George Russell: War nicht geplant, dass Sim-Racing so zum Wettkampf ausufert

Norman Fischer
motorsport.com

Einfach ein bisschen aus Spaß zuhause an der Konsole sitzen und gemütlich ein paar Rennen gegen Freunde fahren? So dürften sich viele die derzeit stattfindenden virtuellen Formel-1-Rennen vorstellen. Doch von dem zwanglosen Spaß sind die Piloten ganz schnell weggekommen: "Es ist ziemlich schnell zu einem echten Wettbewerb geworden", sagt Williams-Pilot George Russell.

Denn einfach nur aus Spaß fahren, das können Charles Leclerc & Co. nicht. Auch virtuell wollen sie die Besten sein und alle Rennen gewinnen. "Das hat dazu geführt, dass ich stundenlang in meinem Wohnzimmer vor dem Monitor sitzen musste", sagt Russell im Gespräch mit 'Sky Sports F1'.

So war das für ihn eigentlich nicht geplant, wenn das Wetter so schön ist wie jetzt. "Ich könnte jetzt auch ohne Shirt im Garten sitzen und etwas Bräune bekommen", lacht er. "Aber das ist nötig, wenn man konkurrenzfähig sein möchte."

Scrollen, um mit dem Inhalt fortzufahren
Anzeige

Russell gehört neben Charles Leclerc, Lando Norris, Nicholas Latifi, Alexander Albon und Antonio Giovinazzi zu jenen Piloten, die regelmäßig bei fast allen Formel-1-bezogenen Events im Einsatz sind. Alle gehören dabei auch zum Feld derer, die stets im Bereich der Spitze vertreten sind. Doch dazu braucht es eine Menge Vorbereitung.

Norris: 24 Stunden Vorbereitung auf Indy-Rennen

"Es wird echt zu einem Wettbewerb", weiß auch Latifi. "Wenn du schnell sein möchtest, dann musst du so viele Stunden trainieren. Am Ende des Tages ist es ein Spiel, aber es gibt viele Tricks, die man lernen muss, um konkurrenzfähig zu sein. Das nimmt eine Menge Zeit in Anspruch."

Lando Norris hatte kürzlich in seinem Stream verraten, dass er rund 24 Stunden investiert hat, um sich auf das virtuelle IndyCar-Rennen in Indianapolis vorzubereiten - umso ärgerlicher wenn er dann von einem Konkurrenten absichtlich aus dem Rennen genommen wird. "So ein Loser", war der Brite über Simon Pagenaud fassungslos.

Doch auch seine Formel-1-Kontrahenten sind nicht immer Unschuldslämmer. In der vergangenen Woche machte ein Video von George Russell die Runde, der bei einem Rasenmäher-Rennen in Silverstone die Strecke abkürzte, um absichtlich in Alexander Albon zu fahren.

Irre Rasenmäher-Fehde zwischen Albon und Russell

"Ich habe die Strecke abgekürzt, aber bin technisch gesehen vor ihm rausgekommen. Technisch gesehen hat er mich von der Strecke geschubst. Es war aber mit Absicht, um ihm im Weg zu stehen", lacht Russell. Denn die beiden waren im Vorfeld schon mehrfach aneinandergeraten. Im Gegensatz zum IndyCar-Vorfall sei das aber nur Spaß: "Alex ist einer meiner besten Freunde", sagt Russell.

"Als ich beim ersten Mal seine Reaktion gesehen habe, musste ich lachen, genauso beim zweiten Mal", schildert er. Und beim dritten oder vierten Mal habe er sich dann gedacht, dass er Albon abschießen müsse.

"Im Rasenmäher-Rennen habe ich mich gedreht und Alex ist vorbeigekommen. Er sagte: 'George, bitte schieß mich nicht ab.' Er hat es so ernst gesagt", erzählt er. Auf die Frage "Warum?" antwortete Albon: "Ich bin auf einer guten Runde." Für Russell war klar: "Okay, ich muss es tun."

Einen Vergleich mit den Vorfällen in der IndyCar-Serie will er dabei aber nicht ziehen: "Wenn wir ernsthaft Rennen fahren, dann ist es etwas anderes", betont Russell. "Dann würde ich nicht so einen Quatsch machen."

Denn er weiß, wie viel Zeit die Piloten in diese Rennen investieren. "Aber wenn wir Rasenmäher oder Suzuka rückwärts fahren, dann ist es akzeptabel."

Mit Bildmaterial von LAT.

Lesen Sie auch