Wird Brandt beim BVB jetzt endlich glücklich?

Patrick Berger
·Lesedauer: 3 Min.

Er durfte mal wieder von Beginn an ran. Beim 3:0 im Pott-Derby gegen Schalke machte Julian Brandt ein starkes Spiel und überzeugte endlich mal wieder. Lob gab es dafür auch von Michael Zorc. "Julian hat mir gut gefallen, er hat einen Schritt nach vorne gemacht", sagte der Sportchef der WAZ.

Zuletzt lief es ja nicht ganz so rund für den Nationalspieler. Weder im Verein unter Lucien Favre noch beim DFB-Team unter Joachim Löw ist der 24-Jährige zurzeit gesetzt. Das Derby gegen Schalke war erst der dritte Startelf-Einsatz im achten Pflichtspiel für Brandt, der im Sommer 2019 mit großen Vorschusslorbeeren für 25 Millionen Euro von Bayer Leverkusen geholt wurde.

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"Es ist nicht so, dass ich in der Besprechung sitze und sage: Super, ich spiele schon wieder nicht", sagt der 24-Jährige bei DAZN. "Ich bin trotzdem entspannt, auch wenn es nervt."

Dahoud schwärmt von Brandt

Und Teamkollege Mahmoud Dahoud findet: "Julian ist ein super Kicker. Für ihn ist es nicht einfach zurzeit. Er geht aber gut mit der Situation um und sagt sich: Ich mache mir keinen Stress und gebe einfach Gas, dann komme ich schon auf meine Einsätze."

Im Derby ließ Favre den Ex-Leverkusener nach längerem mal wieder auf seiner Lieblingsposition ran, auf der Zehn – und Brandt zahlte das in ihn gesetzte Vertrauen mit einer guten Leistung zurück. Den Führungstreffer durch Corona-Rückkehrer Manuel Akanji bereitete der Ballkünstler indirekt per Hacke vor.

Diese eine Szene zeigte, wie viel Potenzial in Brandt schlummert. Er ist kreativ, clever und spielfreudig. "Es lockt mich, auf dem Spielfeld Sachen zu machen, wo jeder sagen würde: 'Ich gehe jetzt lieber den sicheren Weg.' Das mag ich nicht so", beschreibt sich der Offensivspieler selbst.

"Wenn ein Trainer zu mir kommt und sagt: 'Du spielst da, auf der Position, du machst aber genau das, du musst nach den Abläufen und nach dem Muster spielen' - das wäre für mich der Horror! Das wäre ganz schlimm.“

Nationalspieler zwischen Genie und Wahnsinn

Es ist grundsätzlich ein schmaler Grat, auf dem Brandt wandert. Mit einer einzigen Aktion kann er Spiele entscheiden und die Zuschauer von den Sitzen reißen. Fehlt ihm aber die Leichtigkeit und schleichen sich Fehler ein wie zuletzt, kann der Kopfmensch das Spiel phasenweise auch mal hemmen.

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Auf der Zehn blüht Brandt auf – aber: funktioniert er wirklich nur dort? Nach SPORT1-Informationen war der Mittelfeldspieler zuletzt nicht wirklich glücklich darüber, dass er immer wieder auf verschiedenen Positionen gebracht wurde, sprach darüber auch ausführlich mit dem Trainer. Im Sommer-Trainingslager in Bad Ragaz hatte er im Exklusiv-Interview mit SPORT1 gesagt: "Ich war auf vielen verschiedenen Positionen unterwegs, was nicht einfach ist."

Wo ist Brandt am besten?

Seine Rolle hat der gebürtige Bremer bis heute nicht gefunden. In den 42 Pflichtspielen im vergangenen Jahr probierte Favre Brandt auf fünf verschiedenen Positionen aus. "Du wünschst dir als Spieler natürlich eine feste Position, auf der du selbst dich siehst und auf der dich vor allem auch der Trainer sieht." Für Brandt selbst ist das die Spielmacher-Position. "Im Zentrum, aber nicht als Spitze."

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Er sei einer "für den Raum dazwischen", findet er, der mit beherzten Offensivaktionen "den Weg nach vorne" sucht.

Gut möglich, dass er auch am Mittwochabend im zweiten Champions-League-Gruppenspiel gegen Zenit St. Petersburg wieder in seiner Paraderolle auftreten darf (Champions League: BVB - St- Petersburg am Mi. ab 21 Uhr im LIVETICKER). "Unser Coach ist mittlerweile an dem Punkt angelangt, dass er zu mir kommt und sagt: Wenn du auf dem Platz stehst - das ist deine Position, aber lauf rum, wo du willst", verrät Brandt und schiebt mit einem breiten Grinsen nach: "Also natürlich offensiv!"