Nach Tandes Horror-Sturz: Geiger siegt mit kaputtem Schuh

SID
·Lesedauer: 3 Min.
Nach Tandes Horror-Sturz: Geiger siegt mit kaputtem Schuh
Nach Tandes Horror-Sturz: Geiger siegt mit kaputtem Schuh

Mit einem Sieg auf seiner Paradeschanze in Planica brachte sich Überflieger Karl Geiger auf andere Gedanken.

Der Oberstdorfer ballte im Zielraum erleichtert die rechte Faust und grinste zufrieden hinter der weißen FFP2-Maske. "Der Sprung war saugut", freute sich der Skiflug-Weltmeister: "Ich war sehr motiviert, es war echt nicht einfach vom Tag."

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Am Freitag wirbelte der böige Wind im slowenischen "Tal der Schanzen" den zweiten Flug-Wettbewerb beim Weltcup-Finale kräftig durcheinander - und sorgte angesichts des schrecklichen Sturzes von Team-Olympiasieger Daniel Andre Tande tags zuvor für zusätzliches Bauchweh. Der finale Durchgang musste aus Sicherheitsgründen abgesagt werden.

Geiger blieb cool, landete auf der legendären "Letalnica" bei 232,0 m und feierte trotz starken Rückenwinds vor dem japanischen Vortagessieger Ryoyu Kobayashi (231,0) und Lokalmatador Bor Pavlovcic (227,5) seinen dritten Saisonsieg.

Skifliegen: Geiger mit Triumph in Planica

Und das, obwohl er improvisieren musste. Bei einem Schuh war die Plastikschnalle gerissen. "Ich war echt ein bisschen nervös, weil mir oben ein Material-Missgeschick passiert ist", erzählte Geiger im ZDF: "Aber ich konnte es gut improvisieren."

Ausgestattet mit einem Metallring eines Autoschlüssels von einem Kontrolleur war der Improvisator nicht zu schlagen. "Es funktioniert ganz gut, ich überlege, ob ich es lasse", ergänzte Geiger mit einem Lächeln.

Für den Team-Weltmeister war es der dritte Einzel-Erfolg in diesem Winter, zuvor hatte sich Geiger im Dezember ebenfalls in Planica zum Flug-Champion gekrönt, außerdem gewann der 28-Jährige noch den Tournee-Auftakt in seiner Heimat in Oberstdorf.

Markus Eisenbichler, am Donnerstag noch Zweiter, musste sich nach einem Flug auf 223,0 m mit Platz acht begnügen.

Eisenbichler landet auf Rang acht

Die Gedanken im Skisprung-Zirkus waren allerdings auch am Freitag noch immer bei Tande.

Der 27-jährige Norweger war für 24 Stunden ins künstliche Koma versetzt worden, befindet sich nach seiner schlimmen Bruchlandung im Probedurchgang am Donnerstag aber wohl wieder auf dem Weg der Besserung.

"Sie haben ein CT vom Kopf und vom Hals gemacht, da hat es keine Auffälligkeiten gegeben. Die Prognosen sind soweit sehr positiv", sagte Norwegens Cheftrainer Alexander Stöckl. "Er ist gut durch die Nacht gekommen. Die Situation ist stabil", ergänzte Mannschaftsärztin Guri Ekaas.

Tande erlitt einen Schlüsselbeinbruch und war am Donnerstag per Helikopter ins Universitätsklinikum der Hauptstadt Ljubljana geflogen worden. "Das Wichtigste für mich ist, dass es nicht lebensbedrohlich ist", betonte Norwegens Sportchef Clas Brede Braathen bei VG.

Schock um Tande-Sturz sitzt noch immer tief

Er bedankte sich bei den Ersthelfern an der Schanze, die einen "fantastischen Job" gemacht hätten. Der Schock stand dem norwegischen Team jedenfalls ins Gesicht geschrieben.

"Wir sind wie eine kleine Familie, wir reisen so viel zusammen. Dann so einen Sturz zu sehen mit all der damit verbundenen Dramatik, das ist erschütternd", sagte Braathen.

Am Samstag (10.00 Uhr) steht in Planica ein Teamwettbewerb auf dem Programm. Bundestrainer Stefan Horngacher nominierte neben Geiger und Eisenbichler auch Pius Paschke und Constantin Schmid.

Zum Abschluss eines langen Winters findet ein weiteres Einzel-Fliegen am Sonntag (10.00 Uhr) statt.