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Gasly? „Könnte nah an Verstappen herankommen“

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Gasly? „Könnte nah an Verstappen herankommen“
Gasly? „Könnte nah an Verstappen herankommen“

Jetzt spricht Franz Tost!

Bereits seit 2005 ist der Österreicher Teamchef der Scuderia Alpha Tauri (ehemals Scuderia Toro Rosso). In der Formel 1 hat er schon viel erlebt. Aber der aktuelle WM-Kampf zwischen Lewis Hamilton und Max Verstappen ist für den ehemaligen Rennfahrer schon jetzt ein Duell für die Geschichtsbücher.

Aber nicht nur die Spitze hat es ihm angetan. Auch die Nachwuchsfahrer überzeugen den 65-Jährigen in dieser Saison. Seinen Newcomer Yuki Tsunoda überraschte er mit einer frühzeitigen Vertragsverlängerung. Aber auch Mick Schumacher hat es Tost angetan. Vor allem seinen Umgang mit Druck hob er hervor. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Formel 1)

Doch nicht nur das aktuelle Fahrerfeld macht sich der Mann aus Trins (Tirol) Gedanken, auch die Zukunft der Formel 1 ist ihm wichtig. Diese sieht er - ähnlich wie Sebastian Vettel - grün. Gerade die neuen Hybridmotoren ab 2026 sieht er als große Chancen für weitere Hersteller, sich in der Formel 1 zu positionieren.

Speziell die deutschen Hersteller hat er da im Kopf, weswegen er darauf hofft, neben Mercedes bald noch mehr deutsche Marken in der Königsklasse des Motorsports begrüßen zu dürfen.

Dazu spricht Franz Tost im Gespräch mit SPORT1 über die aktuelle Saison und warum er nicht an ein drittes Auto pro Team glaubt.

SPORT1: Herr Tost, wie würden Sie im Moment die Saison aus Ihrer Sicht zusammenfassen?

Franz Tost (65): Erst einmal: Wenn es nicht läuft, bin ich immer ein paar Tage extrem schlecht gelaunt. Das war nach Monza (Doppelausfall, Anm. d. Red.) so, aber auch nach Sotschi (Gasly Platz 13, Tsunoda Platz 17, Anm. d. Red.). Dann geht es darum, Fehleranalyse zu betreiben und es das nächste Mal besser zu machen. Trotzdem: Die Saison ist bisher recht gut verlaufen. Mit Höhen und Tiefen. Höhen waren mit Sicherheit der dritte Platz von Pierre Gasly in Baku oder sein super gutes Rennen in Monaco (Platz 6, Anm. d. Red.). Gasly lag oft zwischen Platz vier und sieben. Das zeigt die Qualität von Team und Fahrer. Yuki Tsunoda ist ein Newcomer. Er hatte es schwerer. Das zeigt, dass die Formel 1 schwierig und komplex geworden ist, speziell für junge Piloten. Tsunoda hat gut angefangen, dann hat er es übertrieben. Er ist in die so genannte „Crash-Periode“ hineingekommen. Das passiert jedem jungen Piloten. In der Zwischenzeit weiß er, wo das Limit liegt. Er hat definitiv hinzugelernt. Das zeigt sein sechster Platz in Budapest. Er wird uns in Zukunft mit sehr guten Resultaten überraschen. (DATEN: Die Teamwertung der Formel 1)

SPORT1: Wie wichtig ist Gasly als Führungsfahrer in Ihrem Team?

Tost: Extrem wichtig. Er bringt uns mit seinem Erfahrungsschatz weiter. Er gibt die Richtung in der Entwicklung vor. Er hat einen Fahrstil entwickelt, der optimal zu unserem Auto passt. Für seine Ausfälle konnte er nichts.

Franz Tost: Deshalb wurde mit Tsunoda verlängert

SPORT1: Er würde ja gerne auch bei Red Bull Racing fahren: Wie gehen Sie damit um?

Tost: Gasly fühlt sich bei uns wohl. Wir wollen ihm auch jeden Wunsch erfüllen. Ich rede oft mit ihm. Er ist noch jung und hat Zeit. Das passt schon.

SPORT1: Tsunoda war von seiner Vertragsverlängerung sehr überrascht. Das zeugt nicht gerade von großem Selbstbewusstsein...

