"Froh, dass Saison vorbei ist": BMW noch schwächer als 2019

Sven Haidinger
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Was für eine bittere Saison für BMW: Die Münchner sind dieses Jahr durch Audi noch deutlicher unter die Räder gekommen als 2019, als man vor allem in der zweiten Saisonhälfte kein Land mehr sah. Zwei Siege durch Lucas Auer und Sheldon van der Linde waren dieses Jahr die einzigen Highlights. 2019 hatte man immerhin noch sechs Siege gefeiert.

"Das war wirklich eine sehr schwierige Saison", gibt Marco Wittmann zu. "Das ist auch einer der Gründe, warum ich froh bin, dass die Saison jetzt vorbei ist. Jetzt können wir uns etwas erholen. Wenn es nicht gut läuft, ist man froh, wenn es vorbei ist."

Eigentlich wollte der zweimalige Meister dieses Jahr vor Rene Rast den dritten Titel einfahren, aber dann musste er mit drei dritten Plätzen und Platz neun in der Meisterschaft vorliebnehmen musste. "Das waren gute Wochenenden", verweist er auf die Podestplätze, "aber speziell die letzten zwei Wochenenden in Zolder und jetzt in Hockenheim waren sehr hart, was die Performance angeht."

Nur neun von 54 Podestplätzen

Tatsächlich startete Wittmann seine letzten zwei Class-1-Rennen in Hockenheim von den Startplätzen 14 und 16. Man sei "weder im Qualifying noch im Rennen" in der Lage gewesen, "eine gute Performance aus dem Auto und dem Paket herauszuholen", sagt der 30-Jährige. "Das war ziemlich frustrierend."

Die Zahlen belegen Wittmanns Frust: BMW holte dieses Jahr in 18 Rennen nur eine Pole durch Timo Glock in Zolder, zwei Rennsiege sowie neun von 54 Podestplätzen. In der Herstellerwertung sammelte man 500 Punkte, während Audi auf 1.253 Zähler kam. Im Vorjahr fiel der Vergleich für BMW mit 550:1.132 noch eine Spur besser aus. In der Teamwertung musste man erneut allen drei Audi-Teams den Vortritt lassen.

"In der Turbo-Ära hatten wir eindeutig mehr Schwierigkeiten als die Konkurrenz von Audi", sagt Wittmann. "Im Vorjahr hatten wir immerhin noch die Möglichkeit, Podestplätze und Siege einzufahren ..."

Die Problemzonen des M4

Doch was waren die Gründe dafür, dass man gegen die Konkurrenz aus Ingolstadt erneut kein Land sah? "Sie hatten vor allem die Reifen auf die Renndistanz besser im Griff", sagt Glock, der dieses Jahr nach seiner Pannensaison als Fünfter immerhin bester BMW-Pilot war. "Auch beim Motor-Antriebsstrang-Paket waren sie stärker. Wir müssen jetzt den Reset-Knopf drücken, gewisse Dinge überdenken - und daraus lernen."

Zudem war es für die BMW-Truppe nicht immer einfach, ein optimales Set-up für den M4 zu finden, während der RS 5 bei fast allen Bedingungen gut funktionierte. "Ich finde, dass das Auto ein sehr schmales Einsatzfenster hat", meinte Jonathan Aberdein, der im Vorjahr den WRT-Audi pilotierte, in Zolder.

"Und ich hatte meistens Schwierigkeiten, das Auto in dieses Einsatzfenster zu bringen. Wenn es klappt, dann läuft es ganz gut. Wenn wir aber nicht im Fenster sind, dann ist es eine Katastrophe. Damit habe ich persönlich Probleme."

"Mussten kompletten Einbau des Motors verändern"

Doch wie erklärt Ex-BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt, der für das DTM-Projekt verantwortlich zeichnete und sich in Hockenheim verabschiedete, die mäßige Bilanz 2020? Er führt dies darauf zurück, dass man durch die Zuverlässigkeitsprobleme im Jahr 2019 stets im Hintertreffen war und diesen Rückstand durch die eingefrorene Entwicklung nicht mehr aufholen konnte.

"Wir hatten im Vorjahr Probleme mit der Zuverlässigkeit unseres Autos und mussten daher den kompletten Einbau des Motors verändern", erklärt er. "Das hat ganz gut funktioniert, aber unser Rivale konnte in dieser Zeit die Performance des Pakets weiterentwickeln, während wir dieses Jahr damit beschäftigt waren, unsere Zuverlässigkeitsprobleme auszusortieren."

Marquardt: Audi war durch beschränkte Tests uneinholbar

Durch die "beschränkten Testmöglichkeiten mussten wir unser Paket dann von Rennwochenende zu Rennwochenende verbessern". Das sei zumindest im Qualifying gelungen, "wo wir die Lücke geschlossen haben", sagt Marquardt. Und verweist auf Glocks Pole-Position und seinen zweiten Startplatz in Zolder sowie den dritten Startplatz Aberdeins in Hockenheim.

Doch das waren die einzigen drei Male, dass BMW in dieser Saison in die Top 3 der Startaufstellung fuhr. Und von einem allgemeinen Aufwärtstrend kann man auch nur bedingt sprechen, denn gerade zu Saisonende startete der Großteil der BMW-Piloten zumindest bei trockenen Bedingungen meist außerhalb der Top 10.

"Wir hatten kein Set-up, das konstant gut funktioniert hat", gibt Marquardt zu. "Wir hatten immer ein oder zwei Autos, die mehr oder weniger dabei waren. Aber leider waren wir nicht konstant genug für diese Meisterschaft."

Mit Bildmaterial von BMW.