Gelbe Flaggen: Warum Norris bestraft wurde, aber Stroll nicht

Stefan Ehlen
·Lesedauer: 3 Min.

McLaren hat im Formel-1-Qualifying in Istanbul die Positionen elf und 13 in der Startaufstellung erreicht. Doch nach Startplatz-Strafen gegen beide Fahrer gehen Carlos Sainz und Lando Norris nur von den Positionen 15 und 16 ins Rennen (den Türkei-Grand-Prix 2020 im kostenlosen Liveticker verfolgen!). Beide hatten im Qualifying Regelverstöße begangen.

Im Fall von Sainz ging es um einen Zwischenfall mit Racing-Point-Fahrer Sergio Perez, den Sainz aus der Box kommend aufgehalten hatte. Dafür verhängten die Sportkommissare einen Strafpunkt sowie eine Rückversetzung in der Startaufstellung um drei Positionen.

Begründung: "[Perez] schloss in den Kurven 2/3 auf [Sainz] auf und wurde unnötig durch [Sainz] behindert, und über die folgenden Kurven hinweg."

Sainz verweist auf "außergewöhnliches" Qualifying

Man habe mildernde Umstände aufgrund der nassen Streckenbedingungen walten lassen wollen, allerdings habe McLaren Sainz per Funk vor dem herannahenden Perez gewarnt, und Sainz habe schlicht zu spät reagiert.

Sainz selbst sagte noch vor der Urteilsverkündung: "Wenn du aus der Box fährst, dann willst du deine Reifen aufwärmen. Es war eh ein seltsames Qualifying, außergewöhnlich, und mit nassen Rückspiegeln. Da kannst du nichts machen."

Eine klare Schuld erkannten die Sportkommissare im Fall Norris, der doppelt Gelb beim Abflug von Williams-Fahrer Nicholas Latifi missachtet hatte. "Die Telemetrie-Daten zeigen zwar, dass [Norris] im betreffenden Sektor vom Gas gegangen ist, aber nach dem Zwischenfall hat er wieder Tempo aufgenommen", heißt es in der Urteilsbegründung.

Was genau Norris falsch gemacht hat

Das Problematische an diesem Verhalten ist: Norris hätte nicht einfach weiterfahren dürfen, sondern seine fliegende Runde abbrechen müssen. Das hatte der McLaren-Fahrer sogar per Funk beim Team nachgefragt. "Ihm wurde dann gesagt, er solle die Runde zu Ende fahren." Und genau das tat Norris, und stellte eine neue persönliche Bestzeit auf.

Lando Norris und Carlos Sainz: Beide McLaren-Fahrer wurden bestraft

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Lando Norris und Carlos Sainz: Beide McLaren-Fahrer wurden bestraftMotorsport Images

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"Die Sportkommissare erkennen zwar, dass [Norris] keine schnelle Runde fahren wollte, aber aufgrund der sich verändernden Streckenbedingungen hat er das trotzdem getan. Damit hat er einen Regelverstoß begangen", so heißt es weiter.

Das Strafmaß: Norris verliert fünf Plätze in der Startaufstellung und erhält obendrein drei Strafpunkte auf seine Formel-1-Superlizenz. Hier die aktuelle Strafpunkte-Liste abrufen!

Warum Stroll nicht auch bestraft wurde

Warum aber wurde dann zwar Pole-Mann Lance Stroll ebenfalls untersucht, aber nicht ebenfalls bestraft? Auch Stroll hatte unter Gelb eine Zeitenverbesserung erzielt, als sich in Q3 sein Racing-Point-Teamkollege Sergio Perez in Kurve 7 gedreht hatte. Der Unterschied zur Norris-Situation: Es waren nur einfache gelbe Flaggen gezeigt worden.

"Die Daten zeigen, dass [Stroll] vom Gas gegangen und in die Kurve hineingerollt ist. Als er die Zwischenfall-Stelle passiert hatte, beschleunigte er wieder", so beschreiben es die Sportkommissare.

Heißt: Stroll hat sich korrekt verhalten. Denn im Gegensatz zur Doppelt-Gelb-Situation bei Norris musste er seine Runde nicht abbrechen und durfte außerhalb der Gefahrenzone wieder schnell fahren. Genau das hat er getan und sich erstmals in seiner Formel-1-Karriere die Pole-Position gesichert.

Bei doppelt geschwenkten gelben Flaggen ist das nicht erlaubt. Im Reglement heißt es hierzu: "Es muss deutlich werden, dass der Fahrer nicht versucht, eine bedeutsame Rundenzeit zu setzen." Und: "Das bedeutet, der Fahrer sollte seine Runde abbrechen." Eine Rückkehr an die Box ist per Reglement nicht erforderlich.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.