozialen Distanzierung einhalten und Gesichtsbedeckungen tragen, während sie sich auf dem Gelände des Friedhofs aufhalten”, stand in einer Erklärung, die im Vorfeld des Präsidentenbesuchs veröffentlicht wurde. “Wer an den Eingängen des Friedhofs keine Gesichtsbedeckung vorweisen kann, wird keinen Zutritt zum Friedhof erhalten.”

Der designierte Präsident Biden trug heute eine Maske als er unserer Veteranen gedachte, Trump nicht. Das sagt alles.

Joe und Jill Biden trugen bei der Veterans‘-Day-Veranstaltung, der sie in Philadelphia beiwohnten, Gesichtsmasken. Trump, Melania, Pence und Karen Pence trugen in Arlington keine Masken.

Über 240.000 Amerikaner sind an COVID gestorben. Lasst diese Zahl einen Moment sacken. Trump greift derweil immer noch die Wissenschaft an und trägt in der Öffentlichkeit keine Maske. Der Mann hatte COVID.

Viele Kritiker beschimpften den Präsidenten dafür, dass er trotz eines neuen Rekords der täglichen Coronavirus-Fälle im Land keine Gesichtsbedeckung trägt. Andere regten sich über einen anderen Fauxpas auf, den er während seiner Amtszeit immer wieder gemacht hat.

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Während der Nationalhymne salutierte der Präsident vor der Flagge und dem Soldatengrab, obwohl das Protokoll vorsieht, dass er seine Hand auf sein Herz legt.

Für seine Kritiker war auf diesem Foto jede Menge falsch. Quelle:  C-SPAN
Für seine Kritiker war auf diesem Foto jede Menge falsch. Quelle: C-SPAN

Laut dem US-amerikanischen Flaggencode dürfen nur Militärangehörige und Veteranen während der Nationalhymne vor der Flagge salutieren.

Alle anderen sind aufgefordert, “mit dem Gesicht zur Fahne zu schauen und mit der rechten Hand auf dem Herzen stramm zu stehen”.

Donald Trump, ein bekannter Wehrdienstverweigerer, der den Vietnamkrieg vermieden hat, hat nie im Militär gedient, besteht aber darauf, zu salutieren.

Uff, ⁦@realDonaldTrump⁩ ist fast eine gesamte Amtszeit Präsident gewesen und er hat noch immer nicht kapiert, dass man die Hand aufs Herz legen (und nicht salutieren) soll, wenn man kein Veteran oder aktiver Soldat in Uniform ist.

Neben der massiven Kritik an Trumps fehlender Gesichtsbedeckung schien es immerhin eine Person zu geben, die soziale Distanz praktizierte: Melania Trump. Sie hielt vor allem zu ihrem Ehemann Abstand.

Die Social Media-User beriefen sich auf Fotos, auf denen man die 50-jährige First Lady sieht, wie sie während des Auftritts merklich Abstand zu ihrem Ehemann hält.

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Vielleicht lag es auch daran, dass ein Soldat einen Regenschirm für sie hielt, aber trotzdem heizte es Gerüchte an, dass sie sich nach Ende seiner Amtszeit vom Präsidenten scheiden lassen will.

Trumps Schweigen versetzte das Weiße Haus in Aufruhr

Wenn auch nur kurz, so war der Auftritt des Präsidenten doch eine Fassade der Normalität für ein Weißes Haus, das durch die Wahlniederlage Präsidenten in Schockstarre versetzt wurde. Trump wägt nun seine Optionen ab, verzichtet überwiegend darauf, seinen Amtsgeschäfte nachzugehen und blockiert seinen designierten Nachfolger.

Der designierte Präsident Joe Biden und seine Ehefrau Dr. Jill Biden ehren am Korean War Memorial in Philadelphia Militärveteranen. Quelle: Getty
Der designierte Präsident Joe Biden und seine Ehefrau Dr. Jill Biden ehren am Korean War Memorial in Philadelphia Militärveteranen. Quelle: Getty

Der amtierende Präsident hat seit seiner Niederlage gegen den Demokraten Joe Biden, der sich über 270 Stimmen der Wahlleute für die Präsidentschaftswahl sicherte, noch immer keine persönliche Stellungnahme abgegeben. Stattdessen zieht er es weiter vor, wütende Verschwörungstheorien über Twitter zu verbreiten.

Nick Whigham

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