Rowe-Drama mit Happy End: "Als würden kleine Bomben explodieren"

Markus Lüttgens
·Lesedauer: 2 Min.

Als Nick Tandy den Rowe-Porsche mit der Startnummer 98 am Sonntag nach der Auslaufrunde in der Boxengasse vor dem Schild mit der Nummer 1 abgestellt hatte, merkte man dem Briten im ersten Moment kaum an, dass er gerade zusammen mit Earl Bamber und Laurens Vanthoor das 24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps gewonnen hatte.

Anstelle von ausgelassenem Jubel sah man wie Tandy nach dem Aussteigen erst einmal geradezu in sich zusammen sackte. Das war allerdings weniger der körperlichen Erschöpfung geschuldet, sondern vielmehr dem seelischen Stress, dem er am Rennende ausgesetzt war. Denn um ein Haar wäre der Traum vom Sieg in der letzten Rennrunde noch geplatzt.

"Dieses Finale werde ich niemals vergessen", sagt Tandy. "Unser Sieg hing am seidenen Faden, als in der vorletzten Runde plötzlich extreme Geräusche im Heck unseres Autos auftraten. Es hörte sich fast an als würden kleine Bomben explodieren."

Auslaufendes Öl bremst die Verfolger ein

"Ich habe mich erschrocken und im selben Moment gemerkt, dass die Hinterachse auf einer Ölspur herumrutscht", so Tandy weiter. "Was ich nicht wusste: Das Öl kam aus unserem Auto." Das stellte der Brite erst nach einer Inspektion des Fahrzeughecks im Parc Ferme fest.

1. #98 ROWE Racing Porsche 911 GT3-R: Nick Tandy, Earl Bamber, Laurens Vanthoor

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1. #98 ROWE Racing Porsche 911 GT3-R: Nick Tandy, Earl Bamber, Laurens VanthoorSRO

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"Das war der emotionalste Stint, den ich je gefahren bin", sagt Tandy. Doch nicht nur dem Briten, sondern auch seinen Teamkollegen rutschte angesichts des Defekts in der Schlussphase das Herz in die Hose. "Eine Runde vor dem Ende, als Nick sich am Funk gemeldet hat, wollte ich schon eine Brücke suchen, von der ich springen kann", sagt Vanthoor. "Als er dann über die Ziellinie fuhr, bin ich in Tränen ausgebrochen."

Glücklicher Abschluss einer schwierigen Saison

Für den Belgier ging mit dem Sieg bei seinem Heimrennen in Spa ein großer Traum in Erfüllung. Und dass nach einer Saison, die sportlich voller Rückschläge war. "Für uns drei war es ein hartes Jahr."

"Das war es zwar für die ganze Welt, aber unser Programm in Amerika wird eingestellt und wir hatten in den Rennen eine Menge Pech", so Vanthoor mit Blick auf das nach der Saison endende Engagement von Porsche in der IMSA-Serie.

"Earl und ich hatten bisher noch gar nichts gewonnen. An irgendeinem Punkt habe ich im Kopf fast schon einen Schlussstrich unter diese Saison gezogen. Und dann gewinnen wir ausgerechnet mein Heimrennen in Spa", sagt Vanthoor. "Die Emotionen sind unbeschreiblich.

Mit Bildmaterial von SRO.