Tost: Er war überrascht, weil es schon so früh entschieden wurde. Ich habe ihm das erklärt. Es macht keinen Sinn, einem jungen Piloten die Chance zu geben, um ihn dann gleich wieder herauszuwerfen. Er hat Potential, er lernt dazu. Deshalb stand es nie in Frage, dass wir mit ihm weitermachen. Denn ein Fahrer braucht heute drei Jahre, um die Formel 1 zu verstehen. Das heißt aber nicht, dass dann die Lernphase abgeschlossen ist. Grundsätzlich ist er sehr selbstkritisch und das ist gut so. Man darf nicht vergessen: Für alle Rookies gilt das gleiche: Sie fahren in dieser Saison im Qualifying alle das erste Mal ein Formel-1-Auto am Limit. (DATEN: Der Rennkalender der Formel 1)

SPORT1: Hätte es für Alpha Tauri Alternativen gegeben?

Tost: Grundsätzlich kommen aus der Formel 2 gute Piloten nach. Bei uns sind das Liam Lawson und Juri Vips, die in Abu Dhabi auch den Young-Driver Test bestreiten werden. Lawson bei uns, Vips bei Red Bull Racing. Die Formel 2 ist toll besetzt in diesem Jahr. Oscar Piastri, Theo Pourchaire, Robert Shwartzman und unsere beiden Junioren sind sicher die Fahrer der Zukunft.

Darum wird ein drittes Auto pro Team nicht kommen

SPORT1: Es gibt aber zu wenig Plätze für die jungen Piloten. Was halten Sie davon, zum Beispiel ein drittes Auto pro Team fahren lassen, wie es Mercedes-Teamchef Toto Wolff vorschlägt?

Tost: In der Formel 1 gab es immer zu wenig Plätze. Im Moment gibt es 20 Autos, darin sitzen die besten Fahrer. Bei Red Bull geben wir dem Nachwuchs Testfahrten in älteren Autos. Eine Alternative wäre auch, sie ein weitere Saison in der F2 fahren zu lassen – oder in der DTM oder Indycar. Man kann auch aus diesen Serien den Weg schaffen. Wer richtig Talent hat, wird irgendwann in der Formel 1 landen. Das dritte Auto sehe ich nicht: Das fängt schon damit an, wer es finanzieren soll. Außerdem sind die Fahrerlager und Boxen Platz-technisch am Limit. Ich wüsste gar nicht, wo man das dritte Auto hinstellen sollte. (BERICHT: Drittes Auto: Wolff bekräftigt Idee)

SPORT1: Ihr ehemaliger Schützling Ralf Schumacher fordert wieder regelmäßige Testfahrten, um den Nachwuchs zu fördern.

Tost: Das ist eine Kostenfrage. Ein Kilometer in der Formel 1 kostet bis zu 700 Euro. Die müssen finanziert werden. Wir ließen Tsunoda mit einem zwei Jahre alten Auto testen. Das ist wesentlich kostengünstiger. Das könnte die Alternative sein.

Mick Schumacher? „Auf dem richtigen Weg“

SPORT1: Wie bewerten Sie als Nachwuchs-Experte die bisherige Debütsaison von Mick Schumacher?

Tost: Mick schlägt sich sehr gut. Sein Auto ist schwer zu fahren, aber er hat alles unter Kontrolle, auch mit Druck kann er umgehen. Er ist auf dem richtigen Weg.

SPORT1: Ihr ehemaliger Pilot Max Verstappen wirkt wie ein Außerirdischer, der jeden Teamkollegen auffrisst. Auch Sergio Perez tut sich schwer neben ihm. Wem würden Sie überhaupt zutrauen, an der Seite von Max im gleichen Auto zu bestehen?

Tost: Gasly könnte nah herankommen. Aber: Max ist der technische Führungsfahrer im Team. Das heißt, er entwickelt das Auto genauso, wie er es haben will. Da kann es schon sein, dass der zweite Pilot Schwierigkeiten hat.

SPORT1: Hat Verstappen so einen speziellen Fahrstil?

Tost: Speziell will ich nicht sagen, aber er hat ein einzigartiges Gefühl dafür, wie er vom Bremspunkt, zum Einlenkpunkt und dann zum Scheitelpunkt das Optimale herausholt. Da gibt es andere Fahrer, die kommen mit einem Auto, das für Max gebaut wurde, nicht so klar. Weil sie einen anderen Fahrstil haben.

