"Joshua wird nicht glücklich sein"

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"Joshua wird nicht glücklich sein"
"Joshua wird nicht glücklich sein"

Wie riskant ist diese Umstellung?

Joachim Löw plant mit Joshua Kimmich vorerst auf der rechten Seite. So, wie beim 7:1 gegen Lettland. Jene Seite, auf welcher der 26 Jahre alte Star des FC Bayern zur Weltklasse gereift ist. Die er aber verlassen hat, weil er im Zentrum noch wichtiger für die Münchner ist.

Der Bundestrainer weigerte sich bis einschließlich der WM 2018 in Russland, Kimmich ins Zentrum zu stellen. Danach stellte er um und seit nahezu drei Jahren ist er auf dieser Position für Löw ebenso unverzichtbar geworden. Trotzdem befördert ihn Löw nun, unmittelbar vor dem EM-Start, überraschend nach rechts.

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Gespräch zwischen Löw und Kimmich

Nach SPORT1-Informationen gab es Anfang dieser Woche ein Gespräch zwischen Löw und Kimmich. Der Bundestrainer vermittelte ihm, dass er ihn vorerst rechts einplant, er jedoch jederzeit flexibel reagieren will.

Soll heißen: Sobald es im Zentrum Aderlass gibt, rückt Kimmich wieder nach innen!

Kimmich akzeptiert diese Entscheidung, denn er stellte bereits klar, dass für ihn nur der EM-Titel zähle. Und doch wird es in ihm knirschen, weil er sich im Zentrum, seiner Lieblings-Position, festgebissen hatte und von dort auch verbal Einfluss nehmen konnte.

Löw sagt zu seiner Umstellung kurz und knapp: "Er hat die Position jahrelang bekleidet. Er ist sehr anpassungsfähig."

Europameister Mario Basler sagt in der neuen Folge des SPORT1 Podcasts "Meine Bayern-Woche" (erscheint Freitag): "Joshua wird sich dem fügen, was Löw ihm mitgibt. Aber glücklich wird er mit dieser Position nicht sein, weil er ihn ein bisschen aus dem Spiel rausnimmt. Andererseits gibt es auf der rechten Position Handlungsbedarf. Da haben wir nicht gerade die besten Spieler. Wenn Süle fit wäre, könnte er da spielen. Aber wenn Jogi mit der Dreierkette spielte, dann gibt es nur eine Alternative auf der rechten Seite: Joshua Kimmich."

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Kimmich spielt zu Turnier-Beginn deshalb auf rechts, weil im Zentrum Ilkay Gündogan und Toni Kroos gesetzt sind. Leon Goretzka, Kimmichs kongenialer Bayern-Partner im defensiven Mittelfeld, fällt für den EM-Auftakt gegen Frankreich am kommenden Dienstag ohnehin aus.

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Löw hat kaum Alternativen zu Kimmich

Doch klar ist auch: Das Duo Gündogan und Kroos verfügt zwar über Erfahrung und höchste Qualität, klassische Sechser sind sie jedoch beide nicht. Sie sind offensivere Spielertypen als Kimmich und langsamer.

Zuletzt spielten sie gegen Lettland nebeneinander, davor beim 1:6-Debakel gegen Spanien, wo sie der DFB-Elf keinen Halt geben konnten. "Gegen Frankreich muss das Zentrum dicht sein. Und das gelingt mit dem Duo Gündogan/Kroos nicht, weil beide zu offensiv ausgerichtet sind", kritisierte Ex-Bundestrainer Berti Vogts bei t-online. "Für Kimmich steht die Defensive an erster Stelle. Ohne ihn in der Zentrale werden wir von Frankreich überrannt."

Trotzdem verzichtet Löw vorerst freiwillig auf Kimmich im Zentrum, um ihn rechts einzusetzen. Dort soll er nach hinten absichern und vorne Impulse setzen. Auch, weil Löw auf dieser Seite kaum ernsthafte Alternativen hat. Lukas Klostermann enttäuschte gegen Dänemark (1:1), Emre Can sieht er derzeit eher im Zentrum. Umso fragwürdiger, warum Wolfsburgs Ridle Baku nicht nominiert wurde.

"Ich bin mit dem Kader 99 Prozent zufrieden", äußerte auch Rekordnationalspieler Lothar Matthäus im Rahmen einer Pressekonferenz des Sportwettenanbieters Interwetten. "Mir fehlt eigentlich nur ein Spieler: Baku vom VfL Wolfsburg, der auf der rechten Seite eine Riesensaison gespielt hat. Gerade da haben wir doch ein bisschen Probleme, deswegen nimmt Kimmich jetzt diese Position ein."

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