Hamilton vs. Verstappen: Ein Duell für die Geschichtsbücher

SPORT1: Als er schon mit 17 Jahren bei Ihnen debütierte: Konnten Sie sein Ausnahmetalent sofort erkennen?

Tost: Ja, aber nicht erst da. Ich kenne ihn ja schon seit Kartzeiten. Er hat eine absolute Fahrzeugbeherrschung. Er hat null Probleme mit der Geschwindigkeit und immer alles unter Kontrolle. Er hat ein extremes Gefühl für das Auto und die Reifen und kann das umsetzen. Dazu kommt: Sein Vater Jos hat ihm eine extreme gute Grundausbildung beschert. Danach konnte ihn nichts mehr überraschen.

SPORT1: Max fährt das erste Mal um die WM. Sein Gegner ist Lewis Hamilton. Wie geht er damit – auch mental – um?

Tost: Die Antwort war sein Heimrennen in Zandvoort. Wenn du vor den frenetischen Fans in deiner Heimat mit dem ganzen Erwartungsdruck so dominieren kannst, musst du nichts mehr befürchten. Das hat mich sehr beeindruckt. Max lässt sich nicht aus dem Gleichgewicht bringen. Er konzentriert sich von Rennen zu Rennen. Er will jedes Rennen gewinnen. Wenn eine Kollision zu vermeiden ist, dann wird er das tun. Wenn nicht, dann eben nicht. Dann kracht es halt. Und basta! (BERICHT: Die größten Hassduelle der Formel 1)

SPORT1: Ist das Duell Verstappen gegen Hamilton schon ein Duell für die Geschichtsbücher?

Tost: Ja, auf alle Fälle. Es wird auch in Zukunft noch einige spannende Rennszenen geben. Und was mich betrifft: Mich würde es freuen, wenn Max am Ende den Titel gewinnt. (DATEN: Die Fahrerwertung der Formel 1)

Verstappen ist wie Senna

SPORT1: Kann man Max, auch wenn es schwierig ist, mit einem der Großen der Formel-1-Geschichte vergleichen?

Tost: Das ist immer schwierig: Aber ich denke, von der Risikobereitschaft her und dem Willen, unbedingt zu gewinnen, geht er am ehesten in Richtung Senna.

SPORT1: Was sagen Sie zur bisherigen Saison eines anderen Ihrer ehemaligen Schützlinge, Sebastian Vettel?

Tost: Sebastian hat entschieden, weiterfahren zu wollen. Ich freue mich darüber. Wenn das Auto passt, wird er auch in Zukunft gute Resultate abliefern. Das haben die Rennen In Monaco und Baku ja schon bewiesen.

SPORT1: Haben Sie noch Kontakt zu ihm?

Tost: Wir telefonieren ab und zu, gehen zusammen Skifahren, wenn die Covid-Regeln das erlauben. Das passt.

Grüne Formel 1! So wird die Serie für deutsche Hersteller interessant

SPORT1: Vettel macht sich für eine grünere Formel 1 stark, die mit Biosprit zum Beispiel eine Vorreiterrolle in Sachen Umweltschutz spielen soll. Teilen Sie seine Meinung?

Tost: Ja, das ist ganz wichtig. Als Spitze des Motorsports muss sie das tun. Die Formel 1 hat ja jetzt schon eine einzigartige Technik, die in diese Richtung geht. Nehmen wir nur mal die Power Unit: Wir haben zwei Energie-Rückgewinnungssysteme. Da braucht man keine Steckdose mehr, um die Batterien aufzuladen. Das ist die Zukunft für jeden PKW. Wenn es uns jetzt gelingt, und es sieht so aus, werden wir 2026 neue Hybridmotoren haben mit abgasfreiem Bio-Sprit für den Verbrennungsmotor. Das sollte dann auch ein Forschungslabor für die Automobilindustrie sein.

SPORT1: Also ist das neue Reglement ein Türöffner für neue Hersteller zum Beispiel Audi, Porsche oder andere?

Tost: Ja. Mit diesem Konzept wird das die Türen öffnen. Ich hoffe und glaube deshalb, dass wir in Zukunft neben Mercedes auch andere deutsche Hersteller in der Formel 1 erleben werden. Es gibt für mich keine bessere Marketingplattform als die Formel 1. 950 Millionen Zuschauer weltweit sprechen für sich. Mit dem neuen Reglement ab 2026 kann man dann Marketing und grüne Automobilzukunft optimal verbinden.